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Die Stadt ebnet dem Landkreis den Weg

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Einen Bildungscampus will der Landkreis westlich des Bahnhofs schaffen. Die Stadt Traunstein steht hinter den Plänen. (Foto: Pültz)

Traunstein – Die Stadt begrüßt die Pläne des Landkreises, einen Bildungscampus auf dem Gelände westlich des Bahnhofs in Traunstein zu schaffen. Und sie ebnet ihm den Weg, das Vorhaben zu verwirklichen. Mit 21:2-Stimmen hat der Stadtrat am Donnerstag beschlossen, im Bebauungsplan ein Sondergebiet Bildungscampus zu verzeichnen. Dagegen stimmten Wilfried Schott und Wolfgang Wörner (beide Bündnis 90/Die Grünen).


Oberbürgermeister Christian Kegel sagte, dass die Pläne des Landkreises der Stadt »rosige Aussichten« bringen. Er sprach von einer »einmaligen Chance«. Der Campus werde Traunstein einen »riesigen Aufschwung« gerade im Bereich der beruflichen Bildung bescheren. Eindringlich appellierte der Oberbürgermeister an die Stadträte, die Gelegenheit beim Schopfe zu packen und die Weichen für eine Verwirklichung des Vorhabens zu stellen.

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»Die SPD-Fraktion begrüßt die Entwicklung ausdrücklich«, betonte ihr Sprecher Peter Forster. Der Stadtrat habe mehrfach Beschlüsse gefasst, das Gebiet westlich des Bahnhofes als ein Ganzes zu behandeln – was einzelne Grundstückseigentümer, denen das Prozedere zu lange dauerte, verständlicherweise zu »plakativen Maßnahmen« veranlasst habe. Forster war froh, dass der Stadtrat trotz der Kritik seinen Kurs beibehalten, das Gebiet in seiner Gesamtheit entwickelt habe – und dass er damit nun den Bildungscampus ermöglichen könne.

»Natürlich sind auch wir für den Bildungscampus«, sagte Walburga Mörtl-Körner, die Sprecherin der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen. »Aber wir wollen nicht ohne Bedingungen zustimmen.« So sei die Stadt in den Verhandlungen mit dem Landkreis auch aufgefordert, ihre eigenen Interessen zu vertreten. So müsse sie insbesondere dafür sorge, dass die Bürger, die mit dem Auto zum Bahnhof fahren und dann in einen der Züge einsteigen, ihr Fahrzeug weiterhin preisgünstig abstellen können.

Fraktionskollege Wilfried Schott erinnerte an frühere Planungen und sagte, »dass wir in diesem Gebiet bis zu 300 Wohnungen bekommen hätten«. Und weiter: »Ganz besonders fehlen die zugesagten 80 bis 100 Sozialwohnungen«. Schott beantragte, sowohl die Güterhalle als auch die »Park & Ride«-Stellplätze aus dem Sondergebiet Bildungscampus herauszunehmen – was der Stadtrat aber mit 20:3-Stimmen ablehnte.

Wolfgang Wörner, den Oberbürgermeister Kegel zu Beginn der Sitzung als Nachrücker für Stephan Hadulla vereidigt hatte (ein eigener Bericht folgt), machte auf den Verkehr aufmerksam und sagte, dass jetzt schon eine »gefährliche Situation« am Annette-Kolb-Gymnasium gegeben sei. Er befürchtete, dass sie sich weiter verschärft. Er beantragte, dass ein Verkehrsgutachten in Auftrag gegeben wird. Kegel entgegnete ihm, dass diese Aufgabe dem Landkreis obliege.

Dr. Thomas Graf, Fraktionsvorsitzender der Traunsteiner Liste, begrüßte das Projekt. Er meinte, dass das Vorhaben »so rasch wie möglich« verwirklicht werden sollte.

Dr. Christian Hümmer, der Vorsitzende der CSU-Fraktion, sprach erneut von einer »Jahrhundertchance«. Zu begünstigen sei eine Entwicklung, die »weit über unsere Generation« in die Zukunft weist. Eine universitäre Einrichtung – die Hochschule Rosenheim will auf dem Campus einen Ableger schaffen – habe sich die Stadt Traunstein schon immer gewünscht. Der Stadtrat sei hier und jetzt aufgefordert, uneingeschränkt Ja zum Bildungscampus zu sagen. Alle Detailfragen seien später zu klären. Die Debatte in Traunstein werde in Rosenheim und in München – dort ist die Handwerkskammer angesiedelt, die auf dem Campus in Traunstein eine Akademie bauen will – wahrgenommen. Und aus diesem Grund müsse die Stadt »zu hundert Prozent« hinter den Plänen für den Campus stehen, warb er für ein einstimmiges Votum im Stadtrat.

Kegel fügte an, dass »auch im Landkreis zugehört wird«. So erinnerte der Oberbürgermeister daran, dass der Kreisausschuss des Kreistags entschieden habe, den Bildungscampus in Traunstein zu schaffen – und damit nicht an einem anderen Ort. Kegel forderte ein »klares Bekenntnis« zum Bildungscampus.

Thomas Stadler (Bündnis 90/Die Grünen) meinte, im Rahmen der Planungen sollte auch versucht werden, ein Jugendzentrum zu schaffen. Kegel berichtete, dass sich Landrat Siegfried Walch klar geäußert habe: Ein Jugendzentrum sei nicht vorgesehen. Stadlers Antrag, einen Treff in der Überplanung des Gebiets von Seiten der Stadt mit zu berücksichtigen, lehnten die Räte mit 19:4-Stimmen ab.

»Man sieht, was alles geht, wenn einer engagiert ist – und wenn er vernetzt ist«, lobte Karl Schulz (CSU) Landrat Walch. In der Vergangenheit hatte die Sache laut Schulz niemand in die Hand genommen.

Robert Sattler (SPD) meinte, dass die Schaffung des Bildungscampus' eine »Bedeutung weit über die Region hinaus« besitze. Denn universitäres Studium und handwerkliche Ausbildung werden seinen Angaben zufolge in Traunstein vereint – womit das Handwerk nun in der Öffentlichkeit die Anerkennung bekomme, die ihm jahrzehntelang vorenthalten worden sei. pü