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Eine Verantwortung, die verpflichtet

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Stehen regelmäßig im »Weltladen« an der Ludwigstraße, um die fair gehandelten Produkte zu verkaufen: Ewald Kleyboldt (links) und der Vorsitzende des Weltladen-Vereins, Gerhard Hübner. (Foto: Wannisch)

Traunstein – »Wo geht's hin mit den Weltläden?« Diese Frage diskutierten die Verantwortlichen von 19 Weltläden aus dem südostbayerischen Raum beim Regionaltreffen in Traunstein; eine Frage, die auch den seit mehr als 25 Jahren bestehenden Traunsteiner Weltladen an der Ludwigstraße umtreibt.


Das Traunsteiner Tagblatt ist mit dem Vorsitzenden des Weltladen-Vereins, Günther Hübner, und einer Mitarbeiterin der ersten Stunde, Elke Fröhler, dieser Frage nachgegangen. »Der Ur-Gedanke der Weltläden 'global denken, lokal handeln' ist noch immer aktuell«, ist sich Hübner sicher. Aus dieser Motivation heraus, deren Ursprung in der Friedensbewegung der 1970er und 80er Jahre liegt, speist sich der Durchhaltewillen der ehrenamtlichen Mitarbeiter noch heute.

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Aber, um »in medias res« zu gehen, »wir haben Nachwuchsprobleme«, sagt Fröhler. Früher sei dieses Ehrenamt ein »klassischer Job« für Mütter in der Erziehungsphase gewesen, die tagsüber Zeit hatten, sich in den Laden zu stellen, und die Waren des Weltladens zu verkaufen. Heute gingen viele Mütter schnell wieder arbeiten, was man am Helferstamm deutlich merke. Denn die Ehrenamtler der ersten Stunde, die heute noch aktiv sind, sind mittlerweile in die Jahre gekommen. Für Hübner an sich aber kein Kritikpunkt. »Die Weltladen-Philosophie hat auch immer eine soziale Komponente, wir integrieren jeden, Jung oder Alt, der Lust und Zeit hat, sich zu engagieren.«

Freuen würde sich das Team, wenn auch junge Leute Interesse am Weltladen zeigen und mithelfen würden. Man sei offen für neue, frische Ideen. »Als wir vor über 25 Jahren damals mit dem Ladengeschäft angefangen haben, haben uns auch viele für verrückt erklärt, aber uns gibt es immer noch«, erinnert sich der Weltladen-Vorsitzende. Man müsse die Jugend einfach machen lassen. Die Teilnehmer des Regionaltreffens haben ähnliche Töne angeschlagen. So will man künftig auch auf Onlineversand und -marketing der Weltladenprodukte setzen.

Die Traunsteiner Verantwortlichen könnten sich auch gut eine Vernetzung mit regionalen Anbietern vorstellen. »Regionale Produkte, die nachhaltig produziert wurden, und zu Preisen verkauft werden, von denen die Produzenten leben können, das ist auch fairer Handel, nur eben regional«, sagt Fröhler. Die Leute seien heute zunehmend kritischer in ihrem Konsumverhalten. Das wolle man weiter unterstützen. So hat sich im Laufe der Jahre die Produktpalette deutlich erweitert. Fing man mit fair gehandeltem Tee, Kaffee und Schokolade an, so gibt es heute auch eine feine Auswahl an modischer Kleidung. »Bei uns läuft eigentlich alles gut«, scherzt Hübner. Über die Jahrzehnte hinweg habe sich ein fester Kundenstamm etabliert, die zentrale Lage an der Ludwigstraße trage ebenfalls dazu bei, dass sich der Laden finanziert. So lange es läuft, wollen sie weitermachen, sind sich Fröhler und Hübner einig.

Hübner denkt zudem über eine Art »Weltbürgerhaus« nach, das nicht nur Produkte aus fairem Handel verkauft, sondern auch offen für Kultur jeglicher Art ist. Die Weltladenbewegung setzt stets auf Bildungsarbeit in Sachen fairer Handel und gleichwertige Lebensbedingungen. Dass dies keine leere Worthülse ist, zeigte auch ein für die Teilnehmer des Regionaltreffens sehr beeindruckender Vortrag von Dr. Bärbel Kofler, der Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung. Sie berichtete über Menschenrechte in China. »Da mussten wir schon feststellen, dass die Auffassung von Menschenrechten auch heute noch sehr unterschiedlich sein kann«, erinnert sich Hübner.

Wie Fröhler und Hübner die Zukunft der Weltläden sehen? »Unsere Arbeit soll bewirken, dass niemand mehr gezwungen ist, seine Heimat zu verlassen, um überleben zu können«, sagt Hübner. »Wir leben auf der privilegierten Seite des Globus', diese Verantwortung verpflichtet«, ergänzt Fröhler. Nachhaltiger Konsum sei eine sehr gute Möglichkeit, für nachhaltige Lebensbedingungen weltweit zu sorgen. vew