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Fast 28 Prozent der geernteten Menge waren Schadholz

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Schäden durch Stürme und Schneebruch haben auch dem Traunsteiner Stadtwald zugesetzt. Das schlägt sich auch im Betriebsergebnis nieder: 28 Prozent der geernteten Holzmenge mussten wegen Schäden geerntet werden. (Foto: Pültz)

Traunstein – Die Stadt sei »sehr, sehr stolz« auf ihren Stadtwald, sagte Oberbürgermeister Christian Kegel (SPD) in der Sitzung des Umweltausschusses, in der er die Arbeit von Stadtförster Gerhard Fischer würdigte. Dabei berichtete Fischer, den Stadtwald zu erhalten, sei angesichts der vielen Natur- und Witterungseinflüsse inzwischen wirklich zum Thema geworden.


Wegen krankheitsbedingter Ausfälle habe man viel mit Fremdarbeitskräften und Maschineneinsätzen bewerkstelligen müssen. Unterm Strich zog Fischer ein positives Fazit. An der Fläche von 618 Hektar gab es demnach keine Änderung. Die 7378 Festmeter Holzeinschlag entsprechen 102 Prozent vom Soll. Davon wurden 7318 Festmeter im Stammbetrieb eingeschlagen, 71 Festmeter im Wald der Geschwister Haselberger'schen Stiftung.

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Kräftige Preisrückgänge zu verzeichnen

Wie Fischer weiter berichtete, mussten 28 Prozent der Holzmenge wegen Schäden geerntet werden – 1087 Festmeter Borkenkäferholz, 621 Festmeter absterbende Eschen und 344 Festmeter Sturmholz. Das sei ein Alarmsignal, so Fischer weiter. Kräftige Preisrückgänge waren bei allen Holzsorten außer Fichten-Langholz zu verzeichnen. Der Durchschnittspreis beim Holzverkauf betrug im vergangenen Jahr 68 Euro je Festmeter gerücktes Holz. Für einen Festmeter gutes Möbelholz erlöse man in Mailand 70 bis 90 Euro, für den Rest rund 50 Euro – bei Kosten von 20 bis 25 Euro.

»Unterm Strich bemühen wir uns um ein Betriebsergebnis von plus minus null«, so Fischer. So habe man die Kosten für Unternehmer stark auf die Holzkäufer umgelegt. Neukulturen wurden jeweils nach der Räumung von Fichten-Reinbeständen und Ausfall der Eschen angelegt. Auch wurden Waldränder mit Eschen gesichert. »Die Prognosen für Fichten sind in den nächsten 50 Jahren schlecht«, so Fischer. Man wolle sie nicht ganz verlieren, aber setze verstärkt auf die Esche. Beschädigte Eschen bemühe man sich aber zu verkaufen, ehe sie der Pilz schädigen könne.

Weiter berichtete Fischer über die Einnahmen und Ausgaben im Stammbesitz, die zu einem Überschuss von rund 16.000 Euro führten. Bei den Einnahmen gab es Holz- und Nebennutzungen von rund 418.000 Euro, 3300 Euro aus der Jagd, aus Vermietung und Pacht stammten rund 10.400 Euro, 10.200 Euro machten Zuschüsse aus rund 400 Euro kamen aus Investitionen in den Verkauf.

Den Löwenanteil der Ausgaben machten Löhne von zusammen rund 209.700 Euro aus, gefolgt von 116.000 Euro Gehältern und Honorar, 52.400 Euro für Unternehmer, knapp 24.000 Euro Materialkosten, 22.300 Euro Gemeinkosten, rund 21.700 Euro Steuer, Miete, Pacht und Büro sowie 2800 Euro Investitionen.

Rund 11.000 Euro aus der Stiftung für Bedürftige

Auch im Wald der Stiftung der Geschwister Haselberger wurde ein kleiner Überschuss von 1752 Euro erzielt, so Fischer weiter. Den größten Anteil auf der Einnahmenseite hatten hier die Erbbauzinsen in Höhe von rund 40.173 Euro. Dazu kamen Einnahmen aus dem Holzverkauf in Höhe von 1376 Euro. Demgegenüber standen Ausgaben für Material und Unternehmer von 14.852 Euro, 11.500 Euro Dienstleistung Ersatz von Betreuung, 11.000 Euro Zuwendungen an Bedürftige, 1885 Euro Verwaltungskosten, 757 Euro an Steuern und Versicherungen sowie 437 Euro für die Grabpflege.

Der Waldzustand, so erklärte der Stadtförster weiter, entspreche der Erhebung in Bayern – auch hier in Traunstein habe die Trockenheit im vergangenen Sommer dem Wald zugesetzt. Der Zustand der Kronen habe sich gegenüber dem Vorjahr verschlechtert. Die waldbauliche Entwicklung laufe dagegen positiv und entspreche der Umbauplanung.

Zur Forsttechnik sagte Fischer, durch das Rücken mit Bändertechnik sollten die Waldböden noch besser vor Druckschäden geschützt werden. Im Jagdjahr 2018/19 seien inklusive der bei Verkehrsunfällen getöteten Tiere 71 Rehe erlegt worden. »Ab Weihnachten bis zum Beginn der Schonzeit am 15. Januar war witterungsbedingt keine Bejagung mehr möglich«, erklärte Fischer. In Froschham seien bei einer revierübergreifenden Bewegungsjagd mit dem Revier Otting 22 Rehe erlegt worden.

Wie in den Vorjahren, so seien auch im vergangenen Jahr wieder Schüler und Kindergartenkinder durch den Wald geführt worden. Neu sei die Waldschulklasse im Bürgerwald. Auch für sie musste man Schnee räumen, »die konnten wegen des vielen Schnees lang nicht rein.« Zudem habe es Motorsägenschulungen des Amts für Landwirtschaft und Forsten gegeben.

Der Biber hat den Stadtwald erreicht

Der Biber habe den Stadtrand erreicht. Um Hochwasser zu vermeiden, sollten erste Gegenmaßnahmen ergriffen werden. »Am Röthelbachweiher haben wir einen erwischt. Wir hätten vielleicht auch mehr schießen dürfen, aber wurden fast jeden Tag gestört durch Stockschützen, Hundebesitzer oder Liebespaare.« Aber da werde man sich noch mit dem Landratsamt kurzschließen.

Eine schlechte Nachricht hatte Fischer beim Ausblick: Die wirtschaftliche Situation sei am Holzmarkt wegen des vielen Schadholzes (Fichte und Esche) und rückläufiger Holzpreise sehr ungünstig. »In ganz Mitteleuropa liegt zurzeit rund das Doppelte des jährlichen Einschlags als Schadholz in den Wäldern.«

In der Aussprache fragte Ernst Haider (UW), was passieren würde, wenn der Wald gar nicht bewirtschaftet würde. »Das kommt auf den Bestand an«, so Fischer darauf. »Wir hätten viel Totholz, müssten aber ja die Wanderwege trotzdem sichern. Das wär schon machbar, aber möglicherweise halt mit Sicherheitsproblemen. Das ist sicher nicht überall möglich. Probieren könnte man das vielleicht an wirtschaftlich uninteressanten Steilhängen.« coho