weather-image
-2°

»Die Enttäuschung ist natürlich riesig« – Georgiritt fällt zum ersten Mal seit 19 Jahren aus

2.3
2.3
Traunstein: Georgiritt fällt zum ersten Mal seit 19 Jahren aus – »Enttäuschung ist riesig«
Bildtext einblenden
Der alljährlich am Ostermontag stattfindende Georgiritt von Traunstein ist eine der größten Pferdewallfahrten Bayerns. Dieses Jahr wird sie aufgrund der Coronakrise nicht stattfinden.

Traunstein – Der Georgiritt in Traunstein wird heuer nicht stattfinden – zum ersten Mal seit 19 Jahren. »Die Enttäuschung ist natürlich riesig, aber uns bleibt nichts anderes übrig«, bedauert Albert Schmid, der Vorsitzende des Georgivereins. Denn wegen des Coronavirus sind alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Leuten zunächst einmal bis 19. April untersagt. Das würde auch den Lindlsonntag betreffen, eine weitere beliebte Veranstaltung in der Großen Kreisstadt. Definitiv nicht stattfinden wird der Georgiritt in Stein an der Traun.


Den Georgiritt in Traunstein gibt es seit 1892 und als »losen Ritt« seit 1762, wie Martin Schweiger, der stellvertretende Vorsitzende des Georgivereins im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt sagt. Ausgefallen sei der Ritt im Ersten und Zweiten Weltkrieg und dreimal wegen der Maul- und Klauenseuche, nämlich 1952, 1966 und 2001. Nicht stattgefunden habe der Ritt laut Chronik auch 1955, »weil der Weg um das Ettendorfer Kircherl nicht begehbar war« – und nun 2020 wegen des Coronavirus. Die Vorbereitungen seien bereits auf Hochtouren gelaufen, so Martin Schweiger. »Wir waren jetzt jeden Mittwoch, Freitag und Samstag unterwegs.« Doch nun seien auch die Rittbitten abgesagt worden. »Wir müssen an unsere älteren Vereinsmitglieder denken und sie schützen«, betont Schweiger.

Anzeige

Den Georgiritt in Traunstein besuchen normalerweise über 10.000 Besucher, die tollen Bilder sind in ganz Bayern und darüber hinaus zu sehen. Er hätte versucht, sich bis zum Schluss zu sträuben, sagt Vorsitzender Albert Schmid. Doch es helfe ja nichts. Außerdem vermute er, dass die Zuschauer eh ausgeblieben wären. »Wir wollen keinen Geisterritt veranstalten. Wenn die Leute Angst haben und nicht kommen, dann würde das für den Verein ein großes Defizit bedeuten.« Es sei sehr schade, aber man könne nichts machen, so der 60-Jährige.

Noch unklar ist, ob der Lindlsonntag am 19. April stattfinden kann oder nicht. »Das müssen wir in Absprache mit der Stadt und dem Gesundheitsamt noch klären«, sagt dazu Thomas Miller, der Vorsitzende von »Traunstein erleben«. Seit 1983 wurde der verkaufsoffenen Sonntag in Traunstein jedes Jahr durchgeführt. Deshalb würde sich Thomas Miller freuen, wenn es auch dieses Jahr klappen würde. »Doch ich befürchte, dass wir den Lindlsonntag absagen müssen.«

Fest steht in jedem Fall, dass der Georgiritt in Traunstein nicht stattfindet. »Aufgrund der aktuellen Entwicklung hinsichtlich der Verbreitung des Corona-Virus und der daraus folgenden Ministerratsentscheidung, Großveranstaltungen ab 1000 Personen bis zum 19. April nicht durchführen zu sollen, haben sich der Georgiverein, die Stadtpfarrkirche St. Oswald und die Stadt Traunstein als Veranstalter des Georgiritts darauf verständigt, diese für Traunstein und den gesamten Chiemgau so herausragende Pferdewallfahrt samt Schwerttanz in diesem Jahr nicht durchzuführen«, teilt Oberbürgermeister Christian Kegel auf unsere Nachfrage schriftlich mit. Er hoffe auf das Verständnis aus der Bevölkerung »für diese notwendige Maßnahme im Sinne der Eindämmung des Virus und damit im Sinne der Gesundheit«.

»Wenn Traunsteiner absagen, sagen wir auch ab«

»Wenn die Traunsteiner ihren Ritt absagen, sagen wir auch ab, das ist ganz klar«, sagt dazu Martin Reif, Vorsitzender des Georgivereins in Stein an der Traun. Man habe sich bereits zu dem Thema beraten, die endgültige Entscheidung sollte gestern Abend fallen.

Auch der Steiner Georgiritt hat eine lange Tradition. »In der Chronik sind Umritte in Stein schon um 1700 erwähnt«, so Reif. Der Steiner Georgiritt fand nach dem Zweiten Weltkrieg letztmals Anfang der 60er-Jahre statt, ehe er Anfang der 80er-Jahre wieder ins Leben gerufen wurde. Zu der Veranstaltung werden jedes Jahr rund 200 Pferde und 3000 bis 4000 Zuschauer erwartet, in Traunstein sind es jedes Jahr rund 400 geschmückte Pferde und über 10.000 Besucher. Dieser Georgiritt gilt als einer der größten und schönsten Pferdewallfahrten in ganz Bayern und gehört seit 2016 zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.

Während in der Großen Kreisstadt »nur« der Ritt selbst und die zahlreichen Rittbitten davor ausfallen, ist in Stein ein ganzes Festwochenende betroffen. »Wir stellen da immer ein Bierzelt auf, das das ganze Wochenende gut besucht ist. Da freuen sich die Leute schon immer riesig drauf«, so Reif. Am Freitag, 12. April, hätte die Dirndlschaft ein Weinfest organisiert, am Samstag, 13. April, die Feuerwehr den Tag der guten Nachbarschaft, am Sonntag, 14. April, hätte der Ritt stattfinden sollen. Natürlich sei man enttäuscht, dass der Ritt abgesagt werden müsse; aber auch erleichtert, dass die Entscheidung bereits jetzt fällt und nicht erst acht Tage vor dem Ritt. »Denn dann hätten wir schon viel mehr Geld ausgegeben.«

Wegen des Coronavirus sind in Bayern bis zum Ende der Osterferien Veranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen untersagt. Betroffen sind auch Fußballspiele. Für Veranstaltungen mit 500 bis 1000 Personen empfiehlt die Staatsregierung die Absage, jeweils nach Rücksprache mit den Behörden. KR/coho

Mehr aus der Stadt Traunstein