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»Die Reichenhaller hatten kein Holz mehr«

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Herzog Maximilian, dargestellt von Willi Schwenkmeier, erzählte vom Bau der Soleleitung und der Saline. (Foto: Pültz)

Traunstein – Der festlich gekleidete Herr blickte in die Runde. Und er fing an, mit fester Stimme zu sprechen. »Die Reichenhaller hatten kein Holz mehr«, erzählte Herzog Maximilian den staunenden Gästen. In dieser misslichen Lage hätten er und die Seinen dann einen ganz und gar gewagten Plan ausgeheckt: Nicht mehr das Holz sollte zur Sole, sondern umgekehrt fortan sollte die Sole zum Holz kommen.


Viele hätten von einem »Teufelsgedanken« gesprochen. Doch er habe sich nicht aufhalten lassen, er habe die Soleleitung von Reichenhall nach Traunstein errichten lassen, ebenso die Saline in Traunstein. Brennmaterial für das Sieden des Salzwassers sei in rauen Massen vorhanden gewesen, die Salzgewinnung habe begonnen.

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Heuer genau vor 400 Jahren – 1619 – war die Soleleitung in Betrieb gegangen, auch die Schornsteine in der Saline fingen zu rauchen an. Zusammen mit den Vereinen feiert die Stadt Traunstein das Doppeljubiläum mit einer Vielzahl von Veranstaltungen. Am Donnerstag hat sie einen Überblick über das Programm gegeben – unterstützt von Herzog Maximilian, dargestellt von Willi Schwenkmeier.

Oberbürgermeister Christian Kegel sprach von einem »wunderschönen Jubiläum«. Die Soleleitung – die »erste Pipeline der Welt« – sei seinerzeit eine technische Meisterleistung ebenso wie ein finanzieller Kraftakt gewesen. Für die Stadt sei die Salzgewinnung in Traunstein – sie lief von 1619 bis 1912 – von unschätzbarem Wert gewesen, sie habe die Stadt geprägt und sie zu dem gemacht, was sie heute ist.

Ein Höhepunkt der Feierlichkeiten ist die Eröffnung des Salinenparks im Juli. Kegel machte kein Hehl daraus, dass am Anfang »großer Widerstand« gegen dieses Projekt gegeben gewesen sei. »Mittlerweile hat sich aber das Stimmungsbild total verändert.« Der Salinenpark stoße »auf große Zustimmung.«

»Seit rund zweieinhalb Jahren laufen die Vorbereitungen auf das Jubiläum«, berichtete Josef Späth, der als Sachgebietsleiter Tourismus, Veranstaltungen, Städtepartnerschaften und Sport in der Stadtverwaltung für das Festprogramm zuständig ist. Ihm zur Seite steht die Arbeitsgruppe Salz. Als Höhepunkte des Jubiläums nannte er die Eröffnung des Salinenparks am 12. Juli, den historischen Samerzug am Samstag, 10. August, und den historischen Festzug am Sonntag, 11. August. Laut Späth stehen die Veranstaltungen in ihren wesentlichen Zügen, »jetzt beginnt die Detailplanung«.

Zum Jubiläum gehen in einer neuen Ausstellung die Türen auf: Der Förderverein Alt-Traunstein – die Arbeit erledigt Otto Huber – zeigt in von der Stadt zur Verfügung gestellten Räumen im Albertistock – einem von mehreren alten Wohngebäuden in der Au, die noch aus der Gründerzeit der Saline im 17. Jahrhundert stammen – eine Ausstellung über die Soleleitung. Die Eröffnung erfolgt wie die des Salinenparks am 12. Juli.

In drei Räumen ist die Geschichte dargestellt. Zum einen stehen Medien – insbesondere sechs Filme – im Brennpunkt, zum anderen das Leben und Arbeiten eines Brunnwarts beziehungsweise die Soleleitung. Auch »Deicheln«, zu Rohren ausgehöhlte Baumstämme, aus früheren Zeiten werden ausgestellt.

Zu sehen ist dann in der Ausstellung auch der Animationsfilm »Die erste Pipeline der Welt«, den das gleichnamige P-Seminar des Chiemgau-Gymnasiums erstellt hat. Unter der Leitung von Nils Bödeker haben die Schüler im Fach Geografie in ihrem rund vierminütigen Beitrag den Weg nachgezeichnet, den einst die Soleleitung von Reichenhall nach Traunstein genommen hat. Am Donnerstag haben Lehrer und Schüler den Film an Oberbürgermeister Kegel übergeben. Durch die bewegten Bilder sei die Soleleitung, so Bödeker, »wieder lebendig gemacht worden«.

Auch Theateraufführungen stehen auf dem Programm. »Spitznudel und nasse Dirn« lautet der Titel des historischen Salinenspiels, das aus der Feder von Albert Rosenegger stammt – und welches das Fabriktheater im König-Ludwig-Hof unter freiem Himmel zeigt. Einen Vorgeschmack auf die Aufführungen gaben Schauspieler des Ensembles aus der Kulturfabrik Nuts, die am Donnerstag die Vorstellung des Jubiläumsprogramms bereicherten und sich in ihren historischen Gewändern vorstellten.