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Für Wohngebiet in Seiboldsdorf: Ideen sammeln in Weyarn und Brannenburg

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Traunstein: Wohngebiet in Seiboldsdorf: Ideen sammeln in Weyarn und Brannenburg
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Auf 3,6 Hektar bei Seiboldsdorf (rot schraffiert) will die Stadt Traunstein ein neues Wohngebiet ausweisen. Dazu will der Stadtrat andernorts Projekte anschauen, um Ideen zu erhalten. (Repro: Stadt Traunstein)

Traunstein – Eine Informationsfahrt zu zwei preisgekrönten Wohnbauprojekten in Weyarn und Brannenburg und eventuell weiteren Projekten wird der Stadtrat starten. Das beschloss der Planungsausschuss in seiner jüngsten Sitzung, als es um die Entwicklung der 3,6 Hektar großen Flächen südlich von Seiboldsdorf zu einem neuen Wohngebiet ging.


Die Stadt hatte 60 Prozent der Fläche kaufen können, die restlichen 40 Prozent bleiben beim Eigentümer. Der Stadtrat hatte Ende Oktober entschieden, die Flächen möglichst schnell zu Bauflächen zu entwickeln und die Verwaltung zu beauftragen, mit erfahrenen Projektentwicklern Kontakt aufzunehmen.

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Zwei Vorbilder für Entwicklung der Flächen

Oberbürgermeister Christian Kegel (SPD) war inzwischen mit Mitgliedern der Stadtverwaltung in Weyarn – dort wurde der Klosteranger zu einem Wohngebiet entwickelt – und Brannenburg – dort geht es um das Stichwort Mehrgenerationenwohnen. Beide Beispiele sind mehrfach ausgezeichnet worden und laut Kegel als Vorbilder für die Flächenentwicklung in Seiboldsdorf gut geeignet. Beide Projektentwickler wären an einer Zusammenarbeit interessiert.

Erster Schritt im Bauleitplanverfahren wäre die Änderung des Flächennutzungsplans für die gesamte Fläche. In Seiboldsdorf stelle sich nun die Frage, so Stadtplaner Elmar Schwäbisch, ob man nicht die nördlich der Entwicklungsfläche gelegenen Bereiche, die derzeit als Dorfgebiet dargestellt sind, auch als allgemeines Wohngebiet ausweisen solle. Denn offensichtlich werde dort keine Landwirtschaft mehr betrieben. Dazu müsste man aber mit den betroffenen Grundstückseigentümern reden.

Als Grundlage zur Überplanung der Grundstücksflächen seien zudem verschiedene Gutachten nötig – etwa zum Baugrund und der Versickerungsfähigkeit, ein hydraulisches Gutachten zur Beurteilung der Oberflächenwassersituation, ein Gutachten zum Immissionsschutz und eine artenschutzrechtliche Vorprüfung. All diese könnte man schon jetzt in Auftrag geben, um letztlich Zeit zu sparen.

»Das Gebiet wäre für die Entwicklung von Wohnbauflächen ein relativ großer Durchbruch«, so Kegel. Auf die Frage von Uwe Steinmetz erklärte er, auch die Kosten für die Entwicklung des Wohngebiets würden im Verhältnis 60 zu 40 aufgeteilt. Auch sei kein Gewerbe vorgesehen.

Dr. Christian Hümmer (CSU) gab zu bedenken, dass jede Änderung des Flächennutzungsplans direkten Einfluss auf den Wert der Grundstücke habe. Man werde Wohnformen finden müssen, die vieles verbinden. Vor allem das Mehrgenerationen-Wohnen sei immer stärker nachgefragt. »Das heißt jetzt nicht, dass es keine Einfamilienhäuser mehr gibt«, so Kegel.

»Ich freue mich, dass wir über alternative Wohnformen nachdenken«, sagte dazu dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholler-Niederlöhner (SPD). »Aber das hatten wir ja in Geißing auch erst. Nur haben wir es schnell geändert, weil das Bedürfnis der Bewerber anders war. Wir entwickeln sehr viel Wohnraum, aber ja nur für eine bestimmte Klientel. Wie schaut's denn aus mit Mehrfamilienhäusern?« Dazu sagte Kegel. »Die sind selbstverständlich ein Teil davon.«

Josef Kaiser (UW) sagte dazu, natürlich sei es gut, die entsprechenden Gutachten rechtzeitig zu beauftragen. »Das bringt uns zeitlichen Vorsprung. Aber was brauch' ich denn? Bei einer leichten Hanglage weiß ich doch, dass das Wasser nach unten läuft. Und bevor wir aus dem Dorfgebiet ein allgemeines Wohngebiet machen, müssen wir doch erstmal mit den ehemaligen Landwirten reden.«

Möglich sei ja zumindest theoretisch auch, dass vielleicht der Enkel eines ehemaligen Landwirts irgendwann wieder in die Landwirtschaft einsteigen wolle, hieß es weiter in der Diskussion. Dem könnte die Umwandlung in ein allgemeines Wohngebiet dann entgegenstehen.

Auf alle Fälle sollte man über die Dachausrichtung nach Süden die Photovoltaik fördern, meinte Kaiser. Er sei wegen der hohen Erschließungskosten nicht für ein zentrales Heizsystem. Aber da 40 Prozent der Flächen beim früheren Eigentümer verblieben, gehe er davon aus, dass für diesen Mehrfamilienhäuser lukrativer seien. »Die Mischung macht's dann am Ende. Das kriegen wir schon.«

Burgi Mörtl-Körner (Grüne) war es wichtig, auf ökologische Bauweise zu achten. »Dazu gehört ökologische Energie wie ein Blockheizkraftwerk, Photovoltaik oder Wärmepumpen.« Angesichts des demografischen Wandels bevorzugte sie Mehrgenerationenhäuser. »Wie lange sind denn Einfamilienhäuser bewohnt?« Es gebe viele alternative Wohnformen. Im Übrigen gehe auch der Landkreis in Richtung CO2-neutraler Holzbauweise. Auch in Altötting gebe es eine sehr moderne Wohnanlage, »die sollten wir bei unserer Informationsfahrt miteinbeziehen«.

Dr. Christian Hümmer (CSU) merkte noch an, es gehe bei der Entwicklung des Wohngebiets nicht um eine spezielle Klientel. »Einfamilienhäuser, Zweifamilienhäuser, Wohnungen, Mehrgenerationen-Wohnen – in Weyarn wird das Thema nicht über Flächensparen geführt, sondern eher über mehr Gemeinschaft. Die haben das so gebaut und an den Mann gebracht, das wird uns schon auch gelingen.«

Bisherigen Eigentümer mit ins Boot holen

Peter Forster (SPD) regte an, bei der Informationsfahrt unbedingt auch den Eigentümer der restlichen Fläche mitzunehmen, damit auch er eine Vorstellung von den Planungen erhalten könne. »Wir sollten ihn unbedingt frühzeitig ins Boot holen.«

Einstimmig beschloss also der Planungsausschuss die Informationsfahrt für den Stadtrat, die Darstellung auch der nördlichen Flächen im Flächennutzungsplan als allgemeines Wohngebiet und die entsprechenden Gespräche mit den früheren Seiboldsdorfer Landwirten sowie die Beauftragung der notwendigen Gutachten. coho

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