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Ernährungsrat gegründet: Ziel ist, alle Akteure an einen Tisch zu bringen

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In verschiedenen Arbeitsgruppen diskutierten die rund 60 Teilnehmer und Experten bei der Gründung des Traunsteiner Ernährungsrats, wie regionale Ernährungskreisläufe gestärkt werden können. (Foto: Effner)

Traunstein – Was auf unsere Teller kommt, kann uns nicht egal sein: Diesem Motto folgten rund 60 Interessierte und Experten aus den Bereichen Landwirtschaft, Gastronomie, Bildung, Gartenbau, Naturschutz, Politik sowie von Kommunen und Fachbehörden bei der Gründung eines neuen Ernährungsrats für den Landkreis Traunstein. Er will sich als eine Art Denk- und Diskussionsforum mit allen Fragen rund um das Thema Ernährung beschäftigen und Erzeuger, Verarbeiter und Konsumenten an einen Tisch bringen.


»Die Voraussetzungen sind gut«, erläuterte Beate Rutkowski, Kreisvorsitzende des Bunds Naturschutz (BN), bei der Vorstellung in Traunstein. »Denn wir haben noch eine kleinteilige Landwirtschaft, ein Lebensmittelhandwerk, Dorf- und Hofläden, Bauern- und Wochenmärkte, eine Ökomodellregion, ein Agrarbündnis und viele engagierte Bürger.« Der BN hat die neue Initiative zusammen mit der »Slow Food«-Gruppe Chiemgau-Rosenheimer Land und Gisela Sengl, der agrarpolitischen Sprecherin der Grünen im Landtag, ins Leben gerufen. Sie sprach sich mit Blick auf die Ergebnisse des Volksbegehrens für mehr Artenvielfalt und für die Förderung regionaler Bioprodukte aus.

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Gudrun Schweisfurth, Tochter des Gründers der Hermannsdorfer Landwerkstätten für biologische Lebensmittelerzeugung in Glonn und Vorsitzende des Münchner Ernährungsrats, gab Einblick in die Geschichte, Aufgaben und Ziele der Ernährungsräte. »Wenn vier Agrochemiekonzerne 67 Prozent des Saatgutmarkts bestimmen und in Deutschland vier Lebensmittelketten 85 Prozent des Lebensmittelhandels unter sich aufteilen, dann stimmt etwas nicht mehr«. Der Auf- und Ausbau regionaler Lebensmittelversorgung mache unabhängig in Bezug auf mögliche Versorgungsengpässe und bringe Bauern, verarbeitendes Handwerk und Verbraucher wieder zusammen, so Schweisfurth. Er leiste zudem einen wichtigen Beitrag gegen die schädliche »Auslaugung des Planeten« und stärke die Gemeinschaft sowie »Selbstwirksamkeit statt Katastrophenrhetorik«.

In Arbeitskreisen Themen diskutiert

Was sich konkret verbessern lässt, darüber tauschten sich die Teilnehmer des Ernährungsrats in sieben thematisch fokussierten Arbeitskreisen aus. Recht kontrovers ging es unter dem Thema ökologische und regionale Lebensmittelerzeugung zur Sache: MdL Gisela Sengl und Julia Reimann (»Chiemgaukorn«) diskutierten mit den Landwirten Franz Gruber (Maschinenring Traunstein), Kreisbäuerin Irina Esterbauer und Behördenchef Alfons Leitenbacher (Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten), ob und wie sich Produktivität und Nachhaltigkeit, ökologische Tragfähigkeit und Chemieeinsatz zusammenbringen lassen.

»Ernährung und Klimaschutz«

Infos zu unverpackten Regionalprodukten, Flyer über klimafreundliches Einkaufen in der Region und neue Formate für Bauernmärkte waren drei Vorschläge, die Beate Rutkowski zum Thema »Ernährung und Klimaschutz« vorstellte. Eine stärkere Kooperation mit Erlebnisbauernhöfen und die Nutzung von Förderprogrammen regte der Arbeitskreis »Ernährungsbildung« unter Leitung von Barbara Forster aus Taching am See und Marlene Berger-Stöckl von der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel an. Wege, »um unsere Städte und Gemeinden bei der Gemeinschaftsverpflegung stärker in die Pflicht zu nehmen«, stellte der Traunsteiner Stadtrat Thomas Stadler im Bereich »Kommunen und Ernährung« vor.

»Schüler fit machen für den Haushalt«

Zu Überlegungen, das Fach Hauswirtschaft in alle Schulen zu bringen und den Nachwuchs »fit zu machen für den Haushalt« referierte Annemarie Hofstetter-Hack, Leiterin der Hauswirtschaftsschule in Traunstein, aus ihrem Arbeitskreis.

Fachkräftemangel und berufliche Wertschätzung sowie Catering-Netzwerke und regionale Genusskultur beschäftigten die Diskussionsteilnehmer im Bereich »Gastronomie« unter der Leitung von Helga Geistanger (»Slowfood«). Die Gruppe »Gemeinschaftsgärten« unter Stephan Hadulla aus Traunstein sprach sich dafür aus, Modelle der solidarischen Landwirtschaft im Landkreis bekannter zu machen.

Die Arbeitskreisleiter wollen sich nun am 22. Juli zu einer ersten Zwischenbilanz treffen. Das nächste Treffen in großer Runde ist für den 15. November angesetzt. Wer sich informieren oder beteiligen will, kann sich beim BUND unter Telefon 0861/122 97 melden. eff