Die Weihnachtskrippe ist bis Maria Lichtmess in der Stadtpfarrkirche zu sehen

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Die alte Weihnachtskrippe der Pfarrkirche St. Oswald in Traunstein ist ab sofort wieder zu sehen. Mehrere Jahre war sie aufgrund der Renovierung des Kirchenraums nicht zugänglich. Maria Bittel und Tobias Spörlein bei einer ersten Stellprobe der Figuren am neuen Ort im Eingangsportal der Kirche, links neben dem Kirchturm.

Traunstein – Endlich ist sie wieder zu sehen: die Weihnachtskrippe in der Stadtpfarrkirche St. Oswald. Wegen der Innenrenovierung war das Kleinod einige Jahre nicht zu sehen. Mit Beginn der Adventszeit ist sie an ihrem neuen Platz in der Stadtpfarrkirche zu besichtigen.


Dieser befindet sich im Haupteingangsbereich links neben dem Kirchturm in einem neuen, in die Wand eingebauten, Krippenkasten. Das Kripperl-Team um Maria Bittel – die Ururenkelin des ersten Krippenbesitzers Josef Seehuber –, Tobias Spörlein und Peter Rosenegger hat unter tatkräftiger Mithilfe von Helmut Bergemann und Sebastian Westermeier in den vergangenen Monaten die Krippenlandschaft in den Kasten eingebaut und neugestaltet. In den vergangenen Wochen wurde zusätzlich eine moderne Beleuchtung installiert. Bis Maria Lichtmess am 2. Februar werden unterschiedliche Bilder zu sehen sein. Neben der Geburt Christi und der Huldigung der Sterndeuter werden auch die Herbergssuche, Jesus im Tempel und die Hochzeit zu Kana gezeigt.

Die Krippe hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Die sogenannte »Seehuberkrippe« ist eine alte Familienkrippe, die 1854 nach Traunstein kam. Damals wurde sie von dem Ottinger Franz Eder als Hochzeitsgeschenk für seine Schwester Walburga Eder, die den in Traunstein ansässigen Josef Seehuber heiratete, gebaut und zusammengefügt. Einige Teile der Krippe sind allerdings wesentlich älter. Die beiden Ortschaften rechts und links oberhalb von Jerusalem etwa stammen aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, ebenso einige Figuren. Die Stadt Jerusalem wurde im Jahr 1836 von dem Tischlermeister und »Mösner« Johann Teufl in Pietling gebaut, wie eine Inschrift zeigt. Die meisten der 103 menschlichen und 39 Tierfiguren sind in der Zeit von 1800 bis 1860 entstanden.

Der Aufbau der Krippenanlage lehnt sich dem der barocken Jesuitenkrippen an, dem »Teatro Sacro«, das wie eine Theaterbühne gestaltet ist. Die Krippenanlage ist fest installiert, nur die mittleren Gebäudeteile sind auswechselbar. Alle Szenen richten sich auf die Mitte hin aus und es gibt verschiedene Ebenen, um die Figuren zu platzieren.

Seit 1854 wurde die Krippe im »Seehuberhaus« an der Feste aufgestellt. Mit dem Tod des ersten Besitzers ging sie an dessen Tochter Maria Seehuber, die 1890 in das Haus in der Mittleren Hofgasse 22 neben das sogenannte »Predigerhäusl« zog. In diesem Haus richtete sie ein eigenes »Kripperlzimmer« ein. Dort war die Krippe mit ihren Ausmaßen von 3,80 Metern Breite, 1,40 Metern Höhe und 1,50 Metern Tiefe von der Advents- bis zur Fastenzeit öffentlich zugänglich und Teil des Traunsteiner Krippenwegs.

In der Kirche St. Oswald wurde zu dieser Zeit die sogenannte »Fürstkrippe« aufgestellt. Der Erbauer dieser Krippe war der Stadtpfarrmesner Ignaz Fürst (1811-1898). Dieser hatte zwei Söhne, Oswald Fürst (1853-1908), der seine Nachfolge als Mesner antrat, sowie Max Fürst (1856-1917), der unter anderem die Deckenfresken von St. Oswald gemalt hat. Diese Krippe wurde 1930 dem Traunsteiner Studienseminar St. Michael zu dessen Eröffnung von der Witwe von Oswald Fürst vermacht.

1931 wurde die »Seehuberkrippe« nach dem Tod von Maria Seehuber an St. Oswald gestiftet. Bei der Übergabe wurde allerdings das räumliche Grundkonzept völlig zerstört. Wie und wo in der Folgezeit die Krippe oder Teile davon aufgestellt wurden, ist nicht bekannt.

Mit der Zeit verschlechterte sich deren Zustand. Es gab niemanden mehr, der sich richtig um sie kümmerte, einige Gebäudeteile und Figuren verschwanden, der Rest verdreckte oder wurde in Schachteln gelagert.

1994 entdeckte Martin Bittel, der Urenkel des ersten Besitzers Josef Seehuber, bei einer Krippenausstellung in Traunstein die erbärmlichen Überreste der Seehuberkrippe, die ihm noch aus seiner Kindheit vertraut war. Von 1996 bis 1999 restaurierte er sie liebevoll, rekonstruierte Gebäudeteile und das alte Grundkonzept und passte die Maße dem bis vor kurzem bestehenden Krippenkasten an. Im November 1999 übergab er die Krippe schließlich in ihrer alten Pracht an St. Oswald, seiner Taufgemeinde, wo sie seitdem alljährlich von der Adventszeit bis Lichtmess wieder in verschiedenen Aufstellungen zu sehen ist.

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