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»Falsche Polizisten« zockten betagte Damen ab – Traunsteinerin verlor 90.000 Euro

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Traunstein: "Falsche Polizisten" zockten betagte Damen ab – Traunsteinerin verlor 90.000 Euro
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Zwei Seniorinnen wurden von »falschen Polizisten« betrogen. (Foto: dpa)

Traunstein – Zwei Türken aus dem Raum Tübingen fungierten als Abholer einer kriminellen Bande, die mit dem »falschen Polizisten«-Trick operierte. Zwei betagte Damen, zudem gesundheitlich angeschlagen, aus Traunstein und Merseburg verloren ihre Vermögen.


Die Sechste Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Dr. Jürgen Zenkel verhängte am Dienstag gegen einen 57-Jährigen und einen 42-Jährigen wegen Bandenbetrugs in drei beziehungsweise vier Fällen Freiheitsstrafen von drei Jahren drei Monaten und von vier Jahren.

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Die Täter müssen gesamtschuldnerisch einen Werteersatz von 130.000 Euro leisten, der 42-Jährige allein weitere 70.000 Euro nach dem Motto »Straftaten dürfen sich nicht lohnen.« Als »wertig« bezeichnete der Vorsitzende Richter Dr. Jürgen Zenkel die Geständnisse der Angeklagten im Urteil. Die familiären/freundschaftlichen Beziehungen der Angeklagten und der Cousine seien Teil des Motivs.

Eine anderweitig verfolgte Türkin, die Cousine des 42-Jährigen, und weitere unbekannte Bandenmitglieder waren in Deutschland in die Aktivitäten der Bande mit Sitz in der Türkei eingebunden. Die besagte Cousine fungierte als »Keilerin«. Sie rief die Opfer, beide über 80 Jahre alt, an und hielt gleichzeitig Kontakt mit den »Abholern«.

Eine Seniorin aus Traunstein fiel auf die »falschen Polizisten«-Masche herein. Die Bande arbeitete mit einem »Polizeibeamten Meißner von der Kripo Traunstein«, der das Betrugsopfer über eine – erfundene – rumänische Einbrecherbande informierte, die in der Großen Kreisstadt ihr Unwesen treibe.

Durch geschicktes Nachfragen bekamen die Verbrecher die Vermögensverhältnisse der alten Dame heraus. Dann wurde eine »Angestellte der Postbank«, die angeblich Falschgeld in Umlauf brachte, ins Feld geführt. Um den Verdacht gegen die Frau zu erhärten, sollte die Frau ihr Vermögen abheben. Tatsächlich suchte sie im April 2019 binnen acht Tagen zweimal die Postbank in Traunstein und einmal in München auf. Die jeweiligen Beträge – 20.000 Euro und zwei Mal jeweils 70.000 Euro – holten die Angeklagten ab.

Die Geschädigte hatte von ihnen die telefonische Anweisung erhalten, das Geld nachts vom Balkon zu werfen beziehungsweise in einem bestimmten Briefkasten in Traunstein zu deponieren. Ähnlich erging es einer Seniorin in Meersburg am Bodensee, die über die Angeklagten als Abholer an die Bande insgesamt 40.000 Euro verlor. Die beiden Türken aus Baden-Württemberg kassierten für die einzelnen Taten jeweils zwischen 2000 und 4000 Euro.

Staatsanwältin Barbara Miller hatte für den 42-jährigen Mittäter in vier Fällen wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs fünf Jahre und vier Monate Freiheitsstrafe beantragt, für den 57-Jährigen viereinhalb Jahre Haft wegen drei Fällen. Es sei für eine Verurteilung nicht erforderlich, dass die Angeklagten die gesamte Organisationsstruktur und jedes Bandenmitglied kennen. Es reiche, dass sich drei Personen zu einer Bande zusammengeschlossen hätten. Durch die Geständnisse sei den Opfern eine Aussage erspart geblieben. Beide Angeklagte seien vorbestraft, führte die Staatsanwältin bei den strafschärfenden Aspekten an. Geld sei »die treibende Kraft« gewesen. Die Opfer seien um ihre Ersparnisse gebracht worden. Die Angeklagten hätten mit hoher krimineller Energie gehandelt. Der Schaden sei sehr hoch gewesen: »Die alten Damen dachten, sie würden der Polizei helfen, Straftaten aufzuklären.«

Die Verteidiger, Dr. Hartmut Buchner aus Traunstein und Wolfgang Bendler aus München, hatten vor allem auf die Bedeutung der Geständnisse verwiesen. Ihre Mandanten hätten sich von der Cousine »breitschlagen lassen«, seien Opfer ihrer Gutmütigkeit geworden. Sie seien hochgradig unprofessionell vorgegangen und stets von der Organisation »gesteuert« worden. Zu sehen und zu bewerten sei zudem die »Leichtfertigkeit der Opfer«. Die Meersburgerin habe zudem auch erst einen Monat vorher einen erheblichen Betrag durch den gleichen Trick verloren. Dr. Hartmut Buchner hatte für den 57-Jährigen eine dreijährige Freiheitsstrafe für ausreichend gehalten, Verteidiger Wolfgang Bendler auf zweieinhalb Jahre für den jüngeren Täter plädiert. kd

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