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Festnahme in Prozess um tödlichen Raserunfall in Rosenheim

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Justitia
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Foto: David Ebener/dpa

Traunstein/Rosenheim – Eine überraschende Wendung gab es am Donnerstag vor dem Landgericht Traunstein im Prozess um den tödlichen Raserunfall vor knapp drei Jahren in Rosenheim, bei dem zwei junge Frauen aus Samerberg starben: Ein wichtiger Zeuge wurde wegen des Verdachts auf Falschaussage festgenommen.


Bereits vor rund einem Monat startete vor dem Landgericht Traunstein die Berufungsverhandlung zu dem verheerenden Unfall mit zwei Toten gegen zwei 25 und 26 Jahre alte Angeklagte aus Kolbermoor und Riedering. Die beiden Männer, die im ersten Prozess und auch im bisherigen Verlauf des Berufungsprozesses wenig Reue zeigten, stehen im Verdacht, sich im Vorfeld über ihre Aussagen vor Polizei und Gericht abgesprochen zu haben. Ein am Donnerstag geladener Zeuge sollte dies bestätigen. Doch es kam anders: Der 51-Jährige wurde festgenommen.

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Hintergrund des Verfahrens: An einem Novemberabend 2016 hatte ein junger Golffahrer aus Ulm in einer langgezogenen Rechtskurve der Miesbacher Straße zum Überholen angesetzt. Das Manöver endete Sekunden später mit dem Unfall. Der Wagen raste in ein entgegenkommendes Auto mit drei jungen Frauen. Darin starben die 21 Jahre alte Fahrerin und ihre 15-jährige Schwester aus der Gemeinde Samerberg. Die beiden Angeklagten sollen laut Anklage verhindert haben, dass der überholende Golffahrer zwischen ihnen wieder einscheren konnte.

Der geladene Zeuge, ein 51-jähriger Einheimischer, soll von einem Bekannten von der Absprache erfahren haben. Der Bekannte, der bereits vor dem Zeugen seine Aussage hatte, soll diesem gegenüber erzählt haben, dass sich die beiden Angeklagten schon kurz nach dem Unfall unterhalten hätten. Dabei hätten diese weder Betroffenheit noch Reue über das Geschehen gezeigt. Auch später soll es Gespräche zwischen den beiden gegeben haben. Während der Bekannte dies in seiner Aussage vor Gericht bereits bestätigte – wie auch schon im ersten Prozess – dementierte der 51-Jährige nun seine Version der Geschichte. Alles, was er in der Vergangenheit berichtet hatte, habe er Medienberichten entnommen bzw. vom »Hörensagen« mitbekommen. Auch ein Gespräch zwischen ihm und einem der Angeklagten habe es nie gegeben. Warum der Bekannte eine andere Aussage getätigt habe – das konnte der Zeuge auf Nachfrage nicht beantworten.

Deshalb veranlasste die Staatsanwaltschaft als Anklagevertretung die vorläufige Festnahme des 51-Jährigen. Dieser wurde von Beamten daraufhin in Gewahrsam genommen – mit dem Verdacht, vor Gericht eine Falschaussage getätigt zu haben.

Die Fortsetzung der Verhandlung ist auf den 12. November datiert.

Bericht vom ersten Prozesstag:

Tödlicher Raserunfall in Rosenheim: Emotionaler Auftakt im Berufungsprozess

red/dpa