Die Stiftung Studienseminar St. Michael möchte einen neuen Bildungsort schaffen
Bildtext einblenden
Wolfgang Dinglreiter, Direktor der Stiftung Studienseminar St. Michael: »Wir wollen ein 'Kraftfeld' schaffen, das kirchliche und nicht-kirchliche Einrichtungen vereint und ihnen veranschaulicht, dass zusammen viel mehr möglich ist.« (Foto: Pültz)

Die Stiftung Studienseminar St. Michael schafft einen neuen Bildungsort

Traunstein – Einen innovativen, christlichen Bildungsort mit Angeboten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene will die Stiftung Studienseminar St. Michael in den nächsten Jahren auf ihrem Gelände an der Kardinal-Faulhaber-Straße schaffen. Im Frühjahr 2020 hatte sie sich auf den Weg gemacht, den »Campus St. Michael«, wie sie ihn nennt, anzulegen, im Herbst 2021 erreichte sie einen ersten großen Meilenstein:


Der Kindergarten steht. Die Stiftung unternimmt nun weitere Schritte. Im Interview mit dem Traunsteiner Tagblatt erläutert Wolfgang Dingl-reiter, der Direktor der Stiftung, die Planungen – und er spricht damit von Neubauten und Sanierungen, die Kosten in Höhe von voraussichtlich 41,5 Millionen Euro bescheren werden. Die Stiftung schaffe mit dem Campus St. Michael ein »Kraftfeld«, das »Lebenskunst 4.0« mit den Schwerpunkten Nachhaltigkeit, Persönlichkeitsbildung und Schöpfungsspiritualität vermitteln werde.

 

Nach dem ersten Streich folgt der zweite: Nach dem Bau der »KinderGärtnerei St. Oswald« errichtet die Stiftung St. Michael nun ein neues Internatsgebäude für das Studienseminar St. Michael. Im Sommer haben Sie mit den Bauarbeiten angefangen. Wie groß wird denn das neue Haus?

Wir bauen ein Haus für 50 Internatsschüler, die in drei Wohngruppen untergebracht werden. Das Gebäude verfügt über ein Erdgeschoß und einen ersten Stock sowie teilweise auch über eine zweite Etage. Auch eine Tiefgarage mit 50 Stellplätzen errichten wir. Wie schon den Kindergarten bauen wir auch das Seminargebäude aus Holz. Das Gebäude geplant hat Anna Heringer aus Laufen, die zu den 100 weltbesten Architekten und Architektinnen zählt. Sie ist für uns ein Glücksfall.

 

Wann ist das Seminargebäude fertig?

Im Sommer 2023.

 

In einem weiteren Schritt errichten Sie dann ein, wie Sie sagen, »Forum«. Wie lautet in diesem Fall die Planung?

Das »Forum« wird das zentrale Gebäude auf dem Gelände. In diesem Zusammenhang verlegen wir dann auch den Haupteingang zum Campus St. Michael von der Kardinal-Faulhaber- an die Vonfichtstraße. Im »Forum« geplant sind vielfältige Räume und Nutzungen. Ihre Türen öffnen wird etwa ein Café, betrieben von der Caritas. Dazu gibt es einen Veranstaltungssaal mit anschließenden Gruppenräumen.

Im Gebäude untergebracht wird das Campus-Management, also das Direktorat, das Stiftungsmanagement und das Sekretariat. Und dann wird es neben Coworkingflächen vor allem viele Räume für einzelne Einrichtungen geben. Einziehen werden etwa die Katholische Frühförderstelle, das Schulpastorale Zentrum, die Medienpädagogische Fachstelle Q3 und die Caritas mit ihrem Spielzeugladen »Carifant«. In dieser Werkstatt reparieren Menschen mit seelischen und psychischen Beeinträchtigungen gebrauchtes Spielzeug. Menschen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chance haben, bekommen auf dem zweiten durch das Café und den Shop eine Perspektive. Das begehbare und begrünte Dach wird auch einen Ausstellungsraum für den Traunsteiner Kunstverein beherbergen.

 

Das Forum wird, wie Sie schon angekündigt haben, ein »Traum in Lehm«. Was unternehmen Sie, damit aus dem Traum kein Albtraum wird?

Ich habe überhaupt keine Bedenken. Auch in diesem Fall ist Anna Heringer die Architektin, die sich in Sachen Lehmbau so gut auskennt wie kaum eine andere oder ein anderer. Mit ihr zusammen haben wir uns das Ziel gesetzt, den ersten frei tragenden Lehmbau in Deutschland zu errichten. Verwenden wollen wir »Stampflehm«.

