Die Geschichte der Stadtpfarrkirche: Kostbares Wissen in einer Dokumentation

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Dieses Altarbild im nördlichen Seitenaltar der Kirche St. Georg und Katharina im Stadtpark zeigt die heilige Klara. Geschaffen wurde es von Johann Baptist Neumüller. Nur wenige werden wissen, dass er für die Gesichter der drei Engel oben rechts die Kinder der befreundeten Familien Wispauer und Wintrich als Vorlagen nahm.

Traunstein – Er ist so etwas wie ein wandelndes Lexikon: Hans Kösterke. Der frühere Geschäftsleiter der Stadt Traunstein war von Kindesbeinen an eng mit der Pfarrei St. Oswald verbunden. In jahrzehntelanger Arbeit als Kirchenpfleger hatte er Zugang zu den Archiven der Pfarrei – einem historischen Schatz, den er vor dem Vergessen bewahren wollte. Nun hat er im Eigenverlag die »Dokumentation Katholische Stadtpfarrei St. Oswald Traunstein – Geschichte – Architektur – Kunstschätze« herausgegeben.


Das Buch umfasst knapp 400 Seiten. Die 13 Teile der Dokumentation enthalten in Wort und Bild viel Wissenswertes zur Geschichte der Pfarrei und den von ihrer Kirchenverwaltung zu betreuenden Kirchen und Kapellen.

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Als Kommunionvater wieder engere Bindung

Nachdem ihn die Stadtpfarrkirche schon als Kind beeindruckt hatte, gingen seine Frau Monika und er zunächst den »normalen Weg, den man damals als junger Mensch in einer Stadt wie Traunstein ging – in der Katholischen Jugend und der Kolpingfamilie«, sagt er im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. In der Zeit des Berufseinstiegs und der Familiengründung war die Bindung an die Kirche vorübergehend weniger eng – bis sein Sohn 1983 Kommunion hatte. »Pfarrer Franz Mooslechner suchte damals Kommunioneltern, die die Kinder auf die Kommunion vorbereiten sollten. Und so wurde ich der erste Vater, der eine solche Gruppe mit damals sieben Kindern übernommen hat. Zu einigen von ihnen habe ich heute noch einen lieben Kontakt.«

In der Folge engagierten sich Kösterke und seine Frau regelmäßig in der Stadtpfarrei St. Oswald, insgesamt über 40 Jahre lang. Monika Kösterke war zwei Perioden lang Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, sie engagierten sich in der Jugendarbeit und organisierten Kindergottesdienste. Unter Pfarrer Heindl organisierte Hans Kösterke die Pfarrgemeinderatswahlen, war Kirchenpfleger und eine Art Geschäftsleiter des Pfarrbüros. »In dieser Zeit habe ich unzählige Akten geordnet und ein Archiv aufgebaut. Dabei habe ich jede Menge alte Unterlagen durchforstet«, sagt der 74-Jährige. »Da bleibt viel Wissen hängen.« Um das nicht ungenutzt zu lassen, verfasste er schließlich die Dokumentation Katholische Stadtpfarrei St. Oswald Traunstein«, einfach, »um es der Nachwelt zu erhalten«.

Gesammelt, nachgesucht und illustriert

Gesammelt, nachgesucht, aufgeschrieben und illustriert – so lassen sich die Arbeitsschritte beschreiben. Kösterke (74) hat die aus der Heimatgeschichte überlieferten Abhandlungen, die schon in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten immer wieder veröffentlichten Einzelbeiträge, sein persönliches Wissen, die Sachkenntnis aus jahrelanger ehrenamtlicher Mitarbeit in der Kirchenverwaltung und als Kirchenpfleger von St. Oswald sowie von eigener Hand geschaffenes Bild- und Textmaterial durch fast zehn Jahre datentechnische Betreuung und Pflege der Internetseite der Pfarrei, als Bausteine für das Werk genutzt.

Entstanden ist eine Betrachtung aller Kirchen, die zu St. Oswald gehören: allen voran natürlich die altehrwürdige Stadtpfarrkirche, St. Georg und Katharina im Stadtpark, die Aukirche oder auch Salinenkapelle, das Ettendorfer Kircherl, Sparz und die Lourdes-Kapelle. Geschildert werden Geschichte, Baugeschichte, Glocken, Orgeln, Innenausstattung, Altäre, Altarbilder. In Teil eins geht es um die Baugeschichte der Stadtpfarrkirche St. Oswald Traunstein bis zum Jahr 1900 – um die Glocken, einen Kirchenführer, der in Details durch die mittlerweile erfolgte Renovierung »bereits geschichtlich ist«, wie Kösterke weiter anmerkt.

Interessantes gibt es in der Dokumentation auch zu den 32 Fresken des Historienmalers Max Fürst in der Stadtpfarrkirche, zur Wallfahrts- und Filialkirche St. Vitus und St. Anna, Ettendorf und zur Filialkirche St. Georg und St. Katharina, der ehemaligen Friedhofskirche im Stadtpark, zu den Epitaphien, Gedenktafeln und Grabplatten daran und darin, zur Salinenkapelle St. Rupert und St. Maximilian (Aukirche), zur Filialkirche Sparz – St. Salvator (heiligster Erlöser) und St. Joseph, zum Kreuzweg Sparz auf dem »Ernst-Rappel-Weg«, zur Lourdeskapelle am Maxplatz und auch zu von der Kirchenverwaltung zu betreuenden Sakralbauten, der Kirchen und Kapellen Benedikt XVI. (Joseph Ratzinger) in Traunstein und Surberg.

Kein Anspruch auf Vollständigkeit

»Trotz eingehender Recherchen in den verfügbaren Quellen erheben die Inhalte der Dokumentation keineswegs den Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit«, stellt Kösterke klar. Bei allen Mängeln und Fehlern, die einer Dokumentation dieser Art anhaften, könne aber wohl jeder Leser so Manches finden, was ihm bisher nicht bekannt war. Zu haben ist das Werk zum Selbstkostenpreis direkt bei Hans Kösterke, Telefon 0861/69 419.

coho

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