Fünf Blasinstrumente ergänzen die Ettendorfer Orgel

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Robert Schlegl mit dem ersten Sopran-Zink, den er aus Spanien erhielt – dieser ist aus Maisstärke angefertigt und wurde mittels 3-D-Drucker hergestellt. Nur wenige Menschen weltweit können dieses außergewöhnliche Instrument tatsächlich exzellent spielen. (Foto: Bittner)

Traunstein – Das Ziel ist erreicht: Der aktuelle Kulturpreisträger der Stadt Bad Reichenhall, Robert Schlegl, ist glücklich – seine Spendensammlung ist von Erfolg gekrönt. Er kann sogar ein Instrument mehr anschaffen als zunächst vorgesehen, also fünf, weil das Spendenziel um ein paar Tausend Euro übertroffen wurde.


Instrumentenbauer Ewald Meinl aus Geretsried ist bereits damit beschäftigt, eine Alt-, eine Tenor- und eine Bass-Posaune in der historischen Bauart des 17. Jahrhunderts herzustellen – passend zur Entstehungszeit der Kirchenorgel in Ettendorf. Ein Zink ist bereits eingetroffen, ein anderer aus Paris auf dem Weg. Sie alle sollen im Sommer gemeinsam mit der 350 Jahre alten Orgel in Traunstein erklingen.

Die Kosten für die ursprünglich vier geplanten Instrumente kalkulierte Robert Schlegl vorab auf 16 454 Euro. Zusammen kamen 19 570 Euro. »Überwältigend«, sagt er im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt: »Denn das ist jetzt für das Programm im Ettendorfer Kircherl – sowohl für St. Oswald-Kirchenmusiker Manfred Müller, als auch für mich – Motivation, Ansporn und ein gewisses Maß an Verpflichtung, das Instrumentarium einzusetzen und möglichst breit bekannt zu machen. Wir wollen Musik-Profis genauso wie Laien und Musik-Schülerinnen und -Schüler mit einbinden.«

Jetzt gehe es darum, das Projekt mit Leben zu füllen, so der 44-Jährige. Die Plattform für die Spendensammlung, neudeutsch Crowd-funding, stellte die VR-Bank Berchtesgadener Land: »Wir unterstützten die Projektleiter sehr gerne und freuen uns über den Erfolg der Aktion«, sagt Katharina Moderegger aus dem Vertriebsservice Marketing der Volksbank Raiffeisenbank Oberbayern Südost eG dazu.

Dass er das Ziel nicht nur erreicht, sondern sogar ein gutes Stück übertreffen würde, damit hätte Schlegl nicht gerechnet: »Ganz ehrlich? Nein. Freilich hatte ich gehofft, dass wir vielleicht mit Ach und Krach und viel Geduld die Ziellinie erreichen. Das, was wirklich dabei herausgekommen ist, ist überwältigend.«

Es kamen über 3000 Euro mehr zusammen als anvisiert. Er kann deshalb nun sogar ein Instrument mehr kaufen. »Die Freude darüber ist genauso groß wie die Vorfreude auf die Instrumente selbst.« Ein Zink sei bereits da, einer komme aus Frankreich. Beide hätten Grifflöcher wie eine Flöte und ein Mundstück wie eine Trompete. Die drei Barock-Posaunen kommen vielleicht schon Mitte Juni – »ich werde sie mit großer Freude persönlich abholen und dann reinigen, einspielen, also in '»optima forma' bringen, sagt Schlegl dazu.

Es sei ein großer Ver-trauensvorschuss aller Spender. Er freue sich sehr, dass die Menschen das Konzept in dieser Art und Weise begrüßen. »Es ist gleichzeitig die Verpflichtung für uns, jetzt tatsächlich etwas nachhaltig Werthaltiges auf die Beine zu stellen.«

Die VR-Bank steuerte einen Zuschuss bei, stockte das Crowdfunding auf: Für jeden Euro spendete sie 25 Cent, gedeckelt bis zum ursprünglichen Crowdfunding-Ziel. Dabei kamen 3290 Euro an Unterstützung heraus. Der Überschuss liegt bei etwa 20 Prozent des ursprünglichen Aktionsziels. Was damit zu geschehen hat, wurde vorab festgelegt.

Mit dem Überschuss soll ein Übergabekonzert organisiert werden, möglicherweise eine CD-Produktion, so Schlegl weiter. »Die Herstellung des zweiten Zinks falle hier ebenfalls mit hi-nein, um eine noch größere musikalische Bandbreite an Kompositionen abdecken zu können. Wir haben somit zwei Sopran-Instrumente und drei tiefe Blech-Posaunen – Alt, Tenor, Bass – und können damit fünfstimmige Instrumentalmusik spielen. Das eröffnet uns zusätzlich recht breit aufgestellte Möglichkeiten.«

Den zweiten Zink aus Spanien hat Schlegl bereits erhalten. »Die Besonderheit ist, dass er aus dem 3-D-Drucker stammt, aus Maisstärke hergestellt und mit Leder ummantelt ist«, erklärt Schlegl. Gebhard David, ein Nürnberger, der mittlerweile in Spanien lebt, baut Zinken – 3-D-gedruckte genauso wie traditionelle. Er ist mit der Sopranistin Núria Rial verheiratet. Der Zink aus Paris, gebaut von Serge Delmas, wird zunächst zum Ölen, Einspielen und Abstimmen zu einer Zinkenistin nach Aurich geschickt. Sie wird diesen Zink dann konzertant vorstellen.

Er selbst, so erklärt Schlegl, sei zwar Profi-Musiker auf Barock-Posaunen. Diesen Zink könne er aber nicht spielen: »Nein, keine Chance. Das ist sehr speziell und extrem schwer, da das Mundstück so klein ist. Es können weltweit überhaupt nicht sehr viele Musiker wirklich darauf spielen.« Viele, die Zink spielen können, kämen von der Flöte. Er sei Posaunist. »Das ist etwas ganz anderes. Der Zink ist ein tolles Instrument, aber ich bin und bleibe gern bei der Posaune.«

Das erste Konzert mit den im historischen Stil nachgebauten Instrumenten im Ettendorfer Kircherl ist am Samstag, 10. Juli, geplant. Freilich sei in diesen Zeiten alles ungewiss und unter Vorbehalt zu behandeln. Möglicherweise würden es – der Pandemie geschuldet – zwei oder drei Konzerte mit reduzierter Spieldauer, beginnend am späten Nachmittag. Mit entsprechenden Abständen könnten jeweils 30 Besucher in der Kirche mit dabei sein.

bit

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