Wir setzen auf diesen Baustoff, weil wir nachhaltig und umweltschonend vorgehen wollen. Die CO2-Bilanz ist überwältigend. Der Baustoff Lehm ist bereits im Erdreich vorhanden. Dadurch entsteht, anders als bei konventionellen Baustoffen wie Beton, bei der Herstellung kein klimaschädigendes CO2. Zudem kann Lehm beliebig oft und ohne Qualitätsminderung recycelt und damit wiederverwendet werden, und ist nach dem Abbruch des Gebäudes zur Gänze natürlich abbaubar.

Die Stiftung Studienseminar St. Michael versteht sich also als Vorreiter für modernes, ressourcenschonendes, nachhaltiges Bauen?

Ja, auf jeden Fall. Wir wollen einen modellhaften Bau errichten und zeigen, was man mit dem Baustoff Lehm alles machen kann. Wir möchten bewirken, dass der Lehm, der in früherer Zeit in Europa im Hausbau gang und gäbe war, hierzulande eine Renaissance erlebt. Die Kirche will die Initialzündung für die Verwendung nachhaltiger Baustoffe geben. Wir haben den Anspruch, in Traunstein einen »Ort der Zukunft« zu schaffen – und mit dem »Forum«, gebaut aus Lehm, zeigen wir, wie ein Teil dieser Zukunft aussieht.

 

Auf der letzten Etappe zum neuen Campus werden Sie dann an eine Sanierung des denkmalgeschützten Altbaus für das Studienseminar gehen. Welche Maßnahmen planen Sie?

Wir sind noch in der Entwurfsplanung, ich kann noch nichts Genaues sagen. Es geht um eine Grundsanierung und Anpassung der Räumlichkeiten an das neue Konzept. Grundsätzlich sind die Mauern des 1929 errichteten Gebäudes noch gut in Schuss – was man aber von all den Versorgungsleitungen nach 90 Jahren nicht behaupten kann. Auch die Fenster müssen saniert werden, im Brandschutz muss nachgebessert werden und vieles mehr.

 

Wer wird denn den Altbau künftig nutzen, wenn er saniert ist?

Im Erdgeschoß ist eine Werkstattebene geplant. Räume werden wir etwa der Caritas mit ihrem Projekt »Carifant«, der SoLaWi Chiemgau für eine Abholstelle und Q3 für das Jugend-hackt-Lab inklusive Podcast-, Video- und Radiostation geben. Letzteres befindet sich schon im Altbau und ist ein Kooperationsprojekt mit der Stadtbücherei Traunstein. Auch ein größerer Coworking Space, für dessen Betrieb das Impact HUB Munich geplant ist, findet hier Platz. Das erste Obergeschoß wird eine Bildungsebene mit diversen Tagungs- und Seminarräumen sowie der Geschäftsstelle des Katholischen Kreisbildungswerks. Daneben ist Platz für Beratungs- und Begleitungseinrichtungen wie die Caritas mit ihrem Familienstützpunkt, für den kirchlichen Schulbeauftragten, ebenso wie für die Referentin für spirituelle Begleitung für pädagogisches Personal in Kitas. Im zweiten Stock finden sich vorrangig die Lernflächen für das Internat sowie leistbare Wohnräume für Auszubildende des Klinikums Traunstein. Im dritten Stock möchten wir Platz für »Soziales Wohnen« schaffen, dafür sind wir im Austausch mit der Stadt und dem Landkreis.

 

Viele Pläne haben Sie geschmiedet – Wann ist das Gesamtwerk »Campus St. Michael« vollbracht?

Anfang 2020 haben wir mit der Umgestaltung angefangen, Ende 2023 wollen wir mit den Neubauten fertig sein, Ende 2024 dann auch mit den Sanierungen und den Außenanlagen.

 

Wie viel Geld geben Sie aus?

Die Gesamtsumme für alle Bauvorhaben – ohne den Kindergarten – beträgt nach derzeitigem Planungsstand 41,5 Millionen Euro.

 

Welche Zielsetzungen verfolgen Sie, wenn Sie in den nächsten Jahren so viel Geld in die Hand nehmen und den Campus St. Michael errichten?

Wir wollen ein »Kraftfeld« schaffen, das kirchliche und nicht-kirchliche Einrichtungen vereint und ihnen veranschaulicht, dass zusammen viel mehr möglich ist. Wir möchten »Lebenskunst 4.0« vermitteln und aufzeigen, wie ein nachhaltiges Leben geht, getragen von einer christlichen Wertehaltung, die nicht nur den Umweltschutz, sondern auch die soziale Gerechtigkeit in den Mittelpunkt stellt. In diesem Sinne wird der Campus ein Bildungsort sein – und auch eine Stätte, wo man in Projekten, Initiativen und Förderprogrammen viel ausprobieren und miterleben kann.

Gernot Pültz

Mehr aus der Stadt Traunstein