Einbruch der Schülerzahlen: Viele Familien im Landkreis vermutlich wegen Corona weggezogen

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Traunstein: Einbruch der Schülerzahlen – Familien im Landkreis vermutlich wegen Corona weggezogen
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Die Entwicklung der Schülerzahlen war Thema im Kreisausschuss. Dabei sprach Schulamtsdirektor Otto Mayer von einem »Schwund« bei den Mittelschülern. (Foto: dpa)

Traunstein – Wohl wegen der Corona-Pandemie hat sich die Zahl der Mittelschüler im Landkreis massiv reduziert. Im Mai 2020 zählten die Behörden 41 Kinder weniger als im September 2019, aktuell beträgt das Minus bereits 82. Von vielen ist ihr derzeitiger Aufenthaltsort nicht bekannt.


Im Kreisausschuss erklärte Schulamtsdirektor Otto Mayer den »Schwund«: »Familien, oft aus Ostblockländern, sind wegen Corona weggezogen, ohne einen Zielort zu hinterlassen. Ich hoffe, die Familien kehren zurück.« In manchen Schulen würden noch immer Schüler abgemeldet. Mayer dazu: »Das müssen wir registrieren und darauf reagieren.«

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Im kommenden Schuljahr werden 5924 Kinder die Klassen 1 bis 4 einer Grundschule im Landkreis Traunstein besuchen, 60 mehr als im letzten Schuljahr. Die Corona-Krise beeinflusste zeitweise auch das Übertrittsverhalten der Viertklässler. Nach Worten Mayers sind die Verantwortlichen im Mai »ein bisschen erschrocken«, hatte doch die Übertrittsquote von den Grundschulen in die Gymnasien 51 Prozent erreicht, in die Mittelschulen 33 Prozent und in die Realschulen lediglich 16 Prozent. Inzwischen hätten sich die Werte wieder ungefähr gedrittelt und lägen damit im Bereich der bisherigen »relativ stabilen Quoten«, so Mayer.

Die Schülerzahlen der fünften Klassen an weiterführenden Schulen in Trägerschaft des Landkreises präsentierte Landrat Siegfried Walch. Für die fünften Klassen an den Gymnasien seien insgesamt 380 Kinder angemeldet, 34 weniger als im letzten Schuljahr. Gebildet würden voraussichtlich 98 Klassen in den Jahrgangsstufen 5 bis 10, zwei Klassen weniger als 2019/2020.

Die Gesamtschülerzahl an den Gymnasien erhöhe sich um 106 Kinder oder plus 3,6 Prozent auf voraussichtlich 3023. Dabei bleibe die Gesamtzahl am Hertzhaimer-Gymnasium in Trostberg sowie am Chiemgau-Gymnasium in Traunstein ziemlich konstant, während sie am Johannes-Heidenhain-Gymnasium Traunreut geringfügig und am Annette-Kolb-Gymnasium (AKG) Traunstein deutlich steige.

Für alle Schüler seien – noch – genügend Klass- und Fachräume vorhanden. Frei werdende Räumlichkeiten seien vorläufig nicht zu erwarten. Auf die Situation am AKG habe sich der Landkreis bereits eingestellt: »Diese Schule stößt an ihre räumlichen Grenzen. Wir werden kurzfristig vier weitere Klasszimmer errichten.« Diese Interimslösung werde nicht von Dauer sein. »Hausintern arbeiten wir an einer langfristigen Lösung. Unsere Hochbau-Abteilung ist bereits damit befasst. Alles muss gut durchdacht sein«, betonte Walch.

In den Realschulen sind nach seinen Worten für die fünften Klassen 442 Schülerinnen und Schüler gemeldet, 30 mehr als im Vorjahr. Insgesamt werden im kommenden Schuljahr 2532 Realschüler unterrichtet, 39 oder 1,6 Prozent mehr als letztes Jahr. Dabei bewegt sich die Gesamtschülerzahl nur an der Realschule Marquartstein etwas nach unten, an den übrigen drei Realschulen zeigt sich ein leichter Anstieg. Nach derzeitigem Stand werden 101 Klassen – zwei mehr als bisher – gebildet. Die erforderlichen Räume stehen bereit.

Die Prognosen für die einzelnen Schulen stellte Kreiskämmerer Karl-Heinz Thiel dem Kreisausschuss vor. So decken sich Prognose und tatsächliche Schülerzahlen am Hertzhaimer-Gymnasium Trostberg weitgehend, ebenso am Johannes-Heidenhain-Gymnasium in Traunreut. Am Annette-Kolb-Gymnasium Traunstein überstiegen die Schülerzahlen bereits die Prognose. Gleiches gelte für das Chiemgau-Gymnasium Traunstein – »was aber bislang keine Probleme bereitet«. Bei den Realschulen waren die Ist-Werte zumeist unauffällig im Vergleich zu den langfristigen Vorhersagen.

FW-Kreisrat Dr. Lothar Seissiger hakte nach, bis 2031 sei eine »gewaltige Steigerung der Schülerzahlen« prognostiziert: »Wenn ich den Schulamtsdirektor höre, habe ich Zweifel an den Zahlen.« Dazu Siegfried Walch: »Die Entwicklung in den Schulen, vom AKG abgesehen, hat bisher ungefähr den Prognosen entsprochen. In Prognosen eingerechnet sind auch andere Dinge wie das G9 oder Wanderbewegungen. Wir sind eine wachsende Region. Das muss man in den Zahlen berücksichtigen.«

Nach den durchschnittlichen Klassenstärken erkundigte sich Andreas Füssel (AfD). In Grundschulen liegt sie nach Mayer bei 20,4 Kindern, bei 19,2 in den Mittelschulen. »In kleinen Schulen müssen wir zunehmend Kombiklassen bilden, 16 wahrscheinlich im nächsten Schuljahr«, sagte der Schulamtsdirektor.

Das offene Ganztagsangebot für Schüler der Jahrgangsstufen 5 bis 10 können Schüler im Anschluss an den Vormittagsunterricht an vier Tagen pro Woche in der Zeit bis 16 Uhr in Anspruch nehmen – samt Mittagsverpflegung, Unterstützung bei Hausaufgaben, unterrichtlichen Fördermaßnahmen sowie sportlichen und musischen Aktivitäten. 323 Kinder in 17 Gruppen nutzen die Offerte ab Herbst. Am Förderzentrum Traunstein gilt das Angebot auch für Schüler der Jahrgangsstufen 1 bis 4. Der Ausschuss nahm einstimmig Kenntnis von allen Berichten. kd

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