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Erdbeeren als Zeichen der Solidarität

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Sebastian Frank verteilte bei der DGB-Kundgebung auf dem Stadtplatz Erdbeerpflanzen. (Foto: Effner)

Traunstein – Nicht unbedingt die süßen Früchte der Arbeit, aber zumindest solche zum genußvollen Verspeisen können die Teilnehmer der DGB-Kundgebung am Vorabend zum Tag der Arbeit in Traunstein bald genießen: Hans-Peter Gandler vom DGB-Kreisverband Traunstein und Sprecher Sebastian Frank, Branchensekretär der IG Bauen, Agrar, Umwelt, verteilten junge Erdbeerpflanzen an die rund 50 Teilnehmer auf dem Stadtplatz, darunter auch die Bundestagsabgeordnete Dr. Bärbel Kofler: »Wir wissen aus sicherer Quelle, dass Karl Marx, der am 5. Mai seinen 200. Geburtstag feiern würde, die gern gegessen hat«, kommentierte Gandler die Idee.


Traunsteins Oberbürgermeister Christian Kegel er-innerte in seinem Grußwort an den hohen Wert der Arbeit für die Menschen und den Einsatz der Gewerkschaften für gute Arbeitsbedingungen. Deren Engagement sei auch heute noch unverzichtbar, wenn es etwa um gleiche Arbeitslöhne für Männer und Frauen gehe oder um Flexibilität in der Arbeit, von der sowohl Arbeitgeber wie Arbeitnehmer profitieren. Starke Gewerkschaften seien auch wichtig, um die Tarifautonomie »ohne Wenn und Aber zu erhalten«.

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Sebastian Frank unterzog den aktuellen bayerischen Sozialbericht einer kritischen Betrachtung. Mit der über die Jahre immer weiter nach oben korrigierten Quote von inzwischen drei Prozent sei man von echter Vollbeschäftigung noch weit entfernt. Parallel zu neuen Höchstständen bei sozialversicherungspflichtigen Jobs würden umgekehrt prekäre Beschäftigungsverhältnisse weiter zunehmen.

Denkwürdig sei auch der in Artikel 106 der Bayeri-schen Verfassung garantierte Anspruch jedes Bayern auf eine »angemessene Wohnung« und die von Staat und Gemeinden geforderte »Förderung des Baus billiger Volkswohnungen«. Tatsächlich müssten gut eine Million Haushalte in 77 deutschen Großstädten mehr als die Hälfte ihres Einkommens für Miete aufwenden. 1,3 Millionen Großstadt-Haushalten bleibe nach der Miete nur noch ein Einkommensrest unterhalb der Hartz-IV-Regelsätze. Dringender Handlungsbedarf bestehe angesichts des laut Sozialberichts erforderlichen Bedarfs von einer Million neuer Wohnungen.

Kritische Bemerkungen machte Frank auch zu den Themen Mobilität und Bildung. Mit dem Einsatz für den Schutz durch Tarifverträge, ein gerechtes Steuersystem, gerechte Bildungschancen und das Recht auf Weiterbildung wolle die Gewerkschaft »den Wandel der Arbeitswelt nutzen, um ihn im Sinne einer solidarischen, gerechten und weltoffenen Gesellschaft zu gestalten«. Trotz des digitalen Wandels dürfe »keiner auf der Strecke bleiben«, etwa Arbeitnehmer in Unternehmen ohne Betriebsrat, Ungelernte, ältere Arbeitnehmer oder solche über 50 Jahre.

Frank sprach sich auch für »faire Bedingungen auf    dem Bau« aus. Trotz voller Auftragsbücher und hoher Umsatzzahlen würden sich die Arbeitgeber gegen eine Angleichung der Ostlöhne, Einkommenserhöhungen, ein volles 13. Monatsgehalt und bessere Bedingungen für Auszubildende sperren. Mit einem Aktionstag in Berlin wolle die Gewerkschaft am 7. Mai ein Zeichen setzen. eff