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»Eine Auskunft, ein Tarif, ein Ticket«

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Foto: Symbolbild, pixabay

Traunstein – Erste Meilensteine gesetzt hat der Landkreis Traunstein für den neuen Nahverkehrsplan, der Ende 2021 verabschiedet werden soll und danach an die Regierung von Oberbayern geht. Nach dem Auftakt vor einem Jahr und ersten Schritten seither legte der Kreisausschuss jetzt konkrete Inhalte zu mehr Qualität fest.


Dabei stehen die Fragen im Mittelpunkt: Wo wollen wir uns verbessern? Wie wollen wir uns verbessern? Nahverkehrsplaner Marko Just vom Landratsamt präsentierte Details, die der Kreisausschuss unter Vorsitz von Landrat Siegfried Walch einstimmig befürwortete.

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Im Dezember 2019 hatte der Kreistag entschieden, den Nahverkehrsplan fortzuschreiben. Ein eigener Arbeitskreis entstand, um Schwerpunkte festzulegen. Ziel ist laut Just »ein kundengerechtes, integriertes und tragfähiges Verkehrsangebot«.

In einem ersten Schritt erfolgte bis Mitte 2020 eine Analyse, welche Anforderungen an den künftigen ÖPNV im Landkreis zu stellen sind. Aktuell wird bis etwa März 2021 der Rahmen für den Verbesserungsbedarf abgesteckt – in den Bereichen Erschließungsqualität, Bedienungsqualität mit Häufigkeit und Pünktlichkeit der Verkehrsmittel, Verbindungskriterien wie Reisezeit und Anschlüsse, Service- und Ausrüstungsqualität wie zum Beispiel hinsichtlich Barrierefreiheit.

Bei der Bedienungsqualität berichtete Marko Just, die Zahl der Linien im Landkreis sei 2019 an Wochenenden und Feiertagen um etwa 70 Prozent abgefallen, die Anzahl der Fahrten sogar um 85 Prozent. Verbesserungen sollten sich mindestens an der bayerischen »Leitlinie zur Nahverkehrsplanung« orientieren. Wichtig sei vor allem, Bus und Bahn besser zu verknüpfen. Just informierte, die Zeitintervalle zum Umsteigen sollten sich zwischen sechs und 15 Minuten bewegen.

Umsteigerelevante Bahnhöfe der Bayerischen Regio-Bahn, früher Meridian, seien Übersee und Traunstein, an der Südostbayernbahn Ruhpolding, Garching im Landkreis Altötting sowie Trostberg. Ein entscheidendes Qualitätskriterium sei die Digitalisierung des ÖPNV – »von der Auskunft über die Buchung bis zur Abrechnung«. Der Nahverkehrsplaner dazu: »Ich muss über das Handy alle Informationen für eine Fahrt bekommen, auch, wie es weitergeht.«. Dabei sei ein stufenweises Vorgehen erforderlich. Just äußerte die Vision: »Eine Auskunft, ein Tarif, ein Ticket.« Die Gespräche mit allen Beteiligten würden fortgesetzt.

Viele Aspekte beleuchtete die Diskussion. Dr. Lothar Seissiger, FW/UW, meinte: »Wie können notwendige Haltepunkte mit einer akzeptablen Fahrzeit kombiniert werden?« Marko Just erwiderte: »Wir konzentrieren uns auf die relevanten Linien und stimmen auf die Fahrpläne der Bahn ab.«

»Wir brauchen eine kurze Taktzeit, günstige Tarife und eine durchgehende Netzstruktur«, forderte Johann Schild (SPDplus). Ein gutes Angebot werde der Landkreis »nicht zum Nulltarif bekommen«. An der Bahnstrecke Mühldorf–Salzburg lägen ebenfalls wichtige Anschlusspunkte für die Zukunft – nicht nur für die Region, sondern auch überregional. Traunreut als Knotenpunkt einzubinden, war das Anliegen von Andreas Füssel (AfD). Abteilungsleiterin Alexandra Wolf verwies auf noch folgende Teilbeschlüsse. Die Planung sei derzeit noch nicht vollständig, ergänzte Landrat Walch.

In der Vergangenheit seien Nahverkehrsplanungen gemacht worden, die drei bis vier Jahre dauerten und nach Abschluss bereits überholt waren. Jetzt wolle man in Zwischenschritten vorgehen. Dabei sei »jede Gemeinde wichtig, auch die Stadt Traunreut«. Nicht mehr jahrelang auf »ein großes Konzept« zu warten, sondern Schritt für Schritt vorzugehen – das begrüßte Burgi Mörtl-Körner (Grüne). Ein komplettes Busangebot für alle Zielgruppen statt zwei parallelen Systemen mit Schulbussen und ÖPNV brachte Christian Schunck (SPDplus) als »Vision« aufs Tapet. Beim Schienennahverkehr habe der Landkreis nichts mitzureden: »Wir müssen drum herum planen.« Ein einziges Bussystem für die unterschiedlichen Nutzergruppen sei auch Ziel des Landkreises, antwortete Landrat Walch.

Weiterer Schritt wäre, die Schulbusse der Kommunen einzubeziehen. »Wir sind nahe beieinander«, sagte er zu Schunck. Zum Thema Bahn konstatierte Walch: »Ich bin froh, dass wir keine eigenen Bahnen betreiben.« Deren veraltete Technik gehe noch auf die Reichsbahn zurück. Der Landkreis stimme sich mit den Bahnbetreibern bereits eng ab, welche Hardware erforderlich sei bei der Digitalisierung des Nahverkehrs.

Gefragt von Sebastian Heller (Grüne) sagte Marko Just: »Beim Nahverkehrsverbünden stehen wir im regelmäßigen Austausch mit den Nachbarlandkreisen.« Verkehrsverbund und Nahverkehrsplan seien »zwei Paar Stiefel«, erinnerte der Landrat. Mit dem Berchtesgadener Land werde zurzeit eine Grundlagenstudie angegangen. Der Förderbescheid des Freistaats sei inzwischen eingetroffen.

Teil des einmütigen Beschlusses im Kreisausschuss war, bei Taktung und Anzahl von Fahrtenpaaren mindestens die bayerischen Leitlinienrichtwerte zu Grunde zu legen. Die umsteigerelevanten Haltepunkte und Bahnhöfe deckten sich mit denen aus dem Vortrag von Marko Just. Weiter hieß es in dem Beschluss, Anschlussbusse an die Bahn müssten bei Verspätungen mindestens fünf Minuten warten. kd

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