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Der Heilig-Geist-Steg ist jetzt fertig – Freigabe am Donnerstag

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Traunstein: Heilig-Geist-Steg jetzt fertig – Freigabe am Donnerstag
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Der Heilig-Geist-Steg konnte nun fertiggestellt werden. (Foto: Staatliches Bauamt Traunstein)

Traunstein – Nach langer Planungs- und Bauzeit kann nun am Donnerstag endlich die Fußgängerbrücke in Heilig Geist für Fußgänger und Radfahrer freigegeben werden. Das teilte das Staatliche Bauamt am Mittwoch mit. Kleine Restarbeiten werden noch bis Ende des Monats fertiggestellt.


Ab Donnerstag können Fußgänger und Radfahrer die B304 in Hallabruck unbehelligt vom Verkehrsaufkommen überqueren. Von den ersten Überlegungen bis zum jetzt fertiggestellten Bauwerk war eine Vielzahl planerischer, rechtlicher und technischer Hürden zu nehmen, sodass bis zur Freigabe letztlich mehr als zehn Jahre vergangen sind.

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Der Neubau der Geh- und Radwegbrücke steht in engem Zusammenhang mit dem Bau der Nordumfahrung von Traunstein im Zuge der B304. Im Planfeststellungsverfahren für die Umfahrung aus dem Jahr 2005 forderten sowohl die Stadt Traunstein als auch die Gemeinde Surberg eine sichere Querungsmöglichkeit der Bundesstraße.

Mit dem Planänderungsbeschluss vom April 2012 wurde in einem ersten Schritt die Verschiebung der Fußgängerquerungshilfe nach Osten – an die jetzige Stelle – genehmigt. Diese Querungshilfe wird auch jetzt nicht mehr zurückgebaut und kann im Bedarfsfall weiter genutzt werden.

In einem zweiten Schritt legte die Regierung von Oberbayern dann im November 2012 fest, dass eine höhenfreie Querungsmöglichkeit – also eine Brücke – errichtet werden muss. Grund dafür war die starke bauliche Verdichtung im Gebiet nördlich des Hallabrucker Berges. Besonders junge Familien mit kleinen Kindern haben sich dort niedergelassen. Zusammen mit der hohen prognostizierten Verkehrsbelastung der B304 wurde klar, dass die Sicherheit für die schwächeren Verkehrsteilnehmer langfristig nur mit einer Brücke gewährleistet werden kann. Nicht zuletzt sorgt die Brücke auch für eine höhere Barrierefreiheit sowie durch die Reduzierung der Brems- und Anfahrvorgänge für eine geringere Lärm- und Schmutzbelastung für die Anwohner.

Durch eine Klage zweier Anwohner gegen den zweiten Planänderungsbeschluss im Januar 2013 musste die zeitnahe Realisierung der Fußgängerbrücke allerdings vorerst auf Eis gelegt werden. Bis die Klage vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof nach einem Augenscheintermin in Traunstein verhandelt werden konnte, gingen weitere drei Jahre ins Land. In der mündlichen Verhandlung wurden die Klagen dann zurückgezogen.

Für die Planung und den Entwurf des Bauwerks waren viele Herausforderungen zu lösen, da die Brücke unter minimaler Beeinträchtigung des fließenden Verkehrs entstehen musste und zugleich ein standfestes, dauerhaftes und den gestalterischen Ansprüchen Traunsteins genügendes Bauwerk werden sollte.

Um den fließenden Verkehr aufrecht zu erhalten, musste eine leichte und filigrane Konstruktion entworfen werden, die in zwei Abschnitten hergestellt wurde und dann vor Ort mit dem Mobilkran eingehoben werden konnte. Im Winter wird die Brücke durch im Belag eingelassene Heizelemente von Schnee freigehalten. Dadurch konnten die Überbauteile überhaupt erst so leicht konstruiert werden, dass sie mit einem Kran eingehoben werden konnten.

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Die Grafik zeigt den Querschnitt des Heilig-Geist-Stegs aus dem Bauwerksentwurf. (Foto: Staatliches Bauamt Traunstein)

Die Baumaßnahme wurde im Februar 2018 öffentlich ausgeschrieben. Den Auftrag in Höhe von etwa 1,9 Millionen Euro erhielt die Porr Deutschland GmbH mit Niederlassung in Saaldorf-Surheim, die die Stahlbauleistungen und die zugehörige Werkplanung wiederum an einen Nachunternehmer vergeben hat.

Nach der Herstellung der Unterbauten erfolgte im Juni 2019 der Einhub der ersten Hälfte des stählernen Überbaus. Wie im Entwurf vorgesehen, musste die Bundesstraße dafür nur einen Sonntag lang gesperrt werden. Beim Einhub der zweiten Brückenhälfte Anfang August 2019 wurde leider klar, dass die Baumaßnahme so schnell noch nicht zum Ende kommen sollte: die beiden Brückenteile wiesen an der Stoßstelle so große Abweichungen auf, dass ein Verschweißen »unter Zwang« nicht möglich war (zu unserem Bericht).

Die Untersuchung eines Gutachters ergab schließlich, dass sich mehrere Ungenauigkeiten in der Fertigung der mehrachsig gekrümmten Überbauteile letztlich zu der größeren »Lücke« aufsummiert hatten. Es galt zu prüfen, ob eine Lösung für das Problem gefunden werden konnte, ohne den ersten Brückenteil wieder abzubauen und den Überbau vollständig neu anzufertigen. Der Austausch von nur wenigen Segmenten führte schließlich zu einem »insgesamt verträglichen geometrischen und statischen Zustand«, so das Bauamt in seiner Mitteilung.

Nachdem das umgesetzt worden war, wurden noch Restarbeiten wie der Einbau der Beleuchtung und der Heizelemente sowie das Aufbringen von Belägen und Beschichtungen erledigt. Auch diese Arbeiten sind inzwischen abgeschlossen.

Das Beispiel Heilig-Geist-Steg zeige, so das Bauamt, dass besonders aufwändige und konstruktiv anspruchsvolle Bauwerke viele Fehlerquellen bergen, die im vorliegenden Fall zu einer deutlichen Verlängerung der Bauzeit führten. Dennoch freuen sich alle Beteiligten, dass die Brücke nunmehr ihren Zweck erfüllen und Fußgänger wie Radfahrer sicher über die B304 bringen kann. Außerdem erhält die Stadt Traunstein mit diesem »außergewöhnlichen Brückenbauwerk ein repräsentatives Eingangstor«.

Über die Geschichte des ehemaligen Stadtteils Heilig Geist informiert zukünftig der Historische Verein für den Chiemgau zu Traunstein mit einer Infotafel, die auf der Plattform am Beginn des Rad- und Fußgängerüberwegs auf einem Steinsockel angebracht wird. Mit der Lieferung des Sockels und der Montage der Tafel rechnet das Bauamt gegen Ende August.

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