Einzigartiges Engagement für Menschen mit Behinderung

Bildtext einblenden
Peter Bantlin, der für sein außergewöhnliches Engagement für Menschen mit Behinderung unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, feiert heute seinen 80. Geburtstag.

Er setzt sich seit Jahrzehnten im Landkreis Traunstein mit eisernem Willen für die Belange von Menschen mit geistiger Behinderung ein: Peter Bantlin aus Thauernhausen. Am heutigen Freitag wird er 80 Jahre alt.


Nach der Geburt seiner Tochter Sabine im Jahr 1964, bei der nach drei Monaten eine schwere Behinderung festgestellt wurde, fühlten sich Peter Bantlin und seine Frau Eleonore zunächst sehr allein gelassen. Doch schon bald kam er zur Elternvereinigung Lebenshilfe Traunstein, die er seitdem maßgeblich prägte und mit aufbaute.

»Die Gründung der Lebenshilfe-Kreisvereinigung Traunstein im Jahr 1969 war mit Sicherheit ein Meilenstein zur veränderten Wahrnehmung von uns Eltern in unserem Selbstbild, unserer Rolle gegenüber unserem Kind mit geistiger Behinderung sowie den Fachleuten. Der Anspruch der Eltern, das Hilfesystem für ihr behindertes Kind mit aufzubauen und zu prägen, ihre Expertenrolle als diejenigen, die das Kind am besten kennen, wahrzunehmen und Struktur- und Strategiefragen zu entscheiden, wurde zunehmend anerkannt«, sagte Peter Bantlin anlässlich seines Abschieds als Vorsitzender der Lebenshilfe 2013. Damals beendete er sein langjähriges Ehrenamt im Dienste der Lebenshilfe. Von 1979 bis 1982 war er zweiter Vorsitzender und danach bis 2013 erster Vorsitzender der Lebenshilfe-Kreisvereinigung Traunstein.

Während all der Jahre kämpfte er im Namen der betroffenen Eltern, war maßgeblich dafür mitverantwortlich, dass neue Einrichtungen im Landkreis entstanden, die den betroffenen Familien Hilfe boten. Dazu gehören die Chiemgau Lebenshilfe Werkstätten, die Förderstätte für schwerst mehrfachbehinderte Menschen in Altenmarkt, das Café Intreff in Traunstein, das ihm besonders am Herzen lag, und viele andere mehr. Beim Abschied meinte er zu seinem langjährigen ehrenamtlichen Engagement: »Es wurde daraus ein zweites Arbeitsleben, lange Jahre noch neben dem eigentlichen Beruf. Es eröffnete mir neue Horizonte, erfüllte und formte mich.«

Im Laufe der 35 Jahre erhielt Bantlin viele Auszeichnungen, darunter den Bayerischen Verdienstorden und das Bundesverdienstkreuz, um nur zwei zu nennen. Außerdem ist er Ehrenvorsitzender der Lebenshilfe Traunstein.

Am besten ausdrücken, welch großartigen Einsatz Peter Bantlin über Jahrzehnte leistete, können langjährige Wegbegleiter, die sich zu seinem heutigen Geburtstag zu Wort melden. Landtagspräsident a. D. Alois Glück erklärt: »Peter Bantlin hat für die Entwicklung der Lebenshilfe Traunstein das Fundament gesetzt. Es war Pionierarbeit und ist seine große Lebensleistung.«

Die umfassenden Dienste für Menschen mit Behinderung im Landkreis Traunstein seien eng mit seinem Namen verbunden, Bantlin sei mitverantwortlich für »große humane Fortschritte unserer Zeit« in Bezug auf den Umgang mit Menschen mit Behinderung. Als hoher Offizier der Bundeswehr habe Peter Bantlin sogar auf eine weiterführende Karriere verzichtet, um in Traunstein bleiben und weiterhin hier für die Lebenshilfe tätig sein zu können. Barbara Stamm, Landtagspräsidentin a. D. und Landesvorsitzende der Lebenshilfe Bayern, meint: »Voller Ideen und unbändiger Tatkraft und dabei immer das große Ganze im Blick! So durfte ich den heutigen Ehrenvorsitzenden der Lebenshilfe Traunstein, Peter Bantlin, vor vielen Jahrzehnten kennen und schätzen lernen. Mit großer Freude erinnere mich etwa an die Einweihung der Förderstätte in Altenmarkt im Jahr 1997. Weit über die Region hinaus hat Peter Bantlin mit dieser Einrichtung und vielen anderen vorher und nachher ein Zeichen gesetzt für eine menschliche Gesellschaft. Für eine Gesellschaft, zu der alle gehören ob mit oder ohne Behinderungen. Alle gemeinsam konnten wir im Jahr 2019 ein wunderbares Fest feiern zum 50-jährigen Jubiläum der Lebenshilfe Traunstein, die ohne das unermüdliche Engagement von Peter Bantlin gar nicht denkbar wäre. Er ist ein großes Vorbild und Wegweiser mit viel Herz für die Lebenshilfe in Bayern.«

