Einer der größten Drogenfunde in der Region nun vor Gericht: Heroin im Wert von über 2,2 Millionen Euro

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Traunstein Foto: dpa

Traunstein – Zwei Schleierfahndern der Grenzpolizei Piding gelang am Nikolaustag 2019 einer der größten Rauschgiftfunde seit Jahrzehnten in der Region. In einem Van, den sie an der Anschlussstelle Anger der Autobahn 8 Salzburg-München kontrollierten, kamen 45 Kilogramm Heroin mit 30-prozentigem Wirkstoffgehalt und einem Straßenverkaufswert von über 2,2 Millionen Euro zu Tage. Die 43 und 48 Jahre alten Angeklagten beriefen sich am Donnerstag vor der Sechsten Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzender Richterin Jacqueline Aßbichler auf ihr Recht zu schweigen.


Der Prozess wird am Donnerstag, 10. Dezember, um 8.30 Uhr fortgesetzt. Nach einem Kurztermin am Mittwoch, 30. Januar, um 10 Uhr sollen am Mittwoch, 5. Januar, mit Beginn um 9 Uhr Plädoyers und Urteil folgen.

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Die beiden Beamten waren am 6. Dezember 2019 bei Dunkelheit mit einem Zivilfahrzeug auf der A8 auf Streife, als sie auf den Pkw Chrysler Voyager mit zwei Insassen aufmerksam wurden. An der Ausfahrt Anger lotsten sie den Wagen raus, der später in der Dienststelle genauer unter die Lupe genommen wurde. Fahrer und Beifahrer erzählten, wie sich der 29-jährige Schleierfahnder erinnerte, »ungefragt unglaubwürdige Geschichten« – von »Zähnerichten« und einem Urlaub in der Türkei, von einem Werkstattaufenthalt auf der Rückreise über den Irak nach Deutschland.

Den Beamten fiel auf, dass das Fahrzeug im Innenraum »verbastelt« war. Teile der Verkleidung waren locker. Die Polizisten sahen eine verdächtige Stelle im Fußraum, setzten einen Geißfuß an und stießen auf ein geräumiges Versteck mit vielen Päckchen. Auf ihnen war ein Pulver verstreut, das die Fahnder für Kurkuma oder Curry hielten. Wie bei großen Rauschgiftfunden üblich schalteten die Grenzpolizisten das Bayerische Landeskriminalamt in München und die Kripo Traunstein ein, die Interimsdienststellen in Piding unter Sachbearbeitung des LKA einrichteten.

Die genaue Untersuchung des Wagens erbrachte einen – auf Kundenbestellung seriellen – zusätzlichen Stauraum in Form einer abgedeckten Wanne zwischen der vorderen und der mittleren Sitzreihe des Vans. Nicht serienmäßig waren allerdings die Bleiplatten, mit denen der Hohlraum innen ausgekleidet war, und eingebaute Stützstreben. Ein zusätzlicher Teppich und eine herstellermäßige Abdeckung, um im Fahrzeug gemütlich sitzen zu können, befanden sich darüber.

Das Gewürzpulver sollte wohl einen Drogenhund an der Arbeit hindern, die Bleiplatten vor Entdeckung des Verstecks beim Röntgen schützen, wie ein LKA-Mitarbeiter informierte. Den Wert des sicher gestellten Heroins bezifferte der Polizeizeuge mit rund 2,25 Millionen Euro im Straßenverkauf. Beim Auswerten der Handys stießen die Ermittler auf jede Menge Whats-App-Chats.

Die Drogenkuriere, ein 43-Jähriger aus Norddeutschland mit Zweitwohnsitz in Rotterdam/Niederlande und ein 48-Jähriger aus Gronau in Westfalen, wanderten damals sofort in Untersuchungshaft. Ihre Verteidiger, Hans-Jörg Schwarzer aus Berchtesgaden und Dr. Tobias Diedrich aus Bad Oeynhausen sowie Jürgen Tegtmeyer aus Bischofswiesen und Dr. Kai Wagler aus München, erklärten am Donnerstag, ihre Mandanten würden sich nicht äußern. Staatsanwalt Josef Haiker merkte zur Prozesstaktik der Anwälte an, bei den Taten stünden Freiheitsstrafen bis zu 15 Jahre im Raum.

Unter den ersten Zeugen war ein Polizeibeamter, der einen Gefangenen vernommen hatte. Dieser hatte sich demnach freiwillig gemeldet und ein Gespräch in einer Haftanstalt mit einem der Angeklagten geschildert. Der 43-Jährige habe ihm vom Transport von 45 Kilogramm Heroin berichtet – samt entsprechenden Details, behauptete der Häftling gegenüber dem Polizisten. Spezialisten der Kripo Traunstein und vom LKA erläuterten ihre Ermittlungsbereiche. Gutachten zu Haar- und Urinproben wiesen bei nur einem der Angeklagten einen früheren Drogenkonsum nach.

Sachverständige Dr. Christine Schäfer vom LKA hatte Verpackungsmaterial der Heroin-Päckchen auf Genspuren hin geprüft und diese mit DNA-Material der Angeklagten verglichen. Das wesentliche Ergebnis war: Alle Spuren waren Mischprofile und den Angeklagten nicht klar zuzuordnen. kd

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