weather-image
20°

Flächenverbrauch: Einig, dass etwas getan werden muss, aber wie?

3.4
3.4
Bildtext einblenden
Diskutierten über Wege aus einem unnötig hohen Flächenverbrauch (von rechts): Moderator Josef Mayer vom CSU-Kreisverband, Konrad Schupfner, Bürgermeister der Stadt Tittmoning und Vorsitzender des Städte- und Gemeindetags, Beate Rutkowski, Vorsitzende der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Traunstein, Peter Rubeck, Landschaftsarchitekt und Bauleitplaner, und Bernhard Haberlander vom Maschinenring Traunstein.

Traunstein – 9,8 Hektar Fläche werden in Bayern pro Tag (Stand 2016) versiegelt – etwa 14 Fußballfelder. Im Bräustüberl diskutierten auf Initiative des CSU-Arbeitskreises Umweltsicherung und Landesentwicklung Fachleute über die Auswirkungen des Flächenverbrauchs. Die Grünen im Landtag wollen ihn per Volksbegehren auf fünf Hektar pro Tag begrenzen.


Zur Diskussion stellten sich Konrad Schupfner, Bürgermeister von Tittmoning und Vorsitzender des Städte- und Gemeindetags, Beate Rutkowski, Vorsitzende der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Traunstein, Peter Rubeck, Landschaftsarchitekt und Bauleitplaner sowie Bernhard Haberlander vom Maschinenring Traunstein.

Anzeige

Die Notwendigkeit, mit Flächen sorg- und sparsam umzugehen, teilten alle Teilnehmer. Nur über das Wie gingen die Meinungen zum Teil weit auseinander. CSU-Ortsvorsitzender Dr. Christian Hümmer meinte zu dem möglichen Volksbegehren: »Die Diskussion darüber gibt es schon relativ lange. Gleichzeitig geht es auch um die Planungshoheit der Kommunen und die hat Grundrechtscharakter.«

Schupfner meinte, ein attraktiver ländlicher Raum brauche ausreichende Wohnungsangebote und attraktive Arbeitsplätze. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass junge Fachkräfte – besonders Akademiker – wegziehen. Zudem betonte er: »Wenn wir die Flächenausweisung halbieren, werden zwangsläufig weniger Wohnungen entstehen und die Preise werden steigen.«

Beate Rutkowski monierte, 93 Hektar Verkehrs- und Siedlungsfläche seien 2016 in Traunstein »verbraucht« worden. Wälder seien verschwunden, etwa zwischen Nußdorf und Traunstein. Im Süden würden »hässliche Gewerbegebiete gebaut.« Zudem bedeute Flächenversiegelung den Verlust der Artenvielfalt. Die Gefahr von Hochwassern steige. »Neue Ideen, neue Wohnformen« seien nötig. Aber »Freiwilligkeit funktioniert nicht«. Man brauche klare Zielvorgaben. »Umdenken und zwar sofort« forderte sie. Peter Rubeck forderte mehr generationsübergreifendes Wohnen, um Bedürfnissen junger Familien und älterer Menschen gerecht zu werden. Man könne im Geschoßwohnungsbau eine Ebene drauf packen, Dachbegrünungen könnten als Ausgleichsfläche förderlich sein. Er riet zu interkommunalen Ausgleichsflächen.

»Aus Sicht der Landwirtschaft ist wichtig, dass viel Boden für die Landwirtschaft und Natur erhalten bleibt«, betonte Bernhard Haberlander. Er kritisierte den eingeschoßigen Bau von Discountern. Auch im Landkreis Traunstein gebe es bei deren Auszug Leerstandsprobleme. Er erwarte, dass künftig mehr in die Tiefe und in die Höhe gebaut werde, sagte er mit Blick auf die Entwicklung in Großstädten.

Gemeinderat Georg Huber aus Waging befürwortete das Volksbegehren. In Waging sei das aktuelle Beispiel, dass Discounter bauen wollen und viel Fläche verbrauchen. Max Wimmer aus Grabenstätt ging auf das Landschaftsbild ein: »Alle wollen hierher und das weckt die Begehrlichkeit auf unsere Grundstücke.« Gemeinde und Planer bräuchten kreative Lösungen, gerade beim Wohnungsbau. Die Bebauungspläne hätten sich aber in den letzten Jahrzehnten kaum verändert. »Gerade das Mehrgenerationenhaus ist ein total wichtiges Thema.« Man brauche Lösungen und kein Schwarz-Weiß-Denken. Auch die Naturschutzverbände seien gefordert.

Franz Harrer aus Bergen sagte, alleine mehr Wandhöhe würde einen sinnvollen Dachgeschoßausbau ermöglichen. Die Versorgung pflegebedürftiger Eltern sei mangels Dachgeschoßausbaus oft nicht gewährleistet. Auch Hausmeisterwohnungen in Gewerbegebieten sollten leichter möglich sein.

Ute Künkele aus Petting fragte, wie man aufgelassene Bauernhöfe für Familien adaptieren könne. Auch kritisierte sie die Gartengröße mancher Häuser, die von Eigentümern oft nicht mehr bewirtschaftbar seien.

Konrad Baur aus Traunstein kritisierte, vor der Landtagswahl stelle jede Gruppierung ihre Daseinsberechtigung mit »überzogenen Forderungen« dar. 13 Hektar Flächenverbrauch pro Tag seien zu hoch angesetzt. »Zubetoniert ist in etwa die Hälfte.« Dies würde aber von verschiedenen Seiten falsch dargestellt. »Es ist schön, wenn alles in unserer Postkartenidylle bleibt. Aber davon kann ich meine Familie nicht ernähren.« Wer heute den Preis künstlich in die Höhe treibe, »der verrät die künftige Generation.«

Rainer Schenk aus Traunstein sagte, es sei nicht nötig, Zahlen zu diskutieren. »Taten müssen folgen.« Die Diskussion sei aber wenig ermutigend. Er frage sich, warum die letzten zwei Jahrzehnte wenig passiert sei. Johann Kainz aus Traunstein betonte, es gehe um begrenzte Ressourcen. »Die Grenzen des Wachstums werden beim 'Flächenfraß' sichtbar.« Monika Klingenberg-Weigel aus Traunstein sagte, viele Städte seien von einem »hässlichen Gewerbegürtel« umgeben. »Die Bevölkerung ist deshalb gegen Versiegelung, weil alles so schrecklich aussieht.«

Dr. Hümmer gab als Slogan aus: »Heimat bewahren und Heimat geben«. Auswüchse müssten zurückgedrängt werden. »Aber wir dürfen nicht das Kind mit dem Bade ausschütten.« Es müsse andere Instrumente als Verbote geben. Schupfner fasste zusammen: »Keine Diskussion 'Menschen gegen Naturschutz', sondern Mensch und Natur miteinander befrieden.« Über das Wie, Wann und in welchem Umfang blieben die Positionen in wichtigen Teilen kontrovers. awi

Mehr aus der Stadt Traunstein