Auch der frühere Landrat Jakob Strobl erinnert sich an die Zusammenarbeit mit dem Jubilar: »Peter Bantlin ist für mich ein lebhaftes und fast unglaubliches Beispiel dafür, was eine starke, ideenreiche Persönlichkeit zustande bringt, die überzeugt ist, mit Gleichgesinnten überragende Ziele zum Wohle der Bürger erreichen zu können. Er hat es fertiggebracht, die vor rund 50 Jahren ins Leben gerufene Elternselbsthilfeorganisation Lebenshilfe zum heutigen hervorragenden Stand zu entwickeln. Für mich galt er in all den vielen Jahren als die Haupttriebfeder dafür, dass die Menschen mit geistiger, psychischer, körperlicher und Mehrfachbehinderung in der Lebenshilfe Traunstein und in den Chiemgau-Lebenshilfe-Werkstätten zuverlässige und hilfreiche Partner fanden und sich von den Mitarbeitern wohl behütet fühlen. Als Landrat, Bürgermeister und CLW-Mitverantwortlicher fand ich in Peter Bantlin jederzeit die leidenschaftliche und engagierte Persönlichkeit und Triebfeder für die unglaubliche Entwicklung der Lebenshilfe Traunstein mit den verschiedenen angegliederten Einrichtungen. Er war und ist für mich immer Ideengeber, Planer, Antreiber, Entscheider und großartiger Vorsitzender, einfach ein ‚Macher‘ zum Wohle Behinderter. Die Bevölkerung des Landkreises ist ihm zu höchstem Dank verpflichtet.«

Auch Josef Schärtl kennt als Aufsichtsratsvorsitzender Chiemgau-Lebenshilfe-Werkstätten gGmbH und Vorstandsmitglied der Chiemgau-Lebenshilfe-Werk­stätten-Stiftung den Jubilar sehr lange: »Vor mehr als 40 Jahren lernte ich Peter Bantlin bei der Bundeswehr kennen. Schon damals beeindruckte mich sein unermüdlicher und hartnäckiger Einsatz zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Menschen mit schweren Behinderungen sowie von ihren Eltern und Angehörigen. Dafür nahm er auch berufliche Nachteile in Kauf. Über die Jahrzehnte ist unter seiner Verantwortung ein großes Angebot der Lebenshilfe Traunstein entstanden, das es ohne ihn so nicht gäbe. Dabei ist es ihm auch gelungen, Inklusion und Teilhabe voranzutreiben, Freunde und Unterstützer zu gewinnen. Eine großartige Lebensleistung!«

Peter Bantlin wurde in Reutlingen geboren und wuchs er in der schwäbischen Textil-Stadt auf. Sein Vater war Unternehmer mit einer lederverarbeitenden Fabrik und lebenslang Kirchengemeinderat sowie stark engagiert im Alpenverein. Der junge Peter war traumatisiert durch Bombennächte im Keller des elterlichen Hauses. 1945 wurde die Familie ausgebombt, überlebte im Keller. Aufnahme als Flüchtlinge fand sie in einem Vorort von Reutlingen, Eningen unter Achalm. Durch den Militärdienst kam der Jubilar Anfang der 1960er Jahre zum Gebirgsflugabwehrregiment 8 nach Traunstein und ließ sich letztendlich mit seiner Familie in Thauernhausen nieder. Peter Bantlin war schon immer außergewöhnlich sportlich, ein hervorragender Handballspieler, Tennisspieler, Skifahrer und Kletterer. Zudem war er als geselliger Mensch, guter Gitarrenspieler und Sänger bei Festen und Hüttenabenden immer gern dabei. Als leidenschaftlicher Sänger war er in Traunstein im Kirchenchor der evangelischen Kirche engagiert und zeigte großes Interesse an klassischer Musik und Literatur. Peter Bantlin pflegt mit Hingabe seinen großen Garten am Eigenheim in Thauernhausen und reist gerne zusammen mit seiner Frau Eleonore. Beide sind besonders an Kunst und der Lebensweise anderer Menschen interessiert. Neben Tochter Sabine hat das Paar noch Sohn Peter.

mix

Mehr aus der Stadt Traunstein