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»Der Landkreis ist nicht böse« – neues Wohn- und Gewerbegebiet in Haslach

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Auf dieser Fläche könnten in den nächsten Jahren Wohnungen entstehen. Des Weiteren im Gespräch sind Verwaltungsgebäude und/oder eine Schule. Das ist allerdings noch Zukunftsmusik, wie das Landratsamt auf Nachfrage betonte. (Foto: Reiter)

Traunstein – 18.400 Quadratmeter groß ist das Grundstück in Haslach, das der Landkreis gekauft hat. Fixe Pläne gibt es noch nicht, aber verschiedene Überlegungen. Vielleicht auch deshalb brodelt die Gerüchteküche. »Ganz sicher ist, dass dort kein Discounter hin kommt«, betonte Oberbürgermeister Christian Kegel im Stadtrat. »Das ist im Bebauungsplan klar so festgelegt.«


Das Gremium stimmte am Donnerstag nach längerer Diskussion einer Änderung des Flächennutzungsplans und der Ausweisung eines Gewerbegebiets sowie eines Allgemeinen Wohngebiets mit 17 zu 5 Stimmen zu – dagegen waren die Grünen und die Traunsteiner Liste.

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»Der Landkreis möchte hier Wohnungen im sozialen Wohnungsbau errichten«, informierte Oberbürgermeister Christian Kegel. »Das ist sehr erfreulich.« Außerdem gebe es Pläne eines Kreditinstituts, dort ein neues Verwaltungsgebäude zu bauen. Die Bürger müssten sich aber keine Sorgen machen, dass sie zum Geldabheben künftig nach Seiboldsdorf fahren müssen, betonte der Oberbürgermeister.

»Wir versiegeln eine Fläche nach der anderen«

Ulrike Hoernes (Traunsteiner Liste) gefiel es nicht, dass erneut eine Fläche versiegelt werden soll. Derzeit würden Wohnungen dringend benötigt. »Doch wir haben Traunstorf, die Chiemseestraße und Haidforst. Wir sollten abwarten, ob nach diesen Projekten überhaupt noch Bedarf da ist.« Zu den möglichen Plänen der Sparkasse fragte sie: »Warum nutzen die nicht die bestehenden Gebäude?«

Wolfgang Wörner (Grüne) sagte, dass die Bayerische Staatsregierung die Marschroute klar vorgegeben habe, nämlich Innen vor Außen. »Und was machen wir in Traunstein? Wir versiegeln eine Fläche nach der anderen und machen den Weg frei für ein neues Gewerbegebiet.«

Dr. Christian Hümmer sprach von einer »Doppelstrategie«. »Wir müssen die Innenstadt entwickeln, aber genauso wichtig ist es, dass die öffentliche Hand Grund und Boden bevorratet. Dann haben wir nämlich die Hand drauf, was dort entsteht.«

Wilfried Schott (Grüne) gefiel die Versiegelung einer weiteren großen Fläche nicht und Fraktionskollege Thomas Stadler verstand nicht, warum man die Sparkasse mit ihren Plänen unterstützen sollte. Außerdem sei die Frage des Grunderwerbs eine entscheidende.

Von verschiedenen Seiten war in der Sitzung die Frage in den Raum gestellt worden, warum die Stadt nicht selbst das Grundstück gekauft habe. Dazu Oberbürgermeister Christian Kegel: »Wir haben das ausgelotet. Aber nicht jeder ist bereit, an die Stadt zu verkaufen.«

»Warum wird da was Schlimmes vermutet?

Karl Schulz (CSU) konnte die ablehnende Haltung einiger Stadträte überhaupt nicht verstehen. »Warum wird da was Schlimmes vermutet? Was der Landkreis macht, ist nicht schlecht. Der handelt gemeinwohlorientiert.«

Oberbürgermeister Christian Kegel betonte auch, dass er das Ganze sehr, sehr positiv sehe. »Der Landkreis ist unser Partner.«

Dr. Thomas Graf (Traunsteiner Liste) sprach die möglichen Pläne der Sparkasse an. Er kritisierte, dass auf der einen Seite Filialen geschlossen würden und auf der anderen Seite in Haslach neu gebaut werden soll.

Dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholler-Niederlöhner (SPD) sprach andere Kommunen rund um Traunstein an. »Dort geht es auch auf der grünen Wiese«, betonte sie. Man dürfe nicht immer alles aufbauschen. Es stehe fest, dass dort kein Discounter hinkomme. »Aber trotzdem höre ich immer und immer wieder Gewerbe.« Mit einem Schmunzeln betonte sie: »Der Landkreis ist nicht böse.«

Auf rund 4500 Quadratmetern möchte dieser in den sozialen Wohnungsbau investieren. Dieses Vorhaben ist schon ziemlich konkret. »Es könnten hier zwischen 40 und 50 Wohnungen entstehen«, sagte Michael Reithmeier, der Pressesprecher des Landkreises. »Wir müssen in der Stadt unbedingt preisgünstige Angebote schaffen.« In erster Linie sollen die Wohnungen für die eigenen Mitarbeiter gebaut werden, also für Mitarbeiter der Kliniken, der Kreisaltenheime, des Bauhofs oder für Servicekräfte. »Sie haben Vorrang.« Doch auch andere könnten sich um die Wohnungen bewerben, betonte Reithmeier auf Nachfrage.

»Wir wissen es wirklich noch nicht«

Die weiteren rund 14.000 Quadratmeter bezeichnete der Pressesprecher als »Entwicklungsfläche«. Dort könnte in 10 bis 15 Jahren vielleicht eine Schule gebaut werden, oder auch weitere Wohnungen, »falls der Bedarf da ist«. Denkbar wäre auch ein Verwaltungsgebäude für den Landkreis. »Wir wissen es wirklich noch nicht, aber wir wollen handlungsbereit bleiben.«

Das betont auch die Sparkasse. Auf Nachfrage des Traunsteiner Tagblatts teilte das Kreditinstitut schriftlich mit: »Die Sparkasse will auf jeden Fall in der Stadtmitte von Traunstein bleiben. Entscheidend ist, dass wir uns hier zukunftsgerichtet entwickeln können. Konkret heißt das: Wir brauchen moderne Räumlichkeiten und eine gute Erreichbarkeit mit ausreichend Parkplätzen. Hier besteht großer Handlungsbedarf (...). Das Grundstück an der Hochstraße ist nur dann eine Option, wenn eine zukunftsgerichtete Entwicklung in der Stadtmitte nicht möglich ist.« KR