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Finanzierung der Hauptorgel von St. Oswald steht

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Noch herrscht Leere auf der Orgelempore in Sankt Oswald. Die Finanzierung für das Instrument steht aber bereits, wie die Orgelfreunde mitteilten. (Foto: Archiv Wannisch)

Traunstein – Die Finanzmittel von Kirchenverwaltung und Orgelverein, eine zweckgebundene Erbschaft sowie die zugesagten Fördermittel reichen aus, dass die Orgelbaufirma Klais in Bonn noch in diesem Jahr mit der Fertigung der Hauptorgel der katholischen Stadtpfarrkirche St. Oswald – zweiter Teil des Papst-Benedikt-Orgelwerks – beginnen und deren Einbau erfolgen könnte. Diese erfreuliche Mitteilung machte der Vorsitzende der »Orgelfreunde St. Oswald-Traunstein«, Altoberbürgermeister Fritz Stahl, den Mitgliedern bei der Jahreshauptversammlung im Pfarrheim.


Mit Bedacht versah er diese Ankündigung für das 1,1-Millionen-Projekt jedoch mit dem Vorbehalt »könnte«. »Die Erkenntnis ist schon eigenartig, dass die Finanzierung früher klar geworden ist als die Baumöglichkeit«, sagte er. Aber die zeitaufwändige und sehr kostenintensive Innenraumsanierung der Kirche sei vor dem Orgelbau dringend notwendig. Diese sei inzwischen angepackt und schreite zügig voran. Es bleibe zu hoffen, dass es keine Überraschungen gebe, die negative Auswirkungen auf Zeit und Orgelgeld hätten, wünschte sich Stahl.

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Der Verein »Orgelfreunde St. Oswald-Traunstein« könne die für die Beschaffung bestehende Finanzierungslücke der Kirchenstiftung schließen. Der Arbeitskreis Orgel und der Vereinsvorstand hätten deshalb der Mitgliederversammlung bereits im vergangenen Jahr vorgeschlagen, aufgrund der aktuellen allgemeinen Finanzierungslage für die neue Hauptorgel ab 2019 die spezielle Werbung und Sammlung von Spenden vorläufig zu beenden. »Mitgliedsbeiträge und allgemeine Spenden werden für die anderen satzungsgemäßen Zwecke verwendet und nicht mehr wie bislang automatisch für das 'Papst-Benedikt-Orgelwerk'«, erklärte Stahl. Selbstverständlich seien Spendenmittel für die Hauptorgel, zum Beispiel durch Orgelpatenschaften oder Mitgliedschaften im Verein weiter willkommen.

Der Verein könne jetzt über die Finanzierungshilfen für Investitionsvorhaben hinaus an die Unterstützung der Orgelmusik selbst denken. »Es ist ja auch Vereinsziel, zu vermitteln, dass Orgeln nicht nur als historische Instrumente ihren Wert haben, sondern auch die Orgelmusik in unserer Zeit einfach zum Gottesdienst gehört, ihn vertieft, ausschmückt und auch alleine eine besondere Form der Andacht und natürlich auch Kunstgenuss ist«, betonte der Vorsitzende. Er verwies auf die Konzertreihe »Musik im Kircherl« mit Kirchenmusiker Manfred Müller im Ettendorfer Kircherl, die auch 2018 wieder ein voller Erfolg gewesen sei.

Zusammenarbeit läuft sehr gut

Die Zusammenarbeit des Orgelvereins mit anderen Institutionen sei sehr gut, meinte Stahl und erwähnte besonders die Besprechungen im Arbeitskreis Orgel sowie die Informationen an den Pfarrgemeinderat und die Kirchenverwaltung. »Alle Veröffentlichungen des Vereins wurden mit den Kirchengremien abgestimmt. Es gab laufende Informations- und Abstimmungsgespräche mit Stadtpfarrer Georg Lindl und der Kirchenverwaltung«, sagte er. Selbstverständlich habe der Verein enge Verbindung mit dem Pfarrgemeinderat gehalten, weil das Thema »Orgel« den Gottesdienst und die Liturgie ganz besonders betreffe.

