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Feuerwehr Traunstein: »Wir haben die Kapazitätsgrenze erreicht«

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Traunsteiner Feuerwehr: »Wir haben die Kapazitätsgrenze erreicht«
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Auch beim Einsturz des Hauses an der Salzburger Straße war die Feuerwehr Traunstein im Einsatz.

Traunstein – Im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt informierten die beiden Traunsteiner Kommandanten Christian Schulz und Andreas Zeiser über die hohe Auslastung der Traunsteiner Feuerwehr. Im ersten Halbjahr 2019 verzeichnet die Wehr mit 504 Einsätzen und annähernd 6000 Einsatzstunden fast doppelt so viel, wie im gesamten Vorjahr.


Großen Respekt zollen sie dabei ihren 103 Aktiven aber auch deren Arbeitgebern für die meist unkomplizierte Freistellung bei Einsätzen. Und dennoch ist klar: »Wir haben die Kapazitätsgrenze erreicht«. Probleme sehen sie insbesondere bei der Nutzungsdauer der Fahrzeuge und Ausrüstung und dem steigenden Verwaltungsaufwand.

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Die hohe Auslastung rührt nicht alleine von der »Schneelage« zu Jahresbeginn her. Hier waren die Feuerwehren der Stadt, also die Kernstadtwehr sowie die Wehren aus Haslach, Hochberg, Kammer und Wolkersdorf über Tage hinweg stark gefordert. Unterstützt wurden sie zusätzlich von einem »Hilfeleistungskontingent Bayern« aus Freising. Darüber hinaus galt es zwei Gebäudeeinstürze abzuarbeiten und eine extrem zeitaufwändige Vermisstensuche durchzuführen. Neben den insgesamt 415 technischen Einsätzen, wurden Traunsteins Feuerwehrler zu 48 Brandeinsätzen und drei Gefahrguteinsätzen gerufen.

Im gesamten ersten Halbjahr sei kaum ein Tag vergangen, an dem Traunsteins Feuerwehrler nicht zu einem Einsatz ausrücken mussten. »Es waren Tage dabei, an denen sind wir drei- bzw. viermal alarmiert worden«, so Andreas Zeiser. Wir sind schon »sehr stolz auf unsere ehrenamtlichen Aktiven. Ohne deren unermüdlichen Engagements wären wir absolut aufgeschmissen«, freut sich der zweite Kommandant. Ohne die verständnisvollen Arbeitgeber, die ihre Mitarbeiter bei Alarmen freistellen oder die Selbstständigen, wären die Strukturen nicht mehr haltbar, da sind sich beide Kommandanten einig.

Heuer retteten die Traunsteiner Feuerwehr bisher 50 Personen oder waren für die medizinische Erstversorgung zuständig. »Das sind dann die Momente, in denen wir glücklich von den Einsätzen nach Hause fahren«, erklärt Schulz. Belastend sind die Einsätze, bei denen Menschen verstorben sind. Was jedoch kaum in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, ist, dass im Hintergrund ganz viel Aus- und Weiterbildung läuft. Die Aktiven müssen die Ausrüstung beherrschen, um sie im Notfall sicher zum Einsatz zu bringen. Aber auch in Sachen Brandschutzerziehung, Feuerlöschunterweisung und vorbeugendem Brandschutz ist die Feuerwehr gefordert. Beispielsweise haben in diesem Jahr bereits mehr als 180 Personen eine Feuerlöschunterweisung durch die ehrenamtlichen Einsatzkräfte erhalten.

Christian Schulz erklärt, dass mit den steigenden Einsatzzahlen auch der Verwaltungsaufwand deutlich in die Höhe geht. Der Einsatz endet ja nicht mit dem Kommando »Feuer aus«, so der Kommandant. Insbesondere für die Führungskräfte wartet dann noch jede Menge Büroarbeit, ehe ein Einsatz abgeschlossen ist. Darüber hinaus hat er Bedenken, dass die geplante Nutzungsdauer der Fahrzeuge und Geräte von mindestens 25 Jahren eingehalten werden kann. Die hohe Beanspruchung der Ausrüstung führt zu einem schnelleren Verschleiß und somit sieht er die Beschaffungsplanungen als nicht mehr haltbar.

Abschließend rühren die Beiden noch die Werbetrommel für Menschen, die sich für die Feuerwehr interessieren. Für die Traunsteiner Kommandanten ist und bleibt die Feuerwehr das schönste Ehrenamt auf der Welt. Die große Gemeinschaft, sich gegenseitig zu unterstützen, an einem Strang ziehen und anderen in einer Notlage zu helfen, das gibt ein gutes Gefühl. Mitmachen können dabei fast alle.

Egal, ob Frau oder Mann, Klein oder Groß, Latzhosen- oder Anzugträger, Einheimische oder »Zuagroasde« – jeder finde innerhalb der Feuerwehr eine Aufgabe, die Spaß macht. Entscheidend ist, sich in ein Team integrieren sowie Mensch und Tier im Notfall helfen zu wollen. hob