Erneut Distanzunterricht für 13.700 Schüler im Landkreis – Was sagen die Schulen?

Traunstein – »Homeschooling für alle, die nicht in der Grundschule, in einer Übertrittsklasse oder in einer Abschlussklasse sind« – so fasst Landrat Siegfried Walch die ab kommenden Montag geltende Regelung im Landkreis Traunstein zusammen. Konkret heißt das: 13.700 Schüler werden bis Anfang Dezember erneut Digitalunterricht bekommen und dürfen nicht in die Schule. Grund ist laut Walch »die hohe Inzidenzlage« im Landkreis Traunstein.


Konkret auf die Schulen angesprochen, sagt er, dass es dort zwar kein überproportionales Ausbruchsgeschehen gebe, doch man habe Coronafälle »auch an Schulen, und da an allen Arten von Schulen« – also von der Grundschule bis zur Berufsschule. Grundsätzlich gehe es nun darum, Kontakte zu reduzieren.

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Problem sei nicht die Schule an sich, »also das Gebäude, sondern die hohe Anzahl der Leute, mit der man da zusammenkommt«, betont Siegfried Walch. Deshalb gehe ein Großteil der Schüler ab Montag ins Homeschooling.

Dass die Grundschüler von der Regel ausgenommen sind, begründet der Landkreischef damit, »dass es hier auch um das Thema Betreuung geht«. Wenn Buben und Mädchen erneut zu Hause bleiben müssten, würde das viele Eltern und vor allem Alleinerziehende »vor unlösbare Probleme stellen. Deshalb bleibt hier grundsätzlich der Präsenzunterricht bestehen«. Denn man wolle nicht, dass hier Großeltern einspringen müssten, die ja besonders gefährdet seien.

Außerdem gebe es an den Grundschulen bislang sehr wenige Fälle, wie Pressereferent Michael Reithmeier ergänzt. Bei 5727 Grundschülern »nur acht positive Fälle«. Auf die Frage, an welchen Schulen bislang überhaupt Coronafälle aufgetreten sind, nennt er die Montessorischule in Grassau, die Werner-von-Siemens-Mittelschule in Traunreut, die Grund- und Mittelschule Siegsdorf, die Grundschule Grassau, das Annette-Kolb-Gymnasium sowie das Chiemgau-Gymnasium in Traunstein, das Gymnasium in Marquartstein, die BOS Traunstein und die Berufsschulen.

Von Seiten des Landratsamts wurde gestern in einer Pressemeldung mitgeteilt, dass die Anordnung aufgrund des diffusen Infektionsgeschehens im Landkreis erlassen worden sei. Von kommendem Montag bis einschließlich 4. Dezember gelte nun Folgendes:

1.) Der Präsenzunterricht wird vorübergehend eingestellt, das bedeutet eine komplette Umstellung auf Beschulung in Distanz.

2.) Diese Regelung gilt für einige Jahrgangsstufen nicht, dort findet die Unterrichtung grundsätzlich weiterhin im Präsenzunterricht statt. Welche Schüler betroffen sind, erfahren Sie in diesem Artikel: Kein Präsenzunterricht ab Montag für viele Schulklassen.

Und was sagen die Schulen?

Das Traunsteiner Tagblatt hat sich auch bei Schulen umgehört, was sie von der neuen Lösung halten. Es geht rund an den Schulen im Landkreis Traunstein. Das wurde bei der Umfrage unserer Redaktion gestern deutlich. Es war äußerst schwierig, überhaupt einen Rektor ans Telefon zu bekommen. Viele wollten zurückrufen. Doch sie waren im Dauerstress.

»Wir haben uns darauf vorbereitet«

Für Schulleiter und Lehrer ist die Anordnung trotzdem eine Herausforderung

Zwischen Sitzungen, Telefonaten und Unterricht haben wir zumindest mit zweien sprechen können: Matthias Schmid vom Heidenhain-Gymnasium und Christian Thoma von der Achental-Realschule.

Für ihn war die Entscheidung angesichts der stark steigenden Coronazahlen absehbar. »Wir haben uns darauf vorbereitet«, sagt der Schulleiter aus Marquartstein. Insgesamt hat seine Schule 547 Schüler, ab Montag werden 365 zuhause unterrichtet – über »Teams«, ein Programm für digitalen Unterricht. Das sei mit allen Schülern im Vorfeld auch geübt worden, sagt Christian Thoma. Wer kein Gerät zuhause hatte, habe ein Leihgerät bekommen. »Es sind also alle Schüler dementsprechend ausgestattet«, betont er

Es gebe in der ersten und sechsten Stunde eine verpflichtende Videokonferenz. Zwischendurch müssten die Schüler Arbeitsaufträge erledigen, die ihnen in der ersten Stunde mitgeteilt werden. Es finde Unterricht nach Stundenplan statt, doch man wolle nicht, dass die Kinder und Jugendlichen sechs Stunden vor dem Computer sitzen müssen, betont Christian Thoma. Außerdem müssten viele Lehrkräfte auch parallel noch den normalen Unterricht halten für die 182 Buben und Mädchen, die weiter in die Schule kommen. »Wir versuchen einfach, das Beste aus dieser herausfordernden Situation zu machen«, betont er.

Als Herausforderung bezeichnet es auch Direktor Matthias Schmid vom Heidenhain-Gymnasium in Traunreut. »Es gibt viele Dinge, die nun abgeklärt werden müssen«, betont er. »Der Teufel steckt ja bekanntlich im Detail.« Wer schon einmal einer Videokonferenz mit 30 Leuten beigewohnt sei, wisse, dass da oft einige Zeit vergehe, »bis wirklich gestartet werden kann«.

Grundsätzlich findet Schulleiter Matthias Schmid diese Variante – also dass rund 400 seiner Schüler zuhause bleiben und 200 in die Schule kommen – aber besser als den Wechselunterricht. »Es ist für einen Lehrer einfacher, wenn entweder alle da sind aus einer Klasse oder alle daheim«, betont er. Schmid findet es »sehr sinnvoll«, dass die fünften Klassen in die Schule kommen dürfen. Denn die Kinder hätten gerade erst angefangen. »Außerdem sind sie vielleicht auch mit den Medien noch überfordert«, vermutet er.

Insgesamt sieht der Traunreuter Schulleiter sich, seine Kollegen und die Schüler besser vorbereitet als im Frühjahr. Die technischen Voraussetzungen seien geschaffen, »aber ideal ist das natürlich nicht«, sagt der Direktor. Wie auch in Marquartstein, gibt es an der Traunreuter Schule einen digitalen Weckruf, also eine verpflichtende Videokonferenz, in der ersten Stunde. Die Lehrer seien in der Regel alle in der Schule und würden die fünften, elften und zwölften Klassen »normal« unterrichten – oder in digitaler Form in Kontakt mit den Schülern zuhause treten, sagt Schmid.

Die aktuellen Corona-Zahlen in der Region:

KR

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