Seinen Kassenbericht verband Schatzmeister Martin Spörlein mit einem Rückblick auf die vergangenen zehn Jahre. In diesem Zeitraum wurden fast 29 000 Euro an Mitgliedsbeiträgen, über 280 000 Euro an Spenden, rund 11 000 Euro durch den Verkauf von Orgelwein  und 7000 Euro über die Regionalwährung »Chiemgauer« eingenommen.

Die Erzdiözese habe die Innenrenovierung von St. Oswald zur »Chefsache« gemacht, weil sie so wichtig sei, erklärte Stadtpfarrer Georg Lindl. Grundsätzlich stünden Zeitplan, Kostenrahmen sowie die Konzep-tion der Kirche. Die Innenrenovierung laufe gut, aber auch nicht immer glatt. So hätten sie zum Beispiel die Öffnung der Gruft, die Schadstoffbelastung der Empore und der Ausbau der Bänke etwas verzögert. Farbe müsse abgekratzt werden. Viele Putzschichten fielen ab. »Ein Altbau birgt halt Überraschungen«, stellte Dekan Lindl fest. Sobald die Baumeisterarbeiten abgeschlossen seien, werde das Kirchenschiff für die Maler eingerüstet.

Bis Ende Oktober 2020 müsse die Orgel eingebaut werden, um den Vertrag mit der Orgelbaufirma fristgerecht zu erfüllen. Mit dem Architekturbüro prüfe man daher Möglichkeiten für deren Einbau, selbst wenn es zu Verzögerungen beim Bau käme. »Wir wollen die Vertragssicherheit gewährleisten und den Vertrag vertragsgemäß pünktlich erfüllen«, unterstrich der Stadtpfarrer. Sein Wunsch sei, die Stadtpfarrkirche St. Oswald so schnell wie möglich wieder zu öffnen, spätestens an Weihnachten 2020, am liebsten jedoch bereits an Kirchweih 2020. Für die Einweihung der Hauptorgel soll es laut Lindl ein eigenes Fest geben.

Über den Stand des Orgelprojekts sagte Kirchenmusiker Müller: »Die Planung der Orgel steht, sei zwei Jahren. Wir haben einen genauen Plan, wo sie steht und wie sie ausschaut.« Auch die klangliche Konzeption sei fertig. Die Hauptorgel sei bei der Orgelbaufirma Klais für 2020 reserviert. Man müsse ihr jedoch ein halbes Jahr vor Beginn des Einbaus Bescheid geben, denn die Orgel werde dann in Gänze in Bonn aufgebaut, um zu sehen, dass er auch funktioniere. Anschließend erfolgten der Abbau in Bonn und der Aufbau in Traunstein. Zwei bis drei Monate dauere danach die klangliche Ausrichtung. Jegliche Arbeiten der Innenraumsanierung müssten dann fertig sein, weil die mechanischen Teile der Orgel keinen Schmutz vertragen würden. Die Stadtpfarrkirche sei in dieser Zeit geschlossen.

350. Jubiläum der Hans-Vogel-Orgel

Weiter ging Müller auf das 350. Jubiläum der Hans-Vogel-Orgel im Ettendorfer Kircherl ein. Ursprünglich sei sie 1669 von einer betuchten Männerrunde für jährlich vier Gebetsstunden in St. Oswald aufgestellt worden. Nach sechs Jahren sei sie in die Salinenkirche in der Au gekommen, wo sie 95 Jahre geblieben sei. 1770 sei der nächste Umzug in die Kirche St. Georg und Katharina im damaligen Friedhof (heute Stadtpark) erfolgt. Ihren endgültigen Standort habe sie 1838 im Ettendorfer Kircherl gefunden. Die Hans-Vogel-Orgel sei die älteste Orgel in Bayern, die noch so vollständig erhalten sei.

Im Zuge des Jubiläums sind nach den Worten des Kirchenmusikers drei Konzerte »Musik im Kircherl«, ein Konzert beim Musik-sommer zwischen Inn und Salzach sowie ein Projekt, bei dem die vierte Klasse der Grundschule die Orgel für sich »entdeckt«, geplant. Die Orgel sei  in die Deutsche Orgelstraße aufgenommen worden, sodass sie die Bedeutung bekomme, die sie verdiene, berichtete der Kirchenmusiker. Bjr