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»Ein Verhalten, das sich jeder wünscht«

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Stellvertretend für alle Ersthelfer bekamen Steffi Parzinger (von rechts) und Stefan Schulz aus den Händen des Dienststellenleiters der PI Traunstein, Polizeihauptkommissar Alexander Fedrau, und Polizeihauptmeister Sepp Tratz eine Belohnung für ihren couragierten Einsatz als Ersthelfer. (Foto: Wannisch)

Traunstein – Sie haben »Herz und Mut bewiesen« und hingesehen, wo andere wegschauten: Steffi Parzinger aus Hörpolding und Stefan Schulz aus Truchtlaching. Die Hotelfachfrau und der Zimmerer haben bei einem schweren Verkehrsunfall am 16. Oktober 2018 Erste Hilfe geleistet. Dafür erhielten sie stellvertretend für die zahlreichen Ersthelfer im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Traunstein als Belohnung einen kleinen Geldbetrag.


Noch gut können sich die beiden Ersthelfer an jenen Oktobertag erinnern. Auf der Kreisstraße 11 zwischen Knesing und Tabing waren zwei Autos frontal zusammengestoßen. Ein 69-jähriger Seebrucker, der mit seinem 15-jährigen Enkel unterwegs war, hatte beim Überholen ein entgegenkommendes Auto, das ein 74-jähriger Trostberger lenkte, übersehen.

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»Ich bin hübsch erschrocken, als ich an den Unfallort kam«, sagt der 28-Jährige, der den Unfall nicht unmittelbar miterlebte. Vor ihm hätten bereits drei Autos angehalten, doch keiner sei ausgestiegen und habe sich um die Unfallopfer gekümmert. »Niemand hat nachgeschaut, geholfen oder einen Notruf abgesetzt.« Darüber ist der Zimmerer auch heute noch sehr verärgert.

Nicht groß nachgedacht, sondern einfach zum Unfallort gelaufen, ist Steffi Parzinger. Sie war nahe des Unfallorts in eine Nebenstraße nach Kainrading abgebogen und hatte »im Augenwinkel gesehen, dass da etwas passiert ist«, erinnert sich die 27-Jährige. »Ich bin ausgestiegen, alles war ruhig, kein Sanka, nichts, da bin ich über die Wiese zur Unfallstelle gelaufen.« Auch wenn ihr Erste-Hilfe-Kurs bereits einige Zeit zurückliege, so habe sie doch »kapiert, den Notruf zu wählen«.

Die beiden, die zuvor noch nie als Ersthelfer einspringen mussten, haben nach ihrer eigenen Einschätzung den Unfallopfern vor allem Beistand geleistet. »Wir haben die Betroffenen angesprochen, ob ihnen etwas weh tut«, sagt Stefan Schulz im Gespräch mit unserer Zeitung. Da der 74-jährige Trostberger in seinem Wagen eingeklemmt war, hätten sie bis zum Eintreffen der Rettungskräfte nicht mehr ausrichten können, als darauf zu achten, dass der Senior bei Bewusstsein bleibt.

Damit hätten die Hörpoldingerin und der Truchtlachiger völlig richtig gehandelt, lobt der Dienststellenleiter der PI Traunstein, Alexander Fedrau, die beiden Ersthelfer. »Es ist egal, wie viel man helfen kann, Sie sind hingegangen, und haben geholfen«. Die Angst, etwas falsch zu machen, sei völlig unbegründet, so Fedrau. »Es hilft, da zu sein und Zuspruch zu spenden«.

Vorgeschlagen für eine Belohnung hatte die beiden Polizeihauptmeister Sepp Tratz, der damals zum Unfall alarmiert worden ist. »Die beiden Ersthelfer hatten noch das Blut der Opfer an den Händen, als wir eintrafen«, erinnert sich Tratz, »das hat mir imponiert«. Sie hätten sich nicht gescheut, hinzugehen und anzupacken. »Ein Verhalten, das sich jeder wünscht«. vew