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Die zentrale Anlaufstelle für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine im Landkreis Traunstein – die »Erstankunft Ukraine« im ehemaligen Kreiswehrersatzamt an der Vonfichtstraße in Traunstein – ist weiter in Betrieb. (Foto: Pültz)

Erstaufnahmezentrum in Traunstein bleibt in Betrieb

Traunstein – Auch wenn nur noch wenige Flüchtlinge aus der Ukraine im Landkreis ankommen, bleibt das Erstaufnahmezentrum, das das Landratsamt im ehemaligen Kreiswehrersatzamt in Traunstein eingerichtet hat, weiter in Betrieb. Auf Anfrage des Traunsteiner Tagblatts hat Laura Lockfisch vom Landratsamt mitgeteilt, dass Vorgaben vom Freistaat zur Auflösung der Erstanlaufstellen derzeit »nicht erkennbar« seien. 


Unmittelbar nachdem die Russen ihr Nachbarland Ende Februar überfallen hatten, handelte das Landratsamt Traunstein als Untere Verwaltungsbehörde des Freistaats Bayern, dem die Aufgabe obliegt, sich um die Unterbringung von Flüchtlingen zu kümmern. Das Landratsamt bereitete sich auf die Ankunft von Ukrainern vor und schuf Anfang März im früheren Kreiswehrersatzamt eine zentrale Anlaufstelle. Begünstigt durch eine schnellen Zusage der Bundesimmobilienverwaltung, das Gebäude zur Verfügung zu stellen, errichtete man in kurzer Zeit das Zentrum »Erstankunft Ukraine«.

Die Behörde bekam schnelle Hilfe von Handwerkern, sie ließ die Elektro- und Sanitäranschlüsse in dem Gebäude überprüfen, Waschmaschinen aufstellen, Wickelräume einrichten und ein Internet-Café mit WLAN und kyrillischer Tastatur für die Kontaktaufnahme in die Heimat installieren. Ein Möbelhaus half, Stockbetten zum Schlafen zu organisieren.

In Kooperation mit dem benachbarten Mütterzentrum schuf man einen Spielraum für Kinder mit entsprechenden Angeboten. Die Großküche des Mütterzentrums übernahm die Versorgung der Flüchtlinge mit drei Mahlzeiten pro Tag. Hochbetrieb herrschte in den ersten Wochen und Monaten nach der Eröffnung. Immer wieder hielten Busse in Traunstein – und ein ums andere Mal sah sich das Landratsamt vor die Aufgabe gestellt, viele Flüchtlinge, zugewiesen von der Regierung von Oberbayern, auf einmal aufzunehmen. Die Geflüchteten blieben rund 48 Stunden in der Erstaufnahmeeinrichtung, ehe die Behörde sie dann in Quartiere im Landkreis, in der Regel in private Unterkünfte, weitervermittelte.

Knapp ein halbes Jahr nach dem Überfall auf die Ukraine kommen nun aber nicht mehr so viele Flüchtlinge in den Landkreis Traunstein. »Aktuell haben wir ein niedriges Ankunftsgeschehen«, berichtet Lockfisch. Und sie fährt fort: »An manchen Tagen kommen keine oder nur vereinzelt Personen an, an manchen Tagen bis zu zehn Personen. Im Wochenschnitt sind es circa 20 bis 30 Personen.«

Alle Personen werden in der Erstanlaufstelle am ehemaligen Kreiswehrersatzamt laut der Sprecherin der Behörde erfasst, notwendige Anträge et cetera werden aufgenommen und bearbeitet. »Ein Großteil der neu ankommenden Personen wird aktuell auf andere Bundesländer verteilt, die die Aufnahmequote noch nicht erfüllt haben.«

Aktuell befinden sich laut der Sprecherin 1760 Flüchtlinge aus der Ukraine im Landkreis Traunstein. Lockfisch: »Insgesamt haben wir 2060 Personen im Landkreis aufgenommen, 300 Personen haben den Landkreis bereits wieder verlassen – oftmals sind sie in die Ukraine freiwillig zurückgekehrt.«

Obwohl längst nicht mehr so viele Flüchtlinge aus der Ukraine zu zählen sind, bleiben die Aufnahmezentren im Land weiter geöffnet. »Die Erstanlaufstellen werden durch die Staatlichen Landratsämter betrieben«, erklärt Lockfisch. Aktueller Sachstand sei, dass sie weiterhin geöffnet bleiben. »Vorgaben vom Freistaat zur Auflösung der Erstanlaufstellen sind derzeit nicht erkennbar.« Und weiter: »Dadurch ergibt sich für uns der Vorteil, dass alle Formalitäten zentral an einer Stelle bearbeitet werden können.«

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