Ein Weg in die Zukunft

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Erster Professor am neuen »Campus Chiemgau« in Traunstein ist Professor Dr. Andreas Straube. Er informierte am Mittwoch den Kreisausschuss. (Foto: Kretzmer)

Traunstein – Mit dem Projekt »Campus Chiemgau« hat der Landkreis Traunstein mit der Technischen Hochschule Rosenheim, der Handwerkskammer und der IHK Akademie für München und Oberbayern den Weg in die Zukunft beschritten. Im Zentrum steht das Leitthema »Digitalisierung und Auswirkungen auf die Arbeitswelt«. Über den wissenschaftlichen Status informierte Professor Dr. Andreas Straube am Mittwoch den Kreisausschuss, während Projektleiter Lothar Wagner und Bildungsmanagerin Christina Scheck, beide vom Landratsamt, über den organisatorischen und baulichen Stand berichteten.


Die Bildungsangebote unter dem Campus-Dach hätten bereits begonnen, hob Landrat Siegfried Walch heraus. Die Handwerkskammer offeriere Kurse unter anderem am Standort Mühlwiese, die IHK sei in den Räumen an der Jahnstraße aktiv, die Technische Hochschule habe ihre erste Heimat im »Forum Chiemgau« am Stadtplatz gefunden.

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Professor Dr. Straube freute sich, »mal wieder vor echten Menschen sprechen zu können« – im Gegensatz zu den aktuell üblichen Online-Vorlesungen. Er stellte die drei Formen der Digitalisierung vor: »Digitization« wie das Einscannen von Dokumenten, »Digitilization« wie das Bauen eines Portals für Bewerbungen bis hin zu der Verwertung der Daten neuer Mitarbeiter in Unternehmen sowie »Digital Transformation« als »Königsdisziplin« mit dem Beispiel Amazon, bei dem man unabhängig von Zeit und Ort einkaufen oder mittels »Alexa« auch gleich Nudeln kaufen kann. »Digital Transformation« wolle die Vorteile der Digitalisierung nutzen, um völlig neue Geschäftskonzepte zu schaffen.

Der Referent gab einen Überblick über die drei Säulen des Campus Chiemgau mit Weiterbildung, Studiengängen sowie Forschung/Entwicklung. Er nannte die konkreten Angebote, darunter ein Seminar über Künstliche Intelligenz (KI) und Python, eine Programmiersprache, sowie deren praktische Nutzungsmöglichkeiten. Ein berufsbegleitendes zweisemestriges Zertifikatsprogramm »Digitalisierung im Maschinenbau« starte im Oktober.

Für Lacher im Kreisausschuss sorgte Professor Dr. Straube mit einer KI-Anwendung, in dem sich ein Foto seines Sohnes in eines des bayerischen Ministerpräsidenten verwandelt hatte. Im Rahmen des Zertifizierungsprogramms habe man auch bereits virtuelle Exkursionen unternommen, die bei den Teilnehmern sehr gut angekommen seien. Allerdings hoffe er, die Exkursionen »in realitas« nachholen zu können.

Der einjährige Zertifizierungskurs richte sich an männliche wie weibliche Ingenieure, Meister und Techniker. Berufs- und ausbildungsbegleitend könne der Bachelor Maschinenbau mit Schwerpunkt Digitalisierung erworben werden. In Planung seien Vollzeit-Studiengänge mit Bachelor- und Master-Abschluss. Sein neues Büro habe er schon im dritten Stock des Sparkassengebäudes am Stadtplatz bezogen, betonte der Referent. Im Haus werde noch umgebaut, einiges sei schon fertig.

Eine »gute Nachricht« überbrachte Professor Dr. Straube dem Kreisausschuss. Er habe mehrere Forschungsanträge an verschiedene Einrichtungen in Bayern, Bund und EU gestellt.

Lothar Wagner präsentierte das bauliche Vorhaben »Campus Chiemgau«, das auf circa 25 000 Quadratmeter Fläche nahe des Bahnhofs in Traunstein als »intermodaler Knotenpunkt« entstehen wird. Unter den Projektbeteiligten seien die kreiseigene Wohnbaugesellschaft und die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises.

Die wichtigsten Partner wie Schulen, Berufsschulen und Bildungseinrichtungen führte Christina Scheck aus. Durch eine gemeinsame Infrastruktur könnten Synergien erzielt werden. Beim »Campus Wohnen« würde zusätzlicher Wohnraum von etwa 120 Wohneinheiten geschaffen. Der Auftrag für die konkrete Bauplanung mit Baubeginn 2022 sei vergeben. Unter den zusätzlichen Bereichen auf dem Campus-Gelände nannte Scheck modern, auch mit digitalen Medien ausgestattete Veranstaltungsräume, Mensa/Café, Audimax, gemeinsame Außenanlagen und Tiefgarage.

Landrat Siegfried Walch zeigte sich »begeistert, was da mittlerweile läuft«. Der Landkreis Traunstein, der Chiemgau seien jetzt Hochschul- und Forschungsstandort.

Von einem »Leuchtturmprojekt« und einer »perfekten Zukunftsperspektive« sprach Johann Schild (SPDplus). Er bat um mehr Informationen in nichtöffentlicher Sitzung hinsichtlich der Finanzierung. Der Campus Wohnen werde über die Wohnbaugesellschaft mit gefördertem Wohnungsbau laufen, erwiderte der Landrat. Dieser Teil werde keine finanzielle Last für den Kreis werden. Zentralgebäude und Mensa – hieran werde sich der Landkreis beteiligen. Das gesamte Projekt werde »schneller gehen als gedacht«: »Professor Straube gibt Gas. Das Gebäude am Stadtplatz für die Hochschule wird irgendwann zu klein werden.«

kd

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