Frau ermordet: Prozessbeginn in Traunstein

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Ein 61-Jähriger (rechts), hier mit Verteidiger Harald Baumgärtl aus Rosenheim, musste sich vor dem Traunsteiner Schwurgericht wegen Mordes an einer 59-jährigen Frau aus Bergen verantworten. (Foto: Kretzmer)

Traunstein – Wegen Mordes an einer Bergenerin steht ein 61-jähriger, gebürtiger Traunsteiner seit Dienstag vor dem Schwurgericht Traunstein. Der Mann soll am 9. Januar 2020 die 59-Jährige in deren Wohnung ermordet, ihre Leiche zerstückelt und im Wald versteckt haben.


Am ersten Prozesstag erzählte der Mann von einem verpfuschten Leben. Die Eltern, die in Traunstein lebten, schickten den ihrer Ansicht nach schwer erziehbaren Buben mit sieben Jahren in ein Heim in Marktl am Inn. Zwei Jahre später kam der Bub in ein Jugendhaus in Glonn bei Grafing, wo er mit 15 Jahren die Schule abschloss und eine Elektrikerlehre begann.

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Zwei Tage nach Lehrstart floh er mit Zimmerkollegen und einem gestohlenen Auto, verursachte einen Unfall, wurde inhaftiert und erhielt seine erste Jugendstrafe. Die Bewährung wurde widerrufen nach weiteren Straftaten, Haft folgte. Der Angeklagte floh aus dem Gefängnis, stahl ein Auto und wurde wieder erwischt. Neue Diebstähle brachten den Mann erneut hinter Gitter. In der Nähe von Pfaffenhofen/Ilm eröffnete er ein Schreinergeschäft. Ein betrügerischer Kunde bescherte ihm finanzielle Probleme. Die Idee, mit Autodiebstählen und Einbrüchen die Firma am Leben zu erhalten, scheiterte. Unter anderem wurde er in Neuburg verurteilt. In Baden-Württemberg absolvierte er erfolgreich die Meisterprüfung zum Tischler. 2002 war die nächste Verurteilung in Stuttgart. Insgesamt verbrachte der 61-Jährige etwa 20 Jahre hinter Gefängnismauern. Zweimal – 2016 und 2018 – verhängte das Landesgericht Salzburg Freiheitsstrafen wegen Betrugs, Einbruchs und Diebstahls. Von 2014 bis einige Monate vor der Tat in Bergen arbeitete der Angeklagte in Salzburg in einer Tischlerei.

Dreimal verheiratet

Dreimal heiratete er, davon einmal während eines Gefängnisaufenthalts. Mit der dritten Ehefrau zog er 2009 für einen »Neuanfang« nach Pöndorf in Oberösterreich. Sie verdiente gut, alles funktionierte einige Zeit. Im Mai 2019 trennte sie sich von ihm und zog aus. In der Folge hatte der Mann finanzielle und gesundheitliche Probleme durch einen Bandscheibenvorfall. In mehreren Internetportalen suchte er 2019 nach Frauenbekanntschaften, oberflächliche Kontakte waren entstanden. Die 59-Jährige war die fünfte Frau, die er kennenlernte. »Ich wollte nicht allein sein«, begründete der 61-Jährige seine Aktivitäten im Netz. Er habe Partnerschaften und Sex gesucht, aber kein Geld, erwiderte er auf Nachfrage von Vorsitzendem Richter Erich Fuchs.

In einem Portal stieß er auf das spätere Opfer, das Musik aus den 1970er Jahren liebte. Der Angeklagte berichtete, die Frau habe ihn wegen früherer schlechter Erfahrungen mit einem Mann in Graz nicht in Pöndorf besuchen wollen. Zeitgleich hatte er noch Kontakte zu anderen Frauen. Ende Dezember 2019 tauchte er erstmals bei dem späteren Opfer in Bergen auf. Der 61-Jährige: »Wir haben uns sehr gut verstanden. Wir hörten viel Musik. Sie war bodenständig und sehr lieb, hat mir beim ersten Mal eine Massage gegen meine Rückenschmerzen gegeben.« In den nächsten Tagen sei man sich näher gekommen, sei auch spazieren gegangen.

Nach Aussagen des Angeklagten hatte das Paar am Morgen des Tattags angeblich »heftigen Sex«. Er habe keine Luft mehr bekommen und die Frau von sich »runtergeschoben«. Der 61-Jährige weiter: »Sie fing an zu schreien, was das soll. Sie war so sauer. Ich wusste nicht, was das soll. Später wurde mir klar, dass sie auf die Bettkante gefallen sein musste. Sie hatte mal eine Schädel-Operation. Ich hatte Angst, ihr ist was passiert.« Die 59-Jährige habe ihn mit der Rückhand ins Gesicht geschlagen, mit der Ferse in den Rücken getreten. Dabei habe sie »Hau ab« und »Lass mich in Ruhe« geschrien. Nach dem Tritt habe er selber mit der Faust ins Gesicht der Frau geschlagen: »Ich war auf einmal so zornig. So etwas ist mir nie im Leben passiert.« Die 59-Jährige habe nach einer goldenen Figur hinter dem Bett gegriffen: »Ich habe ihr die Figur weggenommen und sie dann irgendwann von hinten mit dem Arm gewürgt – 30 Sekunden, 60 Sekunden, ich weiß es nicht. Ich wollte einfach, dass Ruhe ist. Ich habe aufgehört, als ich das Gefühl hatte, dass sich nichts mehr bewegt.« Heute sei er »traurig, der Frau das Leben genommen zu haben«.

Der 61-Jährige bestätigte den weiteren Inhalt der Anklage, darunter das Zerstückeln der Leiche. »Was denkt man sich dabei?« Auf diese Frage von Vorsitzendem Richter Erich Fuchs antwortete der Angeklagte: »Der Gedanke war, nicht entdeckt zu werden, das vertuschen zu können. Ich hatte mich zu der Zeit mit Ritalin (Anmerkung der Redaktion: Ein verschreibungspflichtiges Medikament, das unter die Betäubungsmittel fällt) vollgepumpt. Ich dachte, ich muss das machen, ich muss das machen. Normale Gedanken habe ich ausschalten können.« Das in der Wohnung der 59-Jährigen gefundene Geld gab der 61-Jährige sofort mit vollen Händen aus – für einen BMW, eine Sitzgarnitur, ein neues Handy, Boxen, einen Tuner. Er ließ sein altes Auto reparieren und beglich die Mietschulden.

kd

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