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Über eine Umbenennung der »Ludwig-Thoma-Volksschule« (unser Bild) und der »Ludwig-Thoma-Straße« wird in einem Forum diskutiert, das Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer einberuft. (Foto: Pültz)

Debatte um Umbenennung von Schule und Straße: Oberbürgermeister Hümmer will Gremium einberufen

Traunstein – Eine öffentliche Diskussion über eine Umbenennung der Ludwig-Thoma-Grundschule wie auch der Ludwig-Thoma-Straße will Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer (CSU) in die Wege leiten. Auf Anfrage des Traunsteiner Tagblatts hat er mitgeteilt, dass er ein Forum einberufen werde. Diese wichtige Diskussion werde »keinesfalls still und heimlich in irgendwelchen Hinterzimmern geführt«.


Nicht ohne Grund hält gerade auch die Stadt Traunstein die Erinnerung an Ludwig Thoma (1867 bis 1921) wach. Schließlich hat er von 1890 bis 1893 als Rechtspraktikant in Traunstein gelebt und einiges aus der Stadt in seine literarischen Werke miteinfließen lassen. Eine Grundschule in Traunstein trägt seinen Namen, ebenso eine Straße. Und am Haus, das Ludwig Thoma einst Unterkunft geboten hatte, hängt eine Erinnerungstafel.

Ludwig Thoma ist für viele der größte bayerische Dichter. Aufgrund von reaktionären und antisemitischen Veröffentlichungen am Ende seines Lebens wird er aber seit einigen Jahren zunehmend kritisch betrachtet. Anlässlich des 100. Todestages des Schriftstellers entbrannte die Debatte heuer erneut. Landauf, landab ergab sich dieselbe Diskussion: die Frage, ob Straßen und Plätze, ob Schulen nach wie vor den Namen Ludwig Thoma tragen sollen. Auch in Traunstein warf und wirft man einen kritischen Blick auf den Dichter und sein Werk.

»Ludwig Thoma war einer der größten bayerischen Dichter, er war aber auch ein menschenverachtender Hetzer«, sagt Hümmer. Deshalb sei eine Auseinandersetzung mit der Person Ludwig Thoma und deren antisemitischen Hetzschriften unverzichtbar. »Ob es eine Umbenennung der Ludwig-Thoma-Grundschule oder der Ludwig-Thoma-Straße geben soll, will die Große Kreisstadt Traunstein breit in der Öffentlichkeit diskutieren.« Um diesen Prozess zu ermöglichen, werde er ein »Ludwig-Thoma-Forum« einberufen. Der Oberbürgermeister betont: »Keinesfalls wird diese wichtige und kontroverse Diskussion still und heimlich in irgendwelchen Hinterzimmern geführt. Die Entscheidung und vor allem der Prozess, der zu dieser Entscheidung führt, werden öffentlich sein.«

»Ich persönlich habe die Werke Thomas – vor allem seine Lausbubengeschichten – in den fernsehlosen Abenden meiner Kinderzeit mit Vergnügen gelesen und ihn später als Erwachsener in weiteren Werken – Filmen und Büchern – näher kennengelernt«, sagt Hans Helmberger, der Vorsitzende des Historischen Vereins für den Chiemgau zu Traunstein. Von Thomas antisemitischer Haltung, die in den unsäglichen Hetzartikeln im Miesbacher Anzeiger extrem zum Ausdruck gekommen sei, habe er, Helmberger, erst später erfahren. Für ihn sei Thoma aufgrund des dichterischen und schriftstellerischen Werks, der sozialkritischen, satirischen und humoristischen Stücke, dennoch der »bedeutendste altbayerische Dichter und Schriftsteller von großer Wortmacht«. Wie Gerhard Polt sagt auch Hans Helmberger, man müsse Werk und Autor trennen. Ob es richtig ist, Thoma aus dem öffentlichen Leben zu »verbannen«, möchte der Vorsitzende des Historischen Vereins, wie er sagt, bezweifeln.

Was insbesondere die Ludwig-Thoma-Grundschule betreffe, so spricht sich Helmberger dafür aus, öffentlich die guten und die schlechten Seiten Thomas anzusprechen und zu diskutieren – natürlich auch mit den Vertreterinnen und Vertretern der Grundschule sowie, kindgerecht, auch mit deren Schülerinnen und Schülern. Nach Abwägung aller Fakten sollte sich dann die Stadt für oder gegen eine Umbenennung der Schule aussprechen, die ohnehin letztlich dem Kultusministerium vorbehalten ist.

Bei der Umbenennung von Straßen oder Schulen gilt es laut Stadtheimatpflegerin Dr. Lydia Großpietsch zu unterscheiden: Für die Umbenennung einer Straße oder eines Platzes oder ähnlichem sei die Stadtverwaltung beziehungsweise der Stadtrat zuständig, bei einer Schule die Schulfamilie für die Antragstellung und die Regierung von Oberbayern für die Genehmigung. Bei Straßen, Plätzen, Gebäuden gebe es darüber hinaus die Möglichkeit der Kontextualisierung, das heißt, dem Straßenschild werde dann ein erklärender Text beigefügt.

Die Diskussion über die Umbenennung von Straßen et cetera, die nach historisch belasteten Personen benannt sind, gebe es schon länger. In verschiedenen Städten – unter anderem in Augsburg, München, Leipzig und Salzburg – seien diesbezüglich Historikerkommissionen eingesetzt worden, die sich in der überwiegenden Zahl der Fälle für eine Umbenennung oder auch für eine Kontextualisierung ausgesprochen haben. Die Stadtverantwortlichen seien mit den Ergebnissen der Expertenkommissionen sehr unterschiedlich umgegangen. »Auch hinsichtlich Ludwig Thoma ist die Diskussion nicht neu«, so Großpietsch.

Alexander Fietz, der Rektor der Ludwig-Thoma-Grundschule, meinte: »Derzeit wird in mehreren Orten eine Umbenennung von Einrichtungen und Straßen diskutiert, die nach Ludwig Thoma benannt sind. Hierzu ist ein Abstimmungsprozess mit der Stadt Traunstein im Gang.«

Diskussion über Umbenennung in München: Noch keine Entscheidung

Die Stadt München hat sich noch nicht entschieden, ob sie die Ludwig-Thoma-Straße in Pasing umbenennt. Eine Expertenkommission hatte empfohlen, ihr einen neuen Namen zu geben.

»Das mit der Thematik der historisch belasteten Straßennamen beauftragte Expertengremium der Landeshauptstadt München hat sich in seiner Sitzung am 15. April mit der Ludwig-Thoma-Straße befasst und eine Umbenennungsempfehlung formuliert«, berichtet Matthias Kristlbauer vom Presse- und Informationsamt der Stadt auf Anfrage des Traunsteiner Tagblatts. Und weiter: »Der stadtinterne Meinungsbildungsprozess zum künftigen Umgang mit der Ludwig-Thoma-Straße ist noch nicht abgeschlossen. Der Stadtrat wird zu gegebener Zeit mit der Ludwig-Thoma-Straße befasst werden.«

Schon seit 1990 verleiht die Stadt München keine »Ludwig-Thoma-Medaille« mehr. Einige Träger haben die Auszeichnung zurückgegeben, um sich von ihrem Namensgeber zu distanzieren.

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