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DJ Hell: »Gutes Essen, kein Alkohol und gute Musik«

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DJ Hell spielt am Sonntag im Salon Erika in Traunstein
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DJ Hell legt am Sonntagabend im Salon Erika in Traunstein auf. »Im Moment regiert stark der Einfluss der 90er Jahre in den Bereichen Musik und Mode«, sagt Helmut Geier auf die Frage, was die Gäste musikalisch erwarten dürfen. »Also gerne etwas härter und orientiert an der Ravekultur aus der Zeit.« (Foto: Sven Marquard)

Traunstein – Seine große Leidenschaft ist die Musik – und das seit fast vier Jahrzehnten: Helmut Geier, besser bekannt als DJ Hell, legt am Sonntagabend im Salon Erika in Traunstein auf. Der 56-Jährige hat mit Musikgrößen wie P. Diddy zusammengearbeitet, wurde 2004 von Karl Lagerfeld für ein Magazin fotografiert und ist einer der bekanntesten deutschen Techno-DJs der Welt. Wir sprachen mit ihm über seine Zeit in New York, das Alter und seine Pläne für die Zukunft. »Das Filmgeschäft interessiert mich sehr«, sagt Helmut Geier, der in Altenmarkt aufgewachsen ist.


Nach Städten wie Paris, Rio de Janeiro, Sao Paulo und Lyon legen Sie am Sonntag in Traunstein auf. Man möchte fast fragen: Warum?

Als gebürtiger Traunsteiner bin ich der Stadt und der Region sehr verbunden. Zum anderen gab es im Landkreis immer enormes Potenzial an musikbegeisterten jungen Leuten. Der Club Villa in Traunstein war ja vor 15 Jahren einer der besten und schillernsten Nachtclubs der elektronischen Musikszene in Bayern.

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Ist es etwas Besonderes, in so kleinen Clubs wie damals der Villa oder heute der Erika aufzulegen – im Vergleich zu großen Festivals mit Tausenden Menschen?

Der Salon Erika im ehemaligen Club Metro wird hervorragend geführt und hat sich sofort bei allen Clubgängern etabliert. Einmal im Monat gebe ich hier nun ein Gastspiel. Die Partys sind außergewöhnlich intensiv, fast ekstatisch – und ich glaube, es bildet sich gerade eine neue Szene mit frischen Leuten, die an Kunst, Mode und neuer Musik interessiert sind. Im Grunde kann ich hier meine ganze Erfahrung einbringen und hoffe, was ganz Neues, Innovatives aufbauen zu können.

Was dürfen die Gäste musikalisch erwarten?

Im Moment regiert stark der Einfluss der 90er Jahre in den Bereichen Musik und Mode. Also gerne etwas härter und orientiert an der Ravekultur aus der Zeit.

Sie lebten viele Jahre in München, New York und Berlin. Wo hat es Ihnen am besten gefallen und warum?

New York war die beste Zeit in meinem Leben. Aber auch Berlin Anfang der 90er und die Nullerjahre waren von einer großen Aufbruchsstimmung geprägt. Ich durfte, was die Entwicklung der Clubkultur betrifft und in Sachen Mode, meinen Teil dazu beitragen – auch mit einem eigenen Plattenlabel. München war wichtig für mich, vor allem in den 80er Jahren, und das in allen Belangen für meine Karriere als DJ und Produzent.

Sie haben in den USA mit Musikgrößen wie P. Diddy zusammengearbeitet. Wie kam es dazu?

Puff Daddy (oder auch P. Diddy) ist einer der größten Visionäre und Vordenker der letzten Jahre. Aus dieser Kooperation habe ich viel mitgenommen und nur positive Erfahrungen mit ihm gemacht. Er mochte meine Musik und wollte unbedingt mit mir arbeiten – so einfach ist das manchmal im Leben eines DJs.

Und wie war das bei Karl Lagerfeld, der jüngst verstorbenen Mode-Ikone?

Die Fotoaufnahmen mit Karl Lagerfeld waren in seinem Pariser Atelier für ein New Yorker Modemagazin. Er war sehr freundlich, zugänglich und alles lief hochprofessionell ab. Zum Schluss hat er mir ein großes Poster vom Shooting geschenkt, das ich nicht annehmen wollte. Er sagte nur: 'Keine falsche Bescheidenheit!'

Ihr jüngstes Album heißt Zukunftsmusik. Hat die elektronische Musik eine Zukunft?

Der weltweite Siegeszug in Sachen House- und Technomusik ist ja schwer zu leugnen. Elektronische Clubmusik hat die Welt verändert und wird immer für Furore sorgen, da immer wieder neue Generationen ihren Input geben und das Ganze weiterentwickeln, also neu gestalten. Es wird immer weiter gehen – Musik als Träger von Ideen.

Feiern die Leute heute anders als früher?

Selbstverständlich ist die Aufmerksamkeitsspanne viel kürzer geworden, aber getanzt wird immer noch überall gerne.

Sie schlagen sich seit 35 Jahren die Nächte um die Ohren. Wie halten Sie das durch?

Das Geheimnis ist viel Schlaf, gutes Essen, Sport, kein Alkohol, nicht rauchen und gute Musik.

Sind Sie ein Nachtmensch?

Nachts bin ich sehr aktiv. Ich kann mir auch schwer vorstellen, am Tag Musik zu produzieren, da meine Musik fast ausschließlich nachts konsumiert wird.

Sie sind sehr sportinteressiert und machen auch selbst viel Sport. Ist das ein Rezept dafür, dass Sie auch mit 56 Jahren noch auflegen und gut im Geschäft sind?

Das Auflegen, also Performen, beinhaltet ja schon eine sportliche Aktivität. Auf Festivals oder in Clubs bewege ich mich ja hinter dem DJ-Pult zwei bis vier Stunden ohne Unterbrechung, sodass ich hier zwei- bis viermal die Woche Hochleistungssport betreibe.

Welche Pläne haben Sie für die kommenden Jahre?

Das Filmgeschäft interessiert mich sehr und hier ist einiges geplant – als Schauspieler, Soundtrackproduzent, aber auch hoffentlich bald als Regisseur.

Dürfen sich die Freunde elektronischer Musik auch auf ein neues Album freuen?

Eine Box mit neuem Album ist fertig. Alles analoge Songs aus den 90er Jahren. Sie werden digitalisiert und neu veröffentlich – über 40 Songs. Der Arbeitstitel im Moment ist: past – present – no future.

Mittlerweile haben Sie den großen Städten den Rücken gekehrt und wohnen wieder hier, auf einem Bauernhof zwischen Altenmarkt und Wasserburg. Genießen Sie es, zurück in der Heimat zu sein?

Der Chiemgau ist einer der schönsten Plätze und ich hoffe, das wird die Region auch noch lange bleiben. Hoffentlich kommen nicht jedes Jahr immer noch mehr Touristen – und bleiben dann hier.

Klara Reiter