Das erste Semester in Traunstein ist Geschichte

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Die Teilnehmer des Zertifikatsprogramms »Digitalisierung im Maschinenbau« unternahmen unter anderem auch eine virtuelle Exkursion im Virtual Dimension Center im Schwarzwald.

Traunstein – Die Bezeichnung ist nach wie vor ungewohnt, doch sie ist zutreffend: Traunstein ist eine Hochschulstadt. Im November hat die Technische Hochschule (TH) Rosenheim an ihrem neuen Standort Traunstein das Zertifikatsprogramm »Digitalisierung im Maschinenbau« gestartet, jetzt ist Halbzeit: Das erste von zwei Semestern sei erfolgreich abgeschlossen worden, berichtet Professor Dr. Andreas Straube, der Standortleiter der TH Rosenheim am – im Aufbau befindlichen – Campus Chiemgau in Traunstein.


Der Campus Chiemgau ist eine Initiative des Landkreises Traunstein. Die Bildungspartner sind die TH Rosenheim, das Bildungszentrum der Handwerkskammer (HWK) für München und Oberbayern, sowie die Akademie der Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern. Das Campusgelände befindet sich am Bahnhof. Die Errichtung von Gebäuden ist in Planung, die TH Rosenheim entfaltet bis auf Weiteres Aktivitäten andernorts in der Stadt.

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Die TH Rosenheim engagiert sich seit 2019 am Campus Chiemgau und hat zunächst mit ein- bis dreitägigen Seminaren die regionale Nachfrage aus Unternehmen bedient. Im November 2020 rief sie dann das berufsbegleitende Zertifikatsprogramm »Digitalisierung im Maschinenbau« ins Leben. Letzteres läuft aufgrund der Corona-Pandemie vollständig digital mittels der Video-Konferenz-Software Zoom. Die Teilnehmer des Programms kommen aus lokalen Unternehmen und Branchen wie der BSH Hausgeräte GmbH in Traunreut, der Linde GmbH in Tacherting und einer Unternehmensberatung aus München.

»Die Arbeitswelt rund um die Produktion wird immer 'smarter'. Und so eröffnet mir der Kurs 'Digitalisierung im Maschinenbau' vielerlei Chancen im Beruf«, sagt Markus Hetzel, einer der Programmteilnehmer. Zum einen lerne er, digitale Systeme besser zu verstehen. Zum anderen erfahre er vieles über zukunftsorientierte Technologien.

Das Zertifikatsprogramm erstreckt sich über zwei Semester, von denen der erste Teil nun schon bewältigt ist. Inhaltliche Themen des ersten Semesters verteilten sich auf drei Module. Das erste zum Thema »sicherheitskritische Systeme und security« wurde den Teilnehmern von drei Professoren aus dem Bereich Informatik der TH Rosenheim nähergebracht. Das zweite Modul zur »agilen Produktentwicklung« übernahmen zwei Selbstständige, die vormals die TH besucht hatten. Und »digitale Produktion«, das dritte Modul, stellten zwei Professoren aus dem Bereich Wirtschaftsingenieurwesen vor.

Es gab bereits einige Höhepunkte zu verzeichnen. So erschien zu einer digitalen Veranstaltung völlig unerwartet Ministerpräsident Markus Söder. Der Ministerpräsident redete und gestikulierte, doch aus zunächst ungeklärten Gründen ließ sich sein Mikrofon nicht aktivieren. Söder konnte dennoch die Teilnehmer des Zertifikatsprogramms hören und beantwortete Fragen durch Gesten wie Kopfschütteln. Nach kurzer Zeit wurde der Spuk von Professor Straube aufgelöst. Es stellte sich heraus, dass nicht etwa der Ministerpräsident höchstpersönlich anwesend war, sondern ein von ihm mit künstlicher Intelligenz zum Leben erwecktes Bild. Die zugrunde liegende Technologie wurde erklärt und anschließend mithilfe eines Screenshots eines anderen Teilnehmers kurzerhand demonstriert.

»Die Inhalte erachte ich bisher als sehr ausgewogen«, sagte Programmteilnehmer Manuel Meier. »Sie bilden einen sehr guten gemeinsamen Konsens zwischen Maschinenbau und Digitalisierung beziehungsweise IT-Landschaft. Genau das ist es, was vielen Unternehmen noch fehlt.«

Die Begeisterung für das Zertifikatsprogramm »Digitalisierung Maschinenbau« ist auf allen Seiten groß. Teilnehmer sind die Gründungsmitglieder des Netzwerks »Digitalisierungsexperten im Chiemgau«. Im Rahmen dessen können sich die ehemaligen Teilnehmer mehrmals im Jahr zu sozialen Veranstaltungen und Themen der Digitalisierung austauschen. Das nächste Zertifikatsprogramm startet im Oktober. Weitere Auskünfte gibt Sylvia Posch, TH Rosenheim, unter Telefon 08031/8 05 22 75. pü

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