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Feuer, Rauch und Hilferufe bei Großübung im Ettendorfer Tunnel

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Ausschließlich Atemschutzträger konnten die Verletzten und im Tunnel ausharrende Personen retten, trugen sie auf Tragen und mit Schleifkorbtragen (Rettungswanne) zu den Tunnelportalen und brachten sie über Notausstiegen in Sicherheit. (Foto: Volk)
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Das Übungsszenario suggerierte einen brennenden Linienbus im Ettendorfer Tunnel und einen Unfall mit mehreren Fahrzeugen. (Foto: FDL/Benje)

»Achtung Autofahrer, Smogalarm im Tunnel, bleiben Sie ruhig, schalten Sie den Motor und die Belüftung aus, schließen Sie die Fenster!« Unaufhörlich hallt die Warnung aus den Lautsprechern der stark verrauchten Röhre des Ettendorfer Tunnels. Irgendwo im 725 Meter langen Straßentunnel, durch den die Bundesstraße 304 führt, brennt es; ein Pkw oder vielleicht ein Lastwagen, ausgelöst möglicherweise durch einen Unfall. Was genau im Tunnel passiert ist, weiß niemand, denn durch den dichten Qualm ist auch auf den Monitoren der Überwachungskameras kaum etwas zu erkennen.


Laute Schreie und Hilferufe sind zu hören – ein beängstigendes Szenario. Zum Glück aber keine reale Situation, sondern nachgestellt für eine Großübung, an der 240 Aktive von 14 Feuerwehren mitwirkten, um die Sicherheitstechnik des Tunnels sowie Einsatz- und Evakuierungskonzepte auf den Prüfstand zu stellen.

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Wenige Minuten nach dem Alarm für die Feuerwehren waren die ersten Einsatzkräfte am Ort des Geschehens und postierten sich an beiden Tunneleinfahrten, am Nordportal die Wehren aus Surberg, Kammer, Waging, Nußdorf, Matzing, Wonneberg und Traunreut und am südlichen Eingang die Floriansjünger aus Traunstein, Haslach, Wolkersdorf, Erlstätt, Vachendorf, Siegsdorf, Neukirchen am Teisenberg, ebenso die Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung (UG-ÖEL). Priorität hatte zunächst die Lageerkundung, um die notwendigen Rettungsmaßnahmen einleiten zu können.

Ein Einsatz im Tunnel war wegen der starken Rauchentwicklung nur mit Atemschutzgeräten möglich und so rüstete sich eine Armada an Helfern mit Pressluftatmern aus. Von beiden Tunnelzufahrten aus suchten die Feuerwehrleute den Tunnel ab. Nebeneinander aufgereiht mit bis zu fünf Helfern und mit Stäben in der Hand, mit denen im Halbkreis der Boden abgetastet wurde, kontrollierten sie Meter für Meter in Richtung Tunnelmitte.

Szenario: Brennender Linienbus

Dort trafen sie schließlich auf gut ein Dutzend Fahrzeuge, in denen Menschen ausharrten und auf ihre Rettung warteten. Das Übungsszenario suggerierte einen Fahrzeugbrand. Ein Linienbus hatte Feuer gefangen, es gab zahlreiche Verletzte, drei Personen lagen leblos auf der Fahrbahn. Weitere Feuerwehr-Rettungstrupps mit Atemschutz rückten nach, suchten jedes Fahrzeug aufs Genaueste ab, um Personen, die sich vor dem Qualm verkrochen hatten, nicht zu übersehen. Auf Tragen und mit speziellen Schleifkorbtragen wurden die Verletzten aus dem Tunnel hinaus in Sicherheit gebracht. Auch über die Notausstiege begleiteten oder trugen die Helfer Personen, denen Fluchthauben aufgesetzt wurden, nach draußen. Zeitgleich wurde mit den Löscharbeiten begonnen; dazu mussten Schlauchleitungen verlegt und die Hydranten im Tunnel angezapft werden. 50 Minuten nach dem Alarm waren das Feuer gelöscht und wenig später alle 30 Verletzten und Betroffenen gerettet und aus dem Gefahrenbereich in Sicherheit gebracht.

Im Ernstfall würden selbstverständlich auch Rettungsdienst und Notärzte angefordert. Darauf wurde bei dieser Übung bewusst verzichtet, weil vor allem die Brandbekämpfung und Evakuierung des Tunnels getestet werden sollte, die bei einem tatsächlichen Ernstfall nur durch Atemschutzträger der Feuerwehren erfolgen kann. Mit dabei war eine große Zahl von Übungsbeobachtern, um Erfahrungen für den Einsatz in Tunnelröhren in ihrem Zuständigkeitsbereich zu sammeln. So schauten die Verantwortlichen der Feuerwehren aus Unken und Schneizlreuth aufmerksam zu, die bei Notfällen im Tunnel der Bundesstraße 21 zum Einsatz kommen. Mit dabei auch die Kommandanten der Feuerwehr Altenmarkt, denn der zurzeit noch in Bau befindliche Aubergtunnel gehört künftig zu deren Einsatzgebiet.

Zufrieden mit dem Übungsverlauf zeigten sich auch Surbergs Bürgermeister Josef Wimmer und Josef Kaiser, Tunnelmanager vom Staatlichen Bauamt Traunstein. Die Sicherheitssysteme funktionierten einwandfrei.

Technik im Tunnel funktionierte einwandfrei

Kurz nachdem die automatische Brandmeldeanlage im Tunnel die starke Rauchentwicklung wegen des Fahrzeugbrands registriert hatte, schaltete die Ampelanlage auf Rot, die Schranken senkten sich und der Tunnel war gesperrt. Auch beim Rauchabzug und der Belüftung oder bei der Notbeleuchtung gab es keine Probleme. Wimmer und Kaiser würdigten das Engagement der ausschließlich freiwilligen und ehrenamtlichen Rettungskräfte, die an der Übung teilnahmen, ebenso Kreisbrandrat Christof Grundner. Für die Feuerwehr brachte die Großübung wertvolle Ergebnisse und Erfahrungen. Einsatztaktische Belange seien zu verfeinern, wie das Konzept zum Einsatz von Atemschutzträgern. Auch der Alarmplan, welche Einsatzkräfte alarmiert und wo sie bei einem Notfall bereitgestellt und postiert werden, könne noch verbessert werden.

Schwierigkeiten bereitete die Kommunikation über Digitalfunk innerhalb des Tunnels. An der Verbesserung soll nun auch gearbeitet und das Funkkonzept aktualisiert werden, vor allem die Sicherstellung der Kommunikation mit den Atemschutzträgern, die im Ernstfall in einem verrauchten Tunnel arbeiten. Für sie ist eine lückenlose Funkverbindung besonders wichtig. Positiv äußerten sich auch die Übungsbeobachter von der Führungsgruppe Katastrophenschutz des Landkreises Traunstein. Nach den Strapazen der herausfordernden Übung gab es für alle Teilnehmer am Ende im Feuerwehrgerätehaus in Surberg eine Brotzeit. pv