Gedanken zum Osterfest vom evangelischen Dekan Peter Bertram

Bildtext einblenden
Dekan Peter Bertram

Traunstein – Endlich wärmere Temperaturen. Jetzt sind neben den langersehnten Frühlingsblüten auch die ersten Schmetterlinge zu entdecken. Wunderbar anzusehende Tiere. Weit über 100 000 Arten gibt es von ihnen. Dreimal verändern sie ihr Äußeres so sehr, dass man nicht mehr glauben kann, dass es sich um ein und dasselbe Tier handelt.


Zuerst geht es als Raupe auf verfressene Wanderschaft. Nichts Grünes ist sicher, bevor die Verpuppung erfolgt. Eine Raupe hat es im Gefühl, wann es Zeit wird, »Adieu« zu sagen – sie zieht sich zurück, ist für niemanden zu sprechen, wirkt fast wie tot und bereitet sich dabei auf ein kleines Wunder vor. Dieses Puppenstadium dauert je nach Art einige Tage bis mehrere Jahre. Dabei organisieren sich die Körperteile und die inneren Organe völlig neu.

Anzeige

Schließlich werden vorsichtig die Fühler das erste Mal ausgestreckt, die herrlich eingefärbten und gemusterten Flügel entfaltet. Ein Schmetterling ist geboren.

Im Leben gibt es Zeiten der Ruhe, auch der erzwungenen Ruhe. Zeiten, in denen ich noch nicht absehen kann, was demnächst sein wird. Ob sich die Situation verbessert oder verschlechtert, weiß ich noch nicht. Die Verzagtheit und Verunsicherung sind groß.

In einem Gedicht schrieb Heinrich Böll: »Wenn die Raupen wüssten, was einmal sein wird, wenn sie erst Schmetterlinge sind, sie würden ganz anders leben: froher, zuversichtlicher und hoffnungsvoller. Der Tod ist nicht das Letzte.

Der Schmetterling ist das Symbol der Verwandlung, Sinnbild der Auferstehung.«

Der Schmetterling erinnert mich daran, dass das Leben nicht im Hier und Jetzt endet. Es wird verändert.

Das älteste Fest der Christenheit ruft uns zu: »Freut euch, ihr Christen, erstanden ist der Herr, er lebt und wir sollen auch leben.« Von Herzen wünsche ich Ihnen ein Osterfest, das uns »froher, zuversichtlicher, hoffnungsvoller« stimmt!

Mehr aus der Stadt Traunstein