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»...die im Dunkeln sieht man nicht«

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Nicht alle Bürger in Traunstein stehen auf der Sonnenseite des Lebens. Etwa 50 Bedürftigen hilft die Aktion »...die im Dunkeln sieht man nicht« – und zwar das ganze Jahr über.

Traunstein – Es sind Senioren, die ihre Medikamente nicht zahlen können, es sind Familien mit Kindern, denen es an den einfachsten Dingen fehlt, es sind diejenigen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, es sind Traunsteinerinnen und Traunsteiner, die unverschuldet in Not geraten sind. Damit diese in ihren scheinbar ausweglosen Situationen nicht alleine sind und Unterstützung bekommen, gibt es die Aktion »...die im Dunkeln sieht man nicht«.


»Wamsler immer noch der Engel Traunsteins«

Vor fünf Jahren hat Konstanze Reichert-Kegel, die Frau von Oberbürgermeister Christian Kegel, die Schirmherrschaft der Aktion übernommen. Ins Leben gerufen wurde »....die im Dunkeln sieht man nicht« vor über 30 Jahren von Charlotte Wamsler, der Ehefrau des früheren Oberbürgermeisters Rudolf Wamsler, um in Not geratene Traunsteiner Bürger zu unterstützen. Konstanze Reichert-Kegel ist in den vergangenen Jahren in ihre Aufgaben hineingewachsen. Gerade zu Beginn war vieles neu für die 58-Jährige – gerade was den Umgang mit den Bedürftigen betrifft. »Vor allem am Anfang hat mich Frau Wamsler häufig begleitet. Das war sehr gut. Die Betroffenen waren natürlich zuerst sehr zurückhaltend, immerhin kam jetzt jemand neues. Aber sie haben schnell Vertrauen gefasst«, erzählt die Oberbürgermeistergattin. »Für mich ist Charlotte Wamsler immer noch der Engel Traunsteins. Aber ich glaube, ich konnte gut in ihre Fußstapfen treten. Die Aktion ist mir sehr ans Herz gewachsen.«

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Rund 50 Bedürftige werden derzeit von »...die im Dunkeln sieht man nicht« unterstützt – überwiegend ältere Bürger, die meist nur eine kleine Rente erhalten. Manchen wird schon seit mehreren Jahren geholfen, erzählt Reichert-Kegel. »Wer mit 70 seine Tabletten nicht zahlen kann, wer soll es dann mit 75 können?« In anderen Fällen wiederum könne man auch schon mit einer Einzelspende viel erreichen. »Einer Familie, in der der Vater eine Erbkrankheit hat und auf den Rollstuhl angewiesen ist, konnten wir mit einer Zuzahlung helfen, dass sie endlich ein behindertengerechtes Auto anschaffen konnte«, erinnert sich die 58-Jährige.

In der Vorweihnachtszeit hat Konstanze Reichert-Kegel gemeinsam mit einem weiteren Mitglied ihres Helferteams allen Bedürftigen einen Weihnachtsbesuch abgestattet und Geldgeschenke überreicht. »Viele machen es gleich auf, manche erst am Heiligen Abend.« Besonders gut in Erinnerung geblieben ist der Schirmherrin der Besuch bei einer alleinerziehenden Mutter. »Sie hat zu mir gesagt: Jetzt können wir uns endlich einen Christbaum mit Kugeln leisten« – eine Sache, die für viele Bürger an Weihnachten etwas ganz Normales sei.

Auch an den Besuch bei einem Paar, das früher in der Obdachlosenunterkunft gelebt und inzwischen eine kleine Wohnung hat, denkt sie gerne zurück. »Die beiden hatten eine super saubere Wohnung. Beide sind arbeitslos, würden aber gerne arbeiten. Aber es klappt einfach nicht. Das tut einem natürlich persönlich dann auch sehr leid, wenn die Leute gerne etwas an ihrer Situation ändern würden.«

Konstanze Reichert-Kegel ist immer wieder beeindruckt, mit wie wenig die Betroffenen eigentlich auskommen – und wofür sie das Weihnachtsgeld dann verwenden. »Viele nutzen es ganz klar für das, was sie zum täglichen Leben brauchen. Ich sage dann immer, sie sollten sich doch gerade an Weihnachten auch mal selbst etwas gönnen.« Ein bisschen Luxus gehöre zum Leben dazu. Einer Rentnerin gab die 58-Jährige zum Beispiel den Rat, sich mal ein Stück Kuchen zu kaufen. Deren Antwort lautete jedoch: »Nein, das kann ich nicht.« Die Dame wollte lieber ihren Kindern und Enkeln eine Freude damit machen.

Wie Konstanze Reichert-Kegel erzählt, läuft die Hilfe immer so unbürokratisch und anonym wie möglich ab. »Die meisten Bedürftigen wollen nicht, dass man von ihrer Situation weiß.« Vielen sei es daher auch äußerst unangenehm, über ihre Notlage zu sprechen. »Ich verstehe die Peinlichkeit, wenn jemand sagen muss, dass er kein Geld hat.«

Doch wie wird die 58-Jährige überhaupt auf Notfälle aufmerksam? »Die Anfragen laufen über die Kämmerei der Stadt«.« Wer Hilfe benötigt, muss zunächst einen Fragebogen ausfüllen, immerhin müsse überprüft werden, ob überhaupt ein Anspruch besteht. Gemeinsam mit ihrem Team trifft sich Konstanze Reichert-Kegel dann alle sechs Wochen, um zu besprechen, ob und wie den Bürgern geholfen werden kann, oder um zu beraten, ob auch weitere Bedürftige unterstützt werden können.

Spenden zu 100 Prozent weitergeben

Wichtig für die Unterstützung der Betroffenen sind vor allem Spenden. Daraus macht die 58-Jährige kein Geheimnis. »Wir können diese zu 100 Prozent weitergeben, da bei uns fast kein Verwaltungsaufwand anfällt«, betont sie. Weiter sagt die Schirmherrin: »Wir bekommen Spenden aller Art. Erst vor kurzem waren die Klöpfelkinder aus Neugei-ßing bei mir und haben mir rund 190 Euro überreicht. Da war ich sehr dankbar. Ich fand das richtig süß und lieb.« Wer die Hilfsaktion unterstützen möchte, kann dies mit einer Spende auf das Konto von »...die im Dunkeln sieht man nicht« bei der Sparkasse Traunstein, IBAN DE30 7105 2050 0000 0000 42 tun. Natürlich gibt es laut Konstanze Reichert-Kegel viele Menschen und Firmen, die größere Summen spenden, aber »wir freuen uns, wenn jemand auch nur fünf Euro hergibt«. jal

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