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Dorfentwicklung in Kammer und Rettenbach im Blick

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Gabriele Heller vom Büro Plankreis und Stadtplaner Jochen Gronle informierten im Gasthaus zur Post in Kammer über ihre Bestandsaufnahme und die daraus resultierende fachliche Einschätzung für die Entwicklung in Kammer und Rettenbach.

Traunstein – In Kammer soll eine neue Schulturnhalle gebaut werden. Dazu soll das alte Lehrerhäusl östlich der Schule abgerissen werden. Die dort bzw. auf dem derzeitigen Schulhof entstehende Einfachturnhalle soll direkt vom Schulhaus aus erreichbar sein. Das war das wichtigste Ergebnis einer Veranstaltung im Saal des fast voll besetzten Gasthauses zur Post in Kammer. Die Stadt Traunstein hatte zu dieser »1. Bürgerwerkstatt« im Rahmen des Stadtteilentwicklungskonzepts für Kammer und Rettenbach eingeladen.


Eine Arbeitsgemeinschaft von zwei Münchner Planungsbüros hat sich seit dem Frühjahr damit beschäftigt, Stärken, Schwächen und Entwicklungsmöglichkeiten in Kammer und Rettenbach zu analysieren und zu bewerten. Die Ergebnisse wurden in dieser Veranstaltung vorgestellt.

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Dieses Vorgehen ist im Rahmen des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) vorgeschrieben. Nur so kommt man in den Genuss der 60-prozentigen Projektförderung, sofern die Vorhaben von der Regierung abgesegnet und verwirklicht werden. Darauf wies der Vorsitzende des Vereins Dorfentwicklung Kammer-Rettenbach, Markus Wimmer, hin. Insofern sei die Initiative des Vereins in jedem Fall ein Gewinn für die ehemalige Gemeinde.

Gabriele Heller vom Büro Plankreis, das sich mit den Themen Städtebau, Verkehr und Landschaftsplanung befasst, erklärte kurz das Vorgehen und wies darauf hin, dass die nächste Bürgerwerkstatt Ende September in Rettenbach geplant sei. Stadtplaner Jochen Gronle informierte über die Bestandsaufnahme und die sich daraus ergebende fachliche Einschätzung. Schwächen im Untersuchungsgebiet sehe man unter anderem in der fehlenden Nahversorgung, in der unnötigen Versiegelung des Bodens an manchen Stellen und in der hohen Verkehrsbelastung.

Den Durchgangsverkehr verlangsamen

»Wir müssen gestalterische Mittel finden, den Verkehr zu verlangsamen«, sagte er. Anhand von Bildern zeigte Gronle, wie man das in anderen Orten verwirklicht hat. Die Beispiele betrafen allerdings fast ausschließlich Orts- bzw. Gemeindestraßen. Die Belastung in Kammer und Rettenbach entsteht jedoch durch die Kreisstraße, in die Eingriffe, wie gezeigt, wohl nicht verwirklicht werden können. Lediglich eine Umgestaltung der Randbereiche und des Umfelds wären möglich, sofern die Grundstücksbesitzer mitspielen.

Weitere Wünsche wären ein Dorfladen, am besten konzipiert als Treffpunkt für die Menschen, und ein Dorfplatz. Konkretes war zu diesen Themen jedoch nicht zu hören. Deshalb konzentrierte sich die Diskussion schnell auf den Bereich Schule und Turnhalle. Die ersten beiden vorgeschlagenen Konzepte für einen Neubau von Schulhaus und Turnhallen scheitern generell daran, dass die Grundbesitzer nicht bereit sind, Grund zu verkaufen. Ein Neubau auf der grünen Wiese, angrenzend an den Sportplatz, »hat nur Nachteile«, wie der Stadtplaner betonte.

Gegen den Neubau eines Schulhauses

Schulleiter Clemens Gruber von der Ludwig-Thoma-Volksschule hält es für »brandgefährlich«, einen Neubau der Schule ins Auge zu fassen. Übergeordnete Stellen könnten hier Sparpotential ausfindig machen und den Schulstandort Kammer generell infrage stellen. Bei einer Sanierung des Schulhauses blieben die großen, hellen Räume erhalten. Würde man neu bauen, müsste man die Klassenzimmer bei gleicher Schülerzahl um fast die Hälfte kleiner planen. »Es hat Charme, das Gebäude zu erhalten«, sagte Gruber. Er äußerte sich auch positiv zum Bau der Einfachturnhalle im Anschluss an die Schule. Ein Wermutstropfen sei allerdings, dass dann der Pausenhof viel kleiner würde. Auch mehrere Parkplätze würden dann nicht mehr zur Verfügung stehen.

Oberbürgermeister Christian Kegel ergänzte, der Schulstandort Kammer werde seit Jahren nur politisch aufrecht erhalten. Mit Plänen für einen Neubau würde man »ein Fass aufmachen«. Er plädierte deshalb dafür, die Schule zu sanieren. Der Planungsausschuss des Traunsteiner Stadtrats werde darüber am 7. Juli beraten. Kegel bezeichnete die Diskussion um die Zukunft der Schule und die Turnhalle im Rahmen der Bürgerwerkstatt als sehr wertvoll. Er würdigte in diesem Zusammenhang auch die Arbeit des Vereins Dorfentwicklung, der sich Gedanken um die Zukunft von Kammer und Rettenbach mache.

Kritisch äußerte sich Kreisrat Wolfgang Osenstätter. Nicht nur ihn störte, dass Studien für Gebäude auf Grundstücken vorgestellt werden, »die nie zu haben sind.« Auch der skizzierte Straßenrückbau sei nicht zu verwirklichen. Und dass man gerne einen Dorfladen hätte, wisse man »seit dem Tag, an dem der Bäcker zugesperrt hat«. Statt Analysen und Denkanstößen, so Osenstätter zu Gabriele Heller und Jochen Gronle, »wollen wir von Ihnen Lösungen. Sie bekommen Geld dafür.« Er sehe jedenfalls nicht viele neue Erkenntnisse in der Arbeit der Münchner Planer.

Dessen ungeachtet brachten mehrere Bürger Vorschläge ein und erörterten die vom Planungsbüro vorgestellten Pläne für die Turnhalle. »Es ist etwas in Bewegung gekommen«, kommentierte ein Besucher nach der Veranstaltung. Das sei ein Verdienst des Vereins Dorfentwicklung. Man müsse nun schauen, wie man die Ideen weiterentwickeln kann. -K.O.-