Dramatische Lage auf den Intensivstationen im Klinikum

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Im Klinikum Traunstein hat sich die Lage auf den Intensivstationen zugespitzt: Alle Betten sind belegt. (Foto: Pültz)

Traunstein – Bedingt durch die Aufnahme vieler Covid-Patienten hat sich die Lage auf den Intensivstationen im Klinikum Traunstein zugespitzt. Im größten Krankenhaus der Kliniken Südostbayern AG seien aktuell 36 Intensivbetten eingerichtet – und alle seien belegt, so Unternehmenssprecher Ralf Reuter auf Anfrage des Traunsteiner Tagblatts. Reuter: »Die Lage ist dramatisch.«


Die Zahl der Betten auf den drei Intensivstationen verändere sich stündlich. Der Not sei geschuldet, dass bisweilen das eine oder andere Bett mehr eingerichtet werde oder aber auch, wenn der Bedarf an intensivmedizinischer Betreuung abnimmt, wieder abgebaut werde.

Das Klinikum Traunstein sei stets im Austausch mit den anderen Kliniken, die unter dem Dach der AG vereint sind. Und so komme ein Patient zur Behandlung in eines der Krankenhäuser. Reuter betonte, dass jeder die medizinische Hilfe bekomme, die er benötigt. »Es gibt immer die Möglichkeit, dass Patienten aufgenommen werden.«

Voll sind die drei Intensivstationen im Klinikum Traunstein, weil so viele Covid-Patienten – die meisten sind nicht geimpft – eingeliefert worden sind beziehungsweise werden. Reuter sagte, dass in den aktuell 36 Intensivbetten nicht weniger als 19 Covid-Patienten liegen. Rund drei Viertel von ihnen seien ungeimpft.

Das Personal in den sechs Krankenhäusern des Klinikenverbunds arbeite, so der Unternehmenssprecher weiter, am Limit. »Es ist unglaublich, was die Mitarbeiter leisten – und was ihnen zugemutet wird«. Reuter: »Die Belastungen im Personal sind sehr hoch, zu hoch – und das schon eine ganze Weile. Dies besorgt uns sehr, es bleibt kaum Zeit, zur Ruhe zu kommen«, schlägt Reuter Alarm. »Wir versuchen alle unser Möglichstes, um auch diese 'Welle' zum Wohl unserer anvertrauten Patienten meistern zu können.«

Corona spiele in diesem Zusammenhang eine große Rolle. Zum einen sei die Arbeitsbelastung aller Mitarbeiter, so Reuter, »enorm hoch«. Der Pflegeaufwand von Covid-19-Patienten sei erheblich höher als im Nicht-Covid-Bereich, auch das Tragen von Schutzkleidung sei anstrengend. »Dazu kommen leider notwendige Trennungen von Teams aufgrund der dynamischen Situation, in der wir im Rahmen der Covid-19-Versorgung unsere Kapazitäten ständig neu anpassen müssen. So arbeiten die Mitarbeiter teilweise nicht in ihrer gewohnten Umgebung oder Fachrichtung.« Zum anderen gehen den Mitarbeitern laut dem Unternehmenssprecher auch die Schicksale der Patienten nahe. »Manche, die schwer an Covid erkranken, sind zum Teil sehr jung«, berichtete Reuter. »Hier entstehen erhebliche zusätzliche psychische Belastungen.«

Die Pflegekräfte an allen Standorten seien ausgelaugt – sowohl im Intensiv- und Notaufnahmebereich, als auch im bettenführenden Bereich. »In Teilen trifft das sicherlich auch auf die Berufsgruppe der Ärzte zu«, so Reuter weiter. »Die Motivation, Patienten noch adäquat zu versorgen, ist nach wie vor sehr hoch, aber die Kräfte schwinden. Dennoch gibt es bei uns eine sehr gute kollegiale und interdisziplinäre Zusammenarbeit.«

Wegen des schon jetzt vorhandenen bundesweiten Fachpflegemangels werde es mittelfristig und langfristig eine noch größere He-rausforderung, Personal zu gewinnen und zu binden. Neben der stetigen Weiterentwicklung der Ausbildungsangebote und der Gestaltung attraktiverer Arbeitsmöglichkeiten greife die Kliniken Südostbayern AG bereits heute zunehmend auf ausländische Mitarbeiter zurück und gewinne qualifiziertes Personal im Ausland. Ein weiterer Lösungsansatz sei die verstärkte Ausbildung von Pflegenden, Pflegehelfern, Medizinischen Fachangestellten und weiteren medizinischen Berufen im Bildungszentrum der Kliniken AG.

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