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Ein CHGler mit Leib und Seele übernimmt das Zepter

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Markus Gnad übernimmt am 1. August die Schulleitung im Chiemgau-Gymnasium Traunstein. (Foto: Pültz)

Traunstein – Das Gymnasium an der Brunnwiese kennt Markus Gnad wie seine Westentasche. Die Schulbank hat er dort gedrückt, das Abi abgelegt. Und nach dem Studium kam er als Lehrer an das Chiemgau-Gymnasium (CHG) Traunstein zurück. Von einigen Jahren im Wissenschaftsministerium abgesehen, unterrichtete er eine Klasse nach der anderen in Deutsch und Französisch. Der stellvertretende Schulleiter klettert jetzt noch einmal eine Stufe auf der Karriereleiter nach oben: Am 1. August übernimmt er die Verantwortung für die Schule. Viel hat er von ihr bekommen – und viel möchte er ihr zurückgeben. »Ich bin ein CHGler«, sagt der 49-Jährige im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt.


Nach vielen Jahren erfolgt nun ein Wechsel an der Spitze des großen Gymnasiums in der Kreisstadt. Klaus Kiesl, der die Schule seit 2001 leitet, sagt mit Ablauf dieses Monats Servus und verabschiedet sich in die Altersteilzeit. Der Übergang ist nahtlos: In seine Fußstapfen tritt dann Anfang August sein bisheriger Stellvertreter. Ein Eigengewächs lenkt und leitet künftig die Schule an der Brunnwiese.

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Wie in solchen Fällen üblich hatte das Kultusministerium die Stelle ausgeschrieben. Auch Markus Gnad aus Traunstein warf seinen Hut in den Ring – und er war es dann, der den Posten bekam. »Die Auswahl fiel unter mehreren Bewerbern entsprechend der geltenden und in der Ausschreibung genannten beamten- und laufbahnrechtlichen Kriterien«, sagt Daniel Otto, ein Sprecher des Kultusministeriums.

In Traunstein aufgewachsen, trat Markus Gnad, wie er im Gespräch erzählt, 1981 ans CHG über. Neun Jahre später hatte er das Abi in der Tasche. Der Jahrgang 1990 hält auch heute noch zusammen, trifft sich alle fünf Jahre. »Eigentlich hätten wir heuer 30 Jahre Abitur gefeiert«, sagt Gnad. Dann jedoch kam das Virus und warf alle Pläne über den Haufen.

Aufenthalt in Kirgisien

Auf das Abi in Traunstein folgte das Lehramtsstudium in Regenburg. Gnads Fächer: Deutsch und Französisch. Vor seinem Referendariat ging er auf Reisen. An der Uni in Bochum holte er sich in einem sechswöchigen Crashkurs die nötigen Russischkenntnisse, um dann gut vorbereitet in den Flieger nach Kirgisien steigen zu können.

Vom Herbst 1998 bis zum Frühjahr 1999 hielt er sich dort auf – und er sammelte viele Eindrücke, die er heute nicht missen will. »In einer Zeit des Umbruchs« lernte er, wie er sagt, »ein Land im Umbruch« kennen. Deutsch als Fremdsprache unterrichtete er, zuerst in einer Grundschule, später dann an einer Universität sowie in einem Begegnungszentrum mit Deutschstämmigen. »Sie konnten nur ein paar Brocken sprechen«, sagt Gnad. Doch sie waren bereit, etwas zu lernen, denn »sie waren an der deutschen Kultur interessiert«.

Nach seinem Auslandsaufenthalt im fernen Kirgisien nahm Markus Gnad alsdann Tuchfühlung mit »seinem« Gymnasium auf. Seine Seminarschule war das Goethe-Gymnasium in Regensburg – und seine Einsatzschule das CHG in Traunstein. Und 2001 bekam er dann endgültig den Fuß in die Tür: Gnad erhielt eine feste Stelle am Chiemgau-Gymnasium. Dem Schüler, der als Lehrer zurückkehrte, standen die Türen offen.

Er sei, wie sich der 49-Jährige heute noch gerne zurückerinnert, »sehr gut aufgenommen« worden – auch und gerade von den Lehrern, die noch den Schüler Gnad unterrichtet hatten. Auch er sei freundlich und herzlich empfangen worden, ganz so wie all die anderen, die nach der Schüler- auch die Lehrerlaufbahn am CHG einschlugen. »Ich bin nicht das erste Eigengewächs«, meint Gnad.

Pressearbeit im Wissenschaftsministerium

Nach den ersten Berufsjahren suchte er alsdann noch einmal eine andere Herausforderung: Von 2005 bis 2009 wechselte er ins Wissenschaftsministerium nach München. Als stellvertretender Pressesprecher erlebte er eine aufregende Zeit, schließlich konnte er dort mitverfolgen, wie Politik gemacht wird. Für den Minister habe er gearbeitet, für den Amtschef – für jene Leute also, die die Entscheidungen treffen.

Nach viereinhalb Jahren in des Ministers Diensten führte Gnads Weg abermal nach Traunstein zurück. »Ich unterrichte sehr gerne«, sagt der 49-Jährige. 2012 stieg er auf zum stellvertretenden Schulleiter – und jetzt fällt dann das »stellvertretend« weg.

Heuer noch feiert Markus Gnad seinen 50. Geburtstag. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter: in der fünften und achten Klasse. Und sie besuchen eine Schule, die der Papa sehr gut kennt. »Ich habe ihnen nicht gesagt, wo sie hingehen müssen, sie haben sich selbst entschieden« – für das Gymnasium, das das C, das H und das G in seinem Namen trägt. pü

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