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Zwar spart die Stadt Traunstein allein bei der Straßenbeleuchtung rund 70 000 Kilowattstunden Strom pro Jahr ein. Doch finanziell wird sich das wegen der gestiegenen Kosten kaum auswirken, hieß es in der jüngsten Sitzung des Finanzausschusses. Foto: dpa-tmn

Einsparung der Energieversorgung: Stadt setzt Energiesparen schon vor der Verordnung um

Traunstein – Schnell erledigt war die Sitzung des Finanzausschusses des Stadtrats. Das Gremium nahm zur Kenntnis, dass Einsparungen, die sich durch die Umsetzung der von der Bundesregierung angeordneten Verordnung zur Sicherung der Energieversorgung erzielt werden, durch die Energiepreissteigerungen mehr als aufgezehrt werden dürften.


»Es freut mich, dass wir als Stadt schneller waren und mindestens genauso klug wie die Bundesregierung und das Energiesparen schon vor deren Verordnung umgesetzt haben«, sagte Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer (CSU) im Finanzausschuss.

In der Verordnung sei festgelegt, dass in »öffentlichen Nichtwohngebäuden« die Temperatur von 19 Grad, zum Beispiel in Büros, nicht überschritten werden solle – ausgenommen Schulen in Kindertagesstätten. Dies habe der Hausmeister in der Stadtverwaltung bereits mithilfe der Heizungsthermostate umgesetzt (Einsparung zehn Prozent), so die Stadtverwaltung in ihren Erläuterungen zur Sitzung.

Wasser zum Händewaschen dürfe nicht mehr über dezentrale Anlagen erwärmt werden, sofern nicht Hygienevorschriften entgegenstünden (ausgenommen wieder Schulen und Kitas). Die Boiler seien bis auf die in den Putzkammern vom Netz genommen worden. Die Außenbeleuchtung von Gebäuden und Baudenkmälern seien mit Ausnahme von Sicherheits- und Notbeleuchtung verboten, so die Verwaltung.

Die Fassadenbeleuchtung öffentlicher oder historischer Gebäude, wie etwas des Rathauses oder der Salinenhäuser, sei eingestellt worden. Die Beleuchtung der »gotischen Bögen« sowie des Kulturforums Klosterkirche sei ausgeschaltet, die von Ausstellungsräumen mittels Zeitschaltuhr begrenzt worden.

Schließlich hätten die Stadtwerke auch auf die sogenannte Halbnachtschaltung bei der Straßenbeleuchtung umgestellt. Von den 3200 Leuchten im Stadtgebiet hätten 2300 eine Sparschaltung. Die reduzierte Beleuchtung auch am frühen Abend und am Morgen (außerhalb der bisherigen Zeit von 22 bis 6 Uhr) dürfte zu keinen negativen Beeinträchtigungen führen, so die Verwaltung. »Wir haben die Leuchtstärke gedimmt und sparen mit bissl weniger Helligkeit 70 000 Kilowattstunden im Jahr«, so Hümmer. »Wir strecken uns eh schon nach der Decke. Wir haben ja sonst nix zu tun. Darauf haben wir sehnsüchtig gewartet«, machte er kein Hehl aus seiner Meinung zu der Verordnung. Die Einsparungen aufgrund des geringen Stromverbrauchs dürften allerdings finanziell aufgrund der Preissteigerungen »mehr als aufgezehrt werden«, wie es die Verwaltung formulierte.

Monika Stockinger (SPD) konnte der reduzierten Beleuchtung auch gute Seiten abgewinnen: »Dadurch wird auch die Lichtverschmutzung extrem weniger«, meinte sie. Die Frage sei, ob man nicht auch nach Ende der derzeitigen Situation dabei bleiben solle.

Er hoffe doch, dass sich die Zeiten wieder ändern, so Hümmer dazu. Bisher sei der Strompreis der Stadtwerke relativ stabil, weil sie rechtzeitig Strom gekauft hätten, »aber die Gasumlage trifft uns schon. Nur weiß man da nicht, ob sie noch höher wird und wann sie kommt.« Derzeit werde Strom an den Börsen etwa zehnmal so teuer gehandelt als vor einem Jahr, »als wir gekauft haben«.

Insofern seien die Einsparungen richtig und wichtig, aber nicht die Lösung. Die Lösung könne nur eine Angebotserweiterung sein. Thomas Stadler (Fraktionsvorsitzender der Grünen) sagte, auch wenn Schulen und Kitas ausgenommen seien, hoffe er doch, dass man sich in den Schulen Gedanken mache zum Energie sparen. Ein Anreiz könne doch die frühere 50/50-Regelung sein, nach der Einsparungen je zur Hälfte bei der Schule und dem Träger blieben.

Dazu sagte Hümmer, da die Stadt nur Einfluss auf die Schulen habe, bei denen sie auch der Schulaufwandsträger sei, kämen Einsparungen so oder so dem städtischen Haushalt zugute. Er verwies zudem auf die groteske Situation der divergierenden Interessen der Energieeinsparung einerseits und der coronabedingt erforderlichen Hygiene andererseits – »wir haben Luftreiniger angeschafft, die wegen der Energieeinsparung nicht laufen sollen. Alle 20 Minuten lüften ist – würde die Heizleistung reduziert – auch nicht optimal. Die Kleinsten sollen nicht frieren, da gibt es Grenzen des Sparens. Die Heizleistung in Kitas und Schulen reduzieren, das wird es mit mir nicht

geben!«

coho

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