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Fünf Wochen waren ein Herz und eine Seele getrennt

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Nach fünf langen Wochen sind Sappho-Josepha Hanke und ihre Hündin »Molly« endlich wieder vereint.

Traunstein – Ihr Glück kaum fassen kann Sappho-Josepha Hanke. In Abstatt, einer Gemeinde in Baden-Württemberg, schließt sie ihre »Molly« ganz fest in ihre Arme. Als Hanke sich Ende September in Grabenstätt aufgehalten hatte, war ihr einjähriger Entlebucher Sennenhund weggelaufen. Fünf lange Wochen hatte sie ihren geliebten Vierbeiner vermisst, groß war ihre Angst gewesen, »Molly« für immer zu verlieren. Doch dann tauchte die Hündin in Traunstein auf, ließ sich einfangen – und ein Wiedersehen kam zustande. »Sie hatte acht Kilogramm abgenommen«, erzählt Hanke im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. »Und etliche Flöhe hüpften auf ihr rum.«

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Mit ihren beiden Hunden, dem »Eddie« und seiner Schwester »Molly«, war Sappho-Josepha Hanke am 26. September nach Grabenstätt zu einem Landwirt gefahren. Nachdem in Abstatt Leinenzwang für »Eddie« angeordnet worden war, suchte die Hundehalterin für ihn ein neues Zuhause. Und weil »Molly« sich nicht von ihrem Bruder trennen ließ, hatte sie die Hündin auch im Auto – und Hanke war bereit, sich von ihr zu trennen, damit's beiden Tieren gut geht.

Im Haus der Familie in Grabenstätt saß die Hundehalterin oben in den Wohnräumen, um über die Vierbeiner zu sprechen. »Eddie« und »Molly« blieben unten in der Garage – und dann passierte das Unglück. »Wir saßen einige Minuten am Tisch, als von unten ein Schrei ertönte: 'Der kleine Hund ist weg.'« Der Sohn der Familie hatte ihren Angaben zufolge die Garagentür geöffnet – und »Molly« habe sich auf und davon gemacht. Die Hündin sei vor ein Auto gelaufen, der Wagen habe den Vierbeiner angefahren. »Molly rannte entgegen der Fahrtrichtung nach Chieming und bog in den Wald ab.« Die Familie des Bauern habe geschaut, »ich habe mit 'Eddie' gesucht. Keine Spur«. Die Hundehalterin konnte ihre Suche nicht fortsetzen, sie musste nach Hause zurückfahren zu ihren Kindern.

Dass »Molly« weggelaufen war, verbreitete sich in Grabenstätt in den folgenden Tagen in Windeseile. Eine Schar von Helfern hielt Ausschau nach dem Tier. Neben Bürgern, die mit offenen Augen durch die Gegend gingen, begaben sich Mitglieder des K-9 Suchhundezentrums und der Tierschutzorganisation Tasso auf die Suche nach dem Entlebucher Sennenhund. Hanke freute sich, klinkte sich ein und begab sich – was in der Folgezeit dann immer wieder vorkommen sollte – in den Chiemgau. »Ich fuhr mit meinen Kindern nach Grabenstätt. Wir ließen Flyer drucken, verteilten sie überall. Wir fuhren alle Bauernhöfe ab, gingen die Wälder, Wiesen und Felder ab« – doch »Molly« fanden sie nicht.

»Insgesamt war ich von den 35 Tagen, die Molly abgängig war, 19 Tage im Kreis Traunstein«, erzählt Hanke jetzt im Rückblick. »Ich übernachtete im Auto, richtete Futterstellen ein, bekam von K-9 Kameras. Nichts. Es kamen immer wieder Sichtungen über Tasso ein, bei jeder Sichtung fuhr ich los. Doch da ich vier Stunden Fahrtweg mit dem Auto habe, war 'Molly' mir immer einige Kilometer voraus.«

»Molly« lief in der Folgezeit von Grabenstätt über Chieming bis nach Traunstein. Sappho-Josepha Hanke war einmal da, einmal dort – und sie ging weite Wege, um ihren geliebten Vierbeiner zu finden. »Ich lief in fünf Tagen 167 Kilometer querfeldein«, erzählt sie.

Immer wieder kam sie ihrem Tier ganz nah. So habe sie etwa per Anruf die Info erhalten, wie Hanke erzählt, dass »Molly« an der Chiemseestraße in Traunstein gegenüber des Arbeitsamts gesichtet worden sei. Die Hundehalterin fuhr hin – und sie sah, dass sich »Molly« unter dem Dach einer Firma aufhielt. »Sie lag im Rindenmulch und schlief«, erzählt Hanke. »Als ich mich näherte, knirschte ein Kieselstein unter meiner Schuhsohle. Sie war so scheu, dass sie bei diesem Geräusch erschrak und weg ging. Sie lief schlecht und war dünn. Ich bin nicht hinterher gerannt.«

»Molly« war wieder weg – aber nicht weit weg. Wie sich herausstellte, begab sie sich ins nahe gelegene Geißing. Und in diesem Stadtteil blieb sie dann auch. So erhielt Hanke eines Morgens den Hinweis der Tierschutzorganisation Tasso, der Vierbeiner sei von mehreren Menschen in einer Wohnsiedlung in Geißing gesichtet worden. »Molly« sei »langsam durch sämtliche Gärten gelaufen«. Als sie Kinder bemerkt habe, sei sie in ein Bambusfeld gerannt. »Die Wildtierhilfe Amerang hatte von 'Molly' gehört und bot an, das Feld mit Drohnen zu überfliegen. Da das Wetter so schlecht war, hatten sie vorgeschlagen, das Feld zu umzäunen. Anwohner der Siedlung bewachten das Feld.« Auch K-9 habe den Hund sichern wollen. Doch am Ende seien alle Bemühungen einmal mehr erfolglos geblieben. »Molly entwischte erneut.«

Die Suche fand dann aber wenig später doch ein Happy-End. Mit Hilfe von Petra Mayer vom Tierschutzring Traunstein habe Hanke dann, wie sie weiter berichtet, eine Falle aufgestellt. Und »Molly« habe sich fangen lassen. »Wir legten Spuren durch Geißing aus Wurstwasser, die zur Falle führten, und errichteten ein Festmahl für unsere 'Molly'.« Fünf Katzen seien gekommen und hätten sich an dem Mahl satt gefressen. Als die Hoffnung schon fast ganz abhanden gekommen war, sei dann aber auch der gesuchte Entlebucher Sennenhund eingetroffen. »'Molly' hat uns sofort erkannt. Sie wedelte mit dem Schwanz und jaulte.« pü

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