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Die »Traunsteiner Brücke« ist Geschichte

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Traunstein | Traunsteiner Brücke
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Nach 16 Jahren »Hilfe zur Selbsthilfe« ist nun Schluss: Die Traunsteiner Brücke der Pfarreien Kammer, Haslach, St. Oswald und Hl. Kreuz stellt ihre Beratung ein. Pastoralreferent Robert Hintereder (von links) von der Stadtkirche, die ehrenamtlichen Berater Annemarie Schuster und Horst Trüdinger sowie Wolfgang Grießenböck vom Caritas Zentrum Traunstein nahmen Stellung zur Entscheidung. (Foto: Hobmaier)

Traunstein – Etwas Wehmut über das Ende schwingt bei den Ehrenamtlichen der Traunsteiner Brücke schon mit. Im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt bezogen sie Stellung zur Entscheidung, die Brücke zu schließen, und blickten noch einmal auf die 16 Jahre ihres Wirkens zurück.


Das von den vier Pfarreien der Stadtkirche getragene und von der Caritas begleitete Projekt hatte immer weniger Zulauf. Die Türen der Pfarrämter bleiben aber auch nach dem Ende der »Traunsteiner Brücke« trotzdem für alle Hilfesuchenden geöffnet. Zudem gibt es im Internet einen umfassenden Online-Beratungsführer für den gesamten Landkreis.

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Die Kernkompetenz der deutschlandweiten Brückenbewegung liege in der Hilfe zur Selbsthilfe, erklärte Horst Trüdinger. Ihr Anspruch war und ist es, einen Brückenschlag vom Problem, hin zur Lösung zu schaffen. Dies sei in den Räumen der »Infoinsel für Mensch und Kirche« in der Traunsteiner Bahnhofsstraße auf sehr unterschiedliche Art und Weise geschehen. Angefangen von Menschen, die einfach mal vorbeigekommen sind, um zu reden, und von den Ehrenamtlichen Zeit geschenkt bekamen, über Probleme beim Ausfüllen von Anträgen und Formularen, bis hin zur Begleitung bei Behördengängen und der Vermittlung von Gutscheinen für das tägliche Leben, waren die Beratungen und Hilfestellungen sehr vielfältiger Natur.

Annemarie Schuster, eine der ehrenamtlichen Helferinnen, berichtete über ihre Erfahrungen. Für ihr eigenes Leben sei dieser Dienst am Nächsten sehr bereichernd gewesen. Sie habe viel in Sachen Kommunikation gelernt und ist gestärkt aus erfolgreichen Hilfestellungen hervorgegangen. »Natürlich habe ich anfangs auch mal Lehrgeld bezahlen müssen als ich aufgrund einer rührenden Geschichte mein privates Portemonnaie geöffnet und letztlich das Geld nie wieder gesehen habe«. Insgesamt habe sie das sehr gerne gemacht und bedauere das Ende der »Traunsteiner Brücke«, so die rüstige Rentnerin.

»Uns ist der Entschluss nicht leicht gefallen, er war aber nötig«, begründet die treibende Kraft hinter der Brücke, Horst Trüdinger, die Entscheidung. Über die Gründe des abnehmenden Zuspruchs für dieses Angebot kann er nur spekulieren. »Fest steht, dass sich immer weniger Menschen an uns gewandt haben und die Nachfrage in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen ist«, bilanziert Trüdinger. Er vermutet, dass das soziale Angebot insgesamt besser und spezieller geworden ist, und »Hilfe zur Selbsthilfe« der »Traunsteiner Brücke« daher immer weniger nachgefragt wurde. Daher haben sich Trüdinger und seine Mittstreiter Annemarie Schuster, Christa Strohmayer und Ernst Holl dazu entschlossen, die ehrenamtlich betriebene Anlaufstelle ab sofort zu schließen.

Bevor es das Angebot der Pfarreien Kammer, Haslach, St. Oswald und Hl. Kreuz gab, kümmerte sich Wolfgang Grießenböck vom Caritas Zentrum Traunstein um die Belange von Hilfesuchenden. Dies war eine freiwillige Leistung, für die es irgendwann keine finanziellen Mittel mehr gab, so der Hauptamtliche. Somit wurde zusammen mit dem damaligen Pastoralreferenten Wolfgang Dinglreiter das Projekt am Beispiel der »Traunreuter Brücke« auf die Beine gestellt und weiter entwickelt. In dieser Zeit ist auch der »Caritas Beratungsführer« für den Landkreis Traunstein entstanden, dieser führt nahezu alle Anlaufstellen auf und dient als Wegweiser für fast alle Arten von Problemstellungen. Die aktuelle Onlineversion findet sich im Internet auf den Seiten des Caritas Zentrums Traunstein und ist für Jedermann frei zugänglich, so Grießenböck.

Robert Hintereder von der Stadtkirche Traunstein betonte im Gespräch ausdrücklich, dass die Türen der vier Traunsteiner Pfarreien trotzdem für jeden geöffnet bleiben. Kein Hilfesuchender werde abgewiesen und man werde sich auch zukünftig für die Belange dieser Menschen einsetzen. Etwa 99 Prozent der Arbeit der Ehrenamtlichen waren beratender Natur oder die Prüfung von rechtlichen Ansprüchen, so der Pastoralreferent. Diese Hilfe zur Selbsthilfe habe die Kirche bereits zuvor geleistet und werde dies auch künftig wahrnehmen. Die finanziellen Mittel der Caritas Haussammlungen werden zudem, wie bisher auch zu 40 Prozent direkt für die Gemeinden und zu 60 Prozent für soziale Hilfen im Landkreis verwendet. Somit entstehe auch kein Defizit bei den Sachleistungen, die von Notleidenden in Anspruch genommen werden können, informierte Robert Hintereder. Hob