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Der Landkreis lässt die Güterhalle im Herbst von einer Firma abreißen. An dieser Stelle errichtet er dann ein Lern- und Zentralgebäude für den Campus Chiemgau. (Foto: Pültz)

Die Tage der Güterhalle sind gezählt – Landkreis lässt Gebäude im Herbst abreißen

Traunstein – Gezählt sind die Tage der Güterhalle. Rund 70 Jahre nach ihrer Erbauung kommt nun das Aus: Der Landkreis, der seit knapp einem Jahr Eigentümer ist, lässt das Gebäude abreißen.


Platz braucht er, weil er den Campus Chiemgau aufbauen will und zu diesem Zweck insbesondere auch ein Lern- und Zentralgebäude errichten möchte. Auf Anfrage des Traunsteiner Tagblatts hat Kathrin Bauer, Pressesprecherin im Landratsamt, mitgeteilt, dass die Entkernung der Halle innen Anfang September starte – und dass die gesamte Gebäudehülle dann im Oktober und November zurückgebaut werde.

Schon seit geraumer Zeit schmiedet der Landkreis Traunstein große Pläne: Im Bereich westlich der Bahnlinie München-Salzburg will er den Campus Chiemgau errichten. Einer Reihe von Bildungseinrichtungen, nicht zuletzt auch einem Ableger der Technischen Hoch-schule Rosenheim, möchte er den Weg ebnen, sich in Traunstein niederzulassen. Auch selbst will er Gebäude errichten. So plant er insbesondere auch, ein – wie die Bezeichnung im Landratsamt lautet – Lern- und Zentralgebäude zu schaffen. Und diese Maßnahme will er unmittelbar an den Eisenbahngleisen dort ergreifen, wo jetzt noch die Güterhalle steht.

Der Landkreis geht nun an die Umsetzung seines Plans, das Gebäude zu entfernen. Vor einiger Zeit beauftragte der Kreisausschuss die Forma Röde Recycling GmbH in Traunstein, die Güterhalle zurückzubauen – zum Angebotspreis von rund 380.000 Euro. Und das Unternehmen wird nun bald mit der Abrissbirne anrücken.

Die Beseitigung der alten Güterhalle an der Straße, die deren Name trägt, sei mit der Firma abgestimmt, berichtet Bauer. Und sie erläuterte den Zeitplan für den Abriss: »Die Entkernung der Halle innen startet Anfang September; ab Oktober wird die gesamte Gebäudehülle zurückgebaut. Bis Mitte November werden die Rückbaumaßnahmen voraussichtlich abgeschlossen sein.«

Damit die Arbeiten durchgeführt werden können, sei es erforderlich, so die Pressesprecherin weiter, den Bauzaun unmittelbar am Straßenrand zu platzieren. Aus diesem Grund werden die Parkplätze neben der Halle ihren Angaben zufolge während der gesamten Bauphase nicht nutzbar sein.

Die Güterhalle entstand nach dem Zweiten Weltkrieg. Wie Carola Westermeier, Pressereferentin im Rathaus der Stadt Traunstein, mitteilte, habe die damalige Bundesbahn das Gebäude in den Jahren 1949 und 1950 errichtet. Sie habe eine Halle benötigt, um Stück- und Expressgut auf den Schienen transportieren zu können. Viele Jahre sei sie in der Folge ein fester Bestandteil in den Betriebsabläufen auf und an den Gleisen gewesen.

Ende der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts habe sie dann aber ihre ursprünglich Bedeutung verloren. 1997 habe die Deutsche Bahn AG – wie die frühere Bundesbahn inzwischen hieß – im gesamten Bundesgebiet den Stückgut- und Expressgutverkehr eingestellt. Die Bahn habe die Halle nicht mehr benötigt. Westermeier berichtet, dass die Spedition Eberl Büro und Halle der Güterabfertigung in Traunstein übernommen habe. 2002 habe dann das neu gebaute Eberl Logistik- und Speditionszentrum in Aiging bei Traunstein den Betrieb aufgenommen. Der komplette Betrieb sei nach Aiging gezogen.

Einer der Eigentümer der Güterhalle war dann auch die Stadt Traunstein. Sie habe das Gebäude samt Umgriff im Sommer 2012 von der DB Netz AG erworben. Und als die Stadt der Eigentümer war, stand die Güterhalle dann noch einmal im Brennpunkt: Die Verwaltung im Rathaus plante, das Gebäude zu sanieren und dort dann ein Jugendzentrum einzurichten. Am Ende musste sie das Vorhaben jedoch streichen. In einem Bürgerentscheid am 10. April 2016 sagte eine knappe Mehrheit »Nein« zu einer Sanierung der Güterhalle.

Vor einiger Zeit zeigte dann der Landkreis Interesse an dem Gebäude. Mit dem Ziel, den Campus Chiemgau aufzubauen, benötigte er eine Reihe von Grundstücken westlich der Eisenbahngleise. Insbesondere auch auf die Güterhalle warf er ein Auge. Und mit seinem Anliegen stieß er im Rathaus auf offene Ohren: Im Herbst 2021 verkaufte die Stadt dem Landkreis das Gebäude.

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