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Anziehen wird für Demenzerkrankte zur Herausforderung. Wie schwer es ist, Knöpfe mit Arbeitshandschuhen zuzumachen, soll das zeigen. (Foto: Reiter)

Ein Tag als »Erna Müller«: Ausstellung über Demenz im Landratsamt

Traunstein – Erna geht kaum noch etwas leicht von der Hand. Und am liebsten möchte sie, dass keiner etwas von ihrer Krankheit mitbekommt. Sie weiß nicht, wie alt sie ist. Sie kann aber ihr Geburtsdatum nennen. Sie kann Autofahren, verliert aber zwischendurch die Orientierung. Sie kann sich selbstständig anziehen, benötigt aber sehr viel Zeitdafür. Erna leidet an Demenz. Um einen Eindruck zu bekommen, wie sich diese Menschen fühlen, aber auch, um Angehörigen zu helfen, gibt es derzeit eine Ausstellung am Landratsamt Traunstein.


Der Demenzparcours von »Hands on Dementia« führt die Besucher der Ausstellung in 13 Stationen durch einen Tag der fiktiven Person Erna Müller. Wie fühlt es sich an, wenn einfache Handgriffe nicht mehr gelingen? »Das geht doch ganz einfach, Mama!«, denken Angehörige von Demenzkranken vielleicht, wenn es etwa darum geht, das Frühstück zuzubereiten. Doch in der Ausstellung wird anhand von Bildern deutlich, wie viele Schritte es benötigt, bis der Tisch gedeckt ist – angefangen von der Tischdecke, über das Eindecken bis hin zum Kaffeekochen. Für Demenzkranke wird das zu einer großen Herausforderung.

Wie schwer es ist, sich mit Arbeitshandschuhen die Knöpfe einer Schürze zu zu machen, soll zeigen, wie anstrengend das Anziehen für Demenzkranke ist – zwei von insgesamt 13 Beispielen, wo Besucher in die Welt von Erna Müller eintauchen können. »Oft reagieren die Menschen mit Wut, Scham und Trauer auf ihre Erkrankung«, sagt Werner Fertl, der Beauftragte für Senioren und Menschen mit Behinderung im Landkreis Traunstein. Demenz habe auch ein gewisses Stigma und werde von den Betroffenen gerne vertuscht – vor allem zu Beginn der Gehirnerkrankung.

Diese Erfahrung hat auch Susanne Aicher vom Pflegestützpunkt gemacht. Demenzkranke wüssten meist nicht, wie alt sie sind. »Aber sie können sich an ihr Geburtsdatum erinnern. Dann nennen sie einfach das auf die Frage nach dem Alter – und keinem fällt etwas auf.«

Nachdem die Erkrankung meist schleichend verläuft und die Betroffenen ihr eigenes Unvermögen erleben, leiden viele von ihnen an Depressionen oder reagieren teils auch aggressiv. Ziel sei es, ein besseres Verständnis für die Erkrankten zu entwickeln und die Bürger für das Thema Demenz zu sensibilisieren, sagt Werner Fertl über die Ausstellung.

Diese ist heute (10 bis 15 Uhr) und morgen (10 bis 12.30 Uhr) noch im Casino des Landratsamts Traunstein zu sehen, ab kommender Woche dann im Forum Chiemgau am Stadtplatz zu folgenden Zeiten: Montag bis Donnerstag von 10 bis 15 Uhr und 17 bis 19 Uhr, Freitag von 10 bis 15 Uhr und Samstag von 10 bis 15 Uhr und 17 bis 19 Uhr.

KR

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