Ein Haus, ein Darlehen und 600.000 Aktien

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Eine Erweiterung des Heimatmuseums ist nicht in Sicht. Sie war ein Anliegen von Dietrich von Dobeneck gewesen, der der Stadt sein Vermögen schenkte. (Foto: Pültz)

Traunstein – Ein Haus, ein Darlehen und 600.000 Aktien bekam die Stadt Traunstein geschenkt. Dietrich von Dobeneck hatte sein Vermögen noch zu Lebzeiten vermacht, im Frühjahr starb er.


Auch ein halbes Jahr nach dem Tod des Förderers und Gönners kann und will die Stadtverwaltung, wie Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer in einem Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt verdeutlichte, keinen »belastbaren Betrag« für den Gesamtwert der Vermögensgegenstände nennen. Insbesondere der Wert der Aktien sei nicht bezifferbar. Allein so viel sagte Hümmer: »Millionen haben wir nicht.«

Für Aufsehen und vor allem auch für Diskussionen im Stadtrat sorgte vor mehr als eineinhalb Jahren das Angebot von Dobeneck, sein Vermögen der Stadt zu schenken. Mit dem Geld sollte die Stadt, wie er sich wünschte, Projekte wie die Erweiterung des Heimatmuseums anstoßen. Die einen sahen in der »Millionenspende« einen Segen, die anderen einen Versuch, den Ausgang der Kommunalwahl im März 2020 zu beeinflussen. Letztlich beschloss der Stadtrat aber dann doch einstimmig, die Schenkung anzunehmen. Vor und nach der Schenkung blieb die Frage offen, wie hoch der Wert der Vermögensgegenstände ist. Von sechs Millionen Euro war die Rede, bisweilen sogar auch von zehn Millionen Euro. Dr. Dietrich von Dobeneck starb im März 2021 an den Folgen einer heim­tückischen Krebserkrankung.

Laut Hümmer ist jetzt Fakt, dass die Stadt Traunstein auf zweierlei Arten Zuwendungen erhalten habe: zum einen durch eine Schenkung und zum anderen durch eine Erbschaft. Was letztere betrifft, so habe Dobeneck in seinem Testament neben einem Verein auch die Stadt bedacht – jedoch nur mit Dingen, die er ihr bereits im Wege der Schenkung versprochen habe.

Die Stadt hat drei Vermögensgegenstände erhalten: zum ersten ein Wohnhaus in Haslach, zum zweiten ein Darlehen und zum dritten Aktien. Das Haus in Haslach, das rund eine Million Euro wert sei, sei »derzeit teilweise noch vermietet«, so Hümmer. Während große Teile leer stehen, sei die Einliegerwohnung nach wie vor vergeben. Interessenten, die das Haus kaufen wollen, seien vorhanden. Geplant sei, die Immobilie »mittelfristig« – und damit, wie Hümmer verdeutlichte, in den nächsten fünf Jahren – zu veräußern.

Die beiden anderen Vermögensgegenstände, die die Stadt geschenkt beziehungsweise geerbt hat, hängen eng mit einer Maschinenbaufirma in Norddeutschland zusammen. Dobeneck war Minderheitsaktionär in dem Unternehmen gewesen – wie auch Darlehensgeber. So hatte er dem Betrieb vor Jahr und Tag zwei Millionen Euro geliehen. Und diesen Anspruch auf Rückzahlung übernahm die Stadt. Ob sie das Geld in absehbarer Zeit einfordert, ist derzeit offen. Die Laufzeit des Darlehens endet – und das Unternehmen verhandelt mit der Stadt über eine Verlängerung. Die Firma ist an einer Fortschreibung interessiert. Den Grund nennt Dr. Christian Hümmer: »Die Geschäfte des Unternehmens laufen derzeit nicht so erfolgreich wie früher.« Die Stadt zeigt sich verhandlungsbereit. Der Oberbürgermeister: »Wir wollen, dass das Unternehmen Zukunft hat.« Hümmer geht davon aus, in den nächsten Wochen zu einem Ergebnis zu kommen.

»Stand heute ist, dass 2,80 Euro utopisch sind«

Insbesondere besitzt die Stadt nun 600.000 Aktien der Maschinenbaufirma im Norden des Landes – Aktien, die nicht frei an der Börse gehandelt werden. Die Stadtverwaltung musste feststellen, dass der Kurs sank. Wenn der Oberbürgermeister über die Aktie spricht, dann legt er im Rückblick besonderen Wert auf die Feststellung, dass sie »zu keiner Zeit zehn Euro wert« gewesen sei – und dass damit frühere Behauptungen, das Paket sei mit sechs Millionen Euro gleichzusetzen, stets aus der Luft gegriffen gewesen seien.

Weil das Unternehmen zuletzt nicht so erfolgreich war, fiel der Wert der Aktie. Auf Anfrage der Stadt habe ein Wirtschaftsprüfer im Herbst 2020 mitgeteilt, so Hümmer, dass die Aktie circa 2,80 Euro wert sei. Der Oberbürgermeister weiter: »Stand heute ist, dass 2,80 Euro utopisch sind.« Und Hümmer fasst zusammen: »Wir sind weit weg von sechs Millionen Euro.«

Erweiterung des Museums nicht in Sicht

Die Aktien werden laut Hümmer »nirgends gehandelt«. Und der Oberbürgermeister meint weiter: »Dadurch ist der Kreis potenzieller Käufer sehr eingeschränkt.« Und von diesen wenigen Investoren, die in Frage kommen – Hümmer spricht vor allem von jenen, die bereits Anteile an dem Unternehmen besitzen –, sei derzeit keiner geneigt, Aktien zu erwerben. Und der Oberbürgermeister sagt zusammenfassend: »Wir finden keine Käufer.« Die Aktien könnten vor diesem Hintergrund nicht auf die Schnelle zu Geld gemacht werden. »Die Unternehmensanteile stehen auf dem Papier«, sagt Dr. Christian Hümmer. Sie zu verkaufen sei »keine Frage von Wochen und Monaten, sondern von Jahren«.

Die Stadt habe die Erbschaft und die Schenkung bekommen, doch sieht der Oberbürgermeister derzeit keine Möglichkeit – wie der Spender sich insbesondere gewünscht hatte –, das Heimatmuseum zu erweitern. »Das Geld ist weit weg.« Was die Projekte, die der Spender angeregt hatte, betrifft, so stehe kurz- und mittelfristig nichts auf der Agenda der Stadt.

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