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"Fridays for Future": An Demos in der Unterrichtszeit scheiden sich die Geister

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"Friday for Future" – An Demos in der Unterrichtszeit scheiden sich die Geister
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Viele Schüler demonstrierten vor knapp zwei Monaten in Traunstein für den Klimaschutz. Eine zweite Kundgebung in der Kreisstadt ist am Freitag. (Foto: Albrecht)

Traunstein – Hohe Wellen schlagen in Traunstein die Demonstrationen der Schüler für eine bessere Klimapolitik. Zu einer zweiten Kundgebung in der Kreisstadt treffen sie sich am Freitag. Dürfen sie die Schule schwänzen und auf die Straße gehen? Der Veranstalter meint Ja, die Direktoren sagen Nein. Die Schulleiter unterstützen das Anliegen, sind aber nicht damit einverstanden, wenn die Demos in der Unterrichtszeit stattfinden.


Wie den ersten »Friday for Future« im Februar in Traunstein organisiert Simon Hüller auch den zweiten. Der 18-Jährige aus Kirchanschöring hat im letzten Jahr das Abitur am Chiemgau-Gymnasium (CHG) in Traunstein abgelegt. .»Ich bin der Meinung, dass es wichtig ist, dass diese Demos zur Schulzeit stattfinden, da damit unsere Message unterstützt wird, wie gefährdet wir unsere Zukunft sehen, wenn nicht bald gehandelt wird.« Und weiter meint er: »Die Klimakatastrophe ist für uns viel wichtiger als Schule. Wir können nicht mehr warten, dass etwas getan wird.«

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Greta Thunberg habe einen »Schulstreik für das Klima« ausgerufen, erinnert Hüller an den Anfang der internationalen Schülerbewegung. »Wir sind alle froh, das Privileg der Schulbildung zu haben, aber wir haben im Gegensatz zu vielen anderen Menschen der älteren Generationen erkannt, dass es egal ist, ob wir freitags die Schulbank drücken oder nicht, wenn wir die Erde weiterhin im Eiltempo gegen die Wand fahren. Wir müssen etwas gegen die anstehende Katastrophe tun.«

Die meisten Teilnehmer der Demo am 22. Februar hätten gesagt, so der Organisator weiter, dass sie für so eine wichtige Sache »gerne Verweise entgegennehmen – und genau das ist unsere Message«. Die Diskussion darüber, ob Schüler nun demonstrieren sollen oder dürfen, hält er für »lächerlich«, denn »eigentlich sollte jeder einzelne seine Gedanken lieber darauf verwenden, zu versuchen, der Klimakatastrophe entgegenzuwirken.«

Ein Interessenskonflikt für die Schüler des CHG, die sich an der Demo am Freitag beteiligen wollen, ergibt sich nicht. Anders als bei der ersten Kundgebung fällt die zweite in die unterrichtsfreie Zeit. »Wir haben kein Problem damit«, sagt Schulleiter Klaus Kiesel. »Der Unterricht vor den Osterferien endet am Freitag traditionell um 11 Uhr.«

»Ich unterstütze das Anliegen«, stellt sich der Direktor hinter die Schüler, die für den Klimaschutz auf die Straße gehen. Die Demonstrationen sollten jedoch in der Freizeit stattfinden. So sagt der Schulleiter, dass die Teilnahme an einer Kundgebung, die während der Unterrichtszeit stattfindet, einen Verstoß gegen das Bayerische Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen darstellt. Und so etwas müsse dann geahndet werden.

Die Wahl der Mittel sei jedoch alles andere als einfach, so der Direktor weiter. Von Strafen wolle er absehen. »Ich will Konsequenzen vermeiden«, sagt er. Stattdessen hat er sich an die Eltern gewandt und an sie appelliert, mit ihren Kindern zu reden.

Im Annette-Kolb-Gymnasium (AKG) in Traunstein beginnt am Freitag um 11 Uhr – wie Schulleiter Bernd Amschler mitteilt – eine Vollversammlung. Im Mittelpunkt stehen seinen Angaben zufolge Natur- und Nachhaltigkeitsprojekte, das Motto laute »We do«. Eine Preisverleihung erfolge, die Vollversammlung ende voraussichtlich gegen 11.45 oder 12 Uhr. »Wir gehen fest davon aus, dass die Schüler die Versammlung besuchen.« Im Anschluss könnten sie sich an der Demonstration beteiligen und ihre Meinung zur Klimapolitik äußern.

Auf die Ankündigung für die neuerliche Demonstration hat Amschler, wie er weiter ausführt, »keine Reaktion« im AKG vernommen. Was passiert, wenn sich Schüler am Freitag bereits um 11.30 Uhr an der Demo beteiligen, lässt er offen. Eine Entscheidung will der Direktor im Vorfeld nicht treffen. Wer sich an der Demo im Februar beteiligt hatte, bekam keinen Verweis.

Wie Kiesel sagt auch Amschler, dass die Meinungsäußerungen der Schüler zum Klimaschutz richtig und wichtig seien. »Dass die Schüler ihre Interessen vortragen, ist völlig in Ordnung.« Aber auch der Leiter des AKG wendet sich gegen Demos in der Unterrichtszeit. Ideal wären Kundgebungen, so Amschler, die nach der Schule angesetzt werden. pü