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Faustschläge gegen Traunreuter – Haftstrafe für »unbelehrbaren« Täter

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Foto: Symbolbild/red

Traunstein/Traunreut – Ein 34-jähriger Angestellter griff auf dem Parkplatz an einem Café in Traunreut unvermittelt einen 40-jährigen Gast an. Er versetzte ihm mehrere Faustschläge, die dem Opfer schwere Verletzungen im Kopfbereich zufügten. Das Amtsgericht Traunstein verurteilte den vorbestraften Täter, der sich auf Notwehr berufen hatte, wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten ohne Bewährung.


Der Traunreuter auf der Anklagebank und der Geschädigte, ein Angestellter aus Traunwalchen, lieferten konträre Versionen zum Geschehen am Abend des 21. Dezember 2018. Der 34-Jährige behauptete, der Nebenkläger habe ihn bereits im Lokal provoziert. Auf dem Parkplatz habe der 40-Jährige gesagt: »Ich mach dich fertig.« Dann sei er auf ihn losgegangen. Er, so der Angeklagte, habe sich »nur verteidigt«. Er habe das Bewusstsein verloren und sei blutend wieder erwacht. »Jemanden, der am Boden liegt, zu schlagen – das würde ich nie tun«, beteuerte der Mann.

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Der Geschädigte schilderte, er habe sich mit Kollegen zur Weihnachtsfeier getroffen. Einen Streit mit dem 34-Jährigen in dem brechend vollen Lokal verneinte der Nebenkläger. Weil er am nächsten Tag Dienst hatte, habe er gegen 21.40 Uhr seine Frau angerufen, ihn abzuholen. Er sei ihr entgegengelaufen und habe mit einem Kollegen auf dem Parkplatz gewartet. Der 40-Jährige weiter: »Da kam ein Herr, den ich nicht kannte, aber im Lokal gesehen hatte. Der Kerl war aggressiv und unfreundlich.« Er habe viel wissen wollen. Eine kritische Situation sei entstanden. »Ich habe mehrmals gesagt, er soll uns in Ruhe lassen. Ich habe alles unternommen, um eine Schlägerei zu vermeiden.«

40-Jähriger bekam von Angriff nichts mit

Beim Eintreffen seiner Frau ging der 40-Jährige dem Wagen entgegen. »Dann kann ich mich an nichts mehr erinnern«, schilderte er vor Gericht. Am Boden liegend, verletzt und voller Blut sei er wieder wach geworden. Seine Frau und die Arbeitskollegen hätten Polizei und Krankenwagen verständigt. Richterin Ulrike Stehberger wollte wissen, ob der 40-Jährige irgendetwas von dem Angriff bemerkt habe. Der Traunwalchener entgegnete: »Nein. Das letzte, was ich sah, war das Auto meiner Frau.«

Das Opfer wurde erst ins Klinikum Traunstein, dann wegen der Kopfverletzungen ins Unikrankenhaus Salzburg gebracht. Ärzte stellten einen Jochbeinbruch mit verschobenem Knochen fest, der operativ versorgt werden musste, einen Nasenbeinbruch, eine Kieferprellung, Platzwunden am Kopf und im Gesicht, eine Gehirnerschütterung und einen abgebrochenen Zahn. Bis zum Jahreswechsel musste der 40-Jährige im Klinikum Salzburg bleiben und war anschließend noch den ganzen Januar krankgeschrieben. Wochenlang durfte er weder schnäuzen noch niesen. Bis heute leidet der Traunwalchner unter Kopfschmerzen, Zahnproblemen und einer durch einen verletzten Nerv tauben Stelle am Kopf.

Die Ehefrau konnte nur wenig zur Aufklärung des Geschehens beitragen. Sie habe ihren Mann und einen seiner Kollegen am Parkplatz stehen sehen. Ihr Mann wollte Richtung Auto gehen: »Der Typ hat sich umgedreht, meinen Mann von hinten an der Jacke gepackt und ihm ins Gesicht geschlagen. Die Schläge gingen weiter, als er am Boden lag. Der andere saß auf ihm. Ich habe um Hilfe geschrien. Der Arbeitskollege kam und hat den Angeklagten von meinem Mann heruntergestoßen.«

»Man hat gemerkt, dass er auf Stress aus war«

Der Helfer bestätigte die Aussage des Nebenklägers: »Als der Angeklagte auf uns zukam, hat man gemerkt, dass er auf Stress aus war. Er war auf meinen Kollegen fixiert.« Der 34-Jährige habe zum Beispiel gesagt: »Ihr seid’s auf meinem Gebiet.« Der Zeuge war schon auf dem Weg zurück in die Gaststätte, als er Schreie hörte. Er rannte sofort zurück: »Da ging der Angeklagte auf mich los. Ich habe mich gewehrt.«

Das Bundeszentralregister des 34-Jährigen wies sechs Einträge auf, davon fünf einschlägige wegen vorsätzlicher Körperverletzung. Bei zwei der drei verhängten Freiheitsstrafen hielt er die Bewährungszeit nicht durch. Das waren im Plädoyer von Staatsanwältin Andrea Litzlbauer auf 22 Monate Haft ohne Bewährung wie im Urteil zusammen mit der Rückfallgeschwindigkeit und der »Unbelehrbarkeit« des Angeklagten wesentliche strafschärfende Aspekte. Hinzu kamen die erhebliche Gewaltanwendung und die massiven Verletzungen des 40-Jährigen.

Opferanwalt Horst Fembacher aus Traunstein schloss sich Staatsanwältin Andrea Litzlbauer an. Sein Mandant habe keine Chance gehabt, sich zu wehren. Auch der Verteidiger, Alexander Blobner aus Traunreut, glaubte Opfer wie Zeugen. Der erste Angriff sei wohl von dem 34-Jährigen erfolgt. Der Anwalt erwähnte dessen eigene Verletzungen, offenbar Folge einer weiteren Schlägerei, und bat um eine »milde Strafe und mit Bewährung«. Der 34-Jährige rang sich schließlich ohne weitere Worte zu einer Entschuldigung durch – die der Geschädigte per Handschlag akzeptierte.

Richterin Ulrike Stehberger bezog sich im Urteil weitgehend auf die Argumente der Staatsanwältin. Für eine Strafaussetzung zur Bewährung mangle es an einer positiven Sozialprognose – »auch wenn der Angeklagte in stabilen Verhältnissen lebt«. Die bisherigen Verurteilungen hätten nicht zu einem straffreien Leben geführt. Deshalb sei eine unbedingte Freiheitsstrafe erforderlich. kd