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Feuerbestattung rund um die Uhr

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In Hochleistungsöfen werden Verstorbene eingeäschert.

Traunstein – Mehr Tote aufgrund von Corona, mehr Arbeit für die Feuerbestattung Südostbayern: »Die Zunahme der Einäscherungen ist deutlich spürbar«, sagt Thomas Engmann, geschäftsführender Gesellschafter der EHG Dienstleistung GmbH, die die Feuerbestattung Traunstein betreibt. Bereits die erste Welle hatte die Zahl der Einäscherungen auf ein Rekordhoch getrieben. Die Anlage läuft im Dauerbetrieb.


»Eine Übersterblichkeit ist feststellbar«, sagt Thomas Engmann. Vor rund 20 Jahren hat er die Feuerbestattungsanlage in Traunstein eröffnet. Einäscherungen sind im Vergleich zu Erdbestattungen mittlerweile die bevorzugte Wahl. Vor 20 Jahren sah das noch anders aus: Die Einäscherungsquote auf dem Land lag damals bei 20 Prozent, in Städten bei 80 Prozent. Heutzutage würden auf dem Land mehr als 50 Prozent feuerbestattet, in Städten liege der Wert bei über 80 Prozent, sagt der Unternehmer. Die Bestattungskultur habe sich gewandelt – und zwar deutlich. »Oft stellt sich die Frage, wer sich in Zukunft um ein Grab kümmern wird. Familien leben häufig in unterschiedlichen Wohnorten«, sagt Engmann. Schnell lande man dann bei einer Feuerbestattung. Früher sei dies anders gewesen.

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In Traunstein werden pro Monat zwischen 650 und 850 Verstorbene eingeäschert. Sie kommen aus ganz Südbayern. »Das Einzugsgebiet liegt bei bis zu 150 Kilometern«, weiß Engmann. Krematorien gebe es sowieso nur wenige. Die Feuerbestattung Südostbayern decke die Landkreise rund um Traunstein ab. Die nächsten Krematorien liegen in München und Eggenfelden, in Vilshofen und Regensburg.

Engmann betreibt zwei Ofenlinien. Das bedeutet: Zwei Personen können gleichzeitig in Hochleistungsöfen eingeäschert werden. »Wir fahren momentan volle Schicht«, sagt der 56-Jährige. Natürlich habe das auch viel mit dem Corona-Virus zu tun. Eingeäschert werde in Traunstein zu jeder Zeit, im Mehrschichtbetrieb, Tag und Nacht, 24 Stunden lang. Andernfalls käme man nicht nach, sagt Engmann. Verbrannt wird in Öfen, die mit ein Meter dicken Schamottewänden ausgekleidet sind, um Hitze zu speichern, bei rund 1000 Grad Celsius. Schadgase werden bei diesen Temperaturen laut Engmann weitestgehend zerstört. Aktivkohlefilter reinigen die Luft. Bis es zur Einäscherung kommt, müssen die Verstorbenen gekühlt werden. Die Kühlkapazität des Traunsteiner Feuerbestattungsunternehmens, das zehn Mitarbeiter beschäftigt, liegt bei maximal 120 Verstorbenen. In Kühlkammern werden diese verwahrt, bis es zur Einäscherung geht.

In der Regel gebe es einen hohen bürokratischen Aufwand, bis alle Papiere vorliegen, darunter eine polizeiliche Freigabe, um eine Person letztlich feuerbestatten zu können. Einen Verstorbenen in der Hauptbrennkammer einzuäschern, dauert rund eine Stunde, mit Vorbereitung und Nachbereitung etwas länger. 18 bis 22 Personen können pro Ofenlinie am Tag verbrannt werden – unter Volllast.

Rund 30 Krematorien gibt es in Bayern, darunter private, wie das in Traunstein, aber auch viele kommunale. Das Geschäft mit dem Tod ist ein Milliardenmarkt und zukunftssicher, denn gestorben wird bekanntlich immer. Bis Ende der 1990er-Jahre gab es ausschließlich kommunale und städtische Einrichtungen, private Krematorien waren in Deutschland verboten.

In Pandemie-Zeiten gibt es mehr Todesfälle als gewöhnlich, sagt Thomas Engmann. Das ist in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land nicht anders, als in den benachbarten Landkreisen. Der vergangene April sei dabei ein ganz besonderer Monat gewesen. Mehr als 50 Prozent zusätzliche Einäscherungen wurden im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet. Im November waren es plus zehn Prozent. Der Dezember schloss mit einer Steigerung in Höhe von 31 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ab. Die Zahlen sprächen eine deutliche Sprache, sagt Engmann.

kp

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