Coronavirus war in der Ausbildung allgegenwärtig

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Bei der Zeugnisübergabe der Berufsfachschule für Krankenpflege erhielten (v. l.) Alexander Kupka (Waging), Emily Demmel (Traunstein) und Benedikt Riedel (Traunstein) einen Staatspreis der Regierung von Oberbayern. Rechts im Bild ist Schulleiter Lutz Krüger. (Foto: Buthke)

Traunstein – Bei einer corona-bedingt kleinen Feier im Bildungszentrum für Gesundheitsberufe der Kliniken Südostbayern AG erhielten 14 frisch examinierte Gesundheits- und Krankenpfleger der Berufsfachschule für Krankenpflege Traunstein ihre Zeugnisse. Für besondere schulische Leistungen erhielten Emily Demmel aus Traunstein, Alexander Kupka aus Waging und Benedikt Riedel aus Traunstein einen Staatspreis der Regierung von Oberbayern.


Für die Auszubildenden sei das letzte Jahr ihrer Ausbildung anders als geplant verlaufen, denn das Virus sei allgegenwärtig gewesen, betonte Schulleiter Lutz Krüger. Sie alle hätten die Corona-Pandemie vom ersten bis zum letzten Tag miterlebt. Es blieben jedoch die vielen Erlebnisse, die sie sammelten, Freundschaften, die sich gebildet haben, und die vielen Begegnungen mit Patienten, Dozenten und Lehrern. Nun machten sie sich auf den nächsten Weg, würden neue Erfahrungen sammeln und sich mehr und mehr zum Experten in der Pflege entwickeln.

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Ausbildung für alle Pflegebereiche

Die Pflegeausbildung sei gerade dabei, sich zu verändern, fuhr Krüger fort. Mit der generalistischen Pflegeausbildung werde der Pflegeberuf attraktiver. »Die neuen Pflegefachfrauen und -männer sollen die Möglichkeit haben, in allen pflegerischen Bereichen ihren Job zu machen«, so der Schulleiter.

Die Krankenpflegeschule Traunstein habe in der Region mit der Bildung des »Ausbildungsverbunds Pflege« der Landkreise Traunstein und Berchtesgadener Land eine große Aufgabe bekommen. Sie bilde nun nicht nur für die Kliniken Südostbayern AG, sondern für alle Einrichtungen der Langzeitpflege und der ambulanten Pflege in beiden Landkreisen aus. So wie die Berechnung momentan ausschaue, werde der Bedarf in allen Bereichen steigen, sagte Krüger.

Drei intensive, fordernde Ausbildungsjahre mit 2100 Theoriestunden und 2500 Praxisstunden lägen nun hinten ihnen, erklärte der Medizinische Direktor der Kliniken Südostbayern AG, Dr. Stefan Paech. Hygiene- und Schutzmaßnahmen im Rahmen der Corona-Pandemie hätten sie in den letzten Monaten der praktischen und theoretischen Ausbildung besonders gefordert. Zudem hätten sie einen großen Beitrag zur Patientenversorgung geleistet. Umso mehr sei man stolz auf die hervorragenden Leistungen in Theorie und Praxis.

Die Staatspreisträger bestätigten nicht nur die besondere Leistungsfähigkeit dieses Examensjahrgangs, sondern auch die herausragende Ausbildungsqualität der Krankenpflegeschule. Ferner betonte Dr. Paech, dass der Kliniken Südostbayern AG die Weiterbildung stets wichtig sei und sie weiter investieren werde, um junge Menschen für die Pflege zu begeistern.

Nun gelte es, das erworbene Wissen anzuwenden und Mitverantwortung im Team für gute Prozessqualität und Organisation zu übernehmen. Die zunehmend arbeitsteiliger werdende Patientenversorgung, bei der viele Berufsgruppen zusammenarbeiteten, erfordere eine gute Abstimmung und Professionalisierung. Jede Berufsgruppe solle sich auf die Aufgaben, die sie am besten könne, konzentrieren.

Freiräume für Tätigkeit am Patienten geschaffen

In den letzten Jahren habe auch die Kliniken Südostbayern AG Prozesse in der Patientenversorgung optimiert, um Freiräume für die Tätigkeit am Patienten zu schaffen. Man habe schon viel erreicht, sei aber noch nicht am Ende des Wegs. An den Standorten im Berchtesgadener Land werde aktuell die Digitale Krankenakte eingeführt. Gerade die Corona-Pandemie habe gezeigt, wie wichtig die Verfügbarkeit digitaler Kommunikationstechnik in der Patientenversorgung sei, sagte Dr. Paech. Vor wenigen Monaten noch schwer vorstellbar, seien Online-Sprechstunden und -Unterricht in Schulen und Universitäten selbstverständlich geworden.

Die Absolventen hätten mit großem Einsatz dazu beigetragen, die Patientenversorgung aufrecht zu erhalten und die notwendigen Anpassungen im Unterricht mitgetragen. Gerade die vergangenen Monate hätten verdeutlicht, wie wichtig ein gut funktionierendes Gesundheitssystem mit motivierten, hoch qualifizierten Fachkräften sei. Besonders der Einsatz der Pflegekräfte sei von der Gesellschaft in hohem Maße wahrgenommen worden und habe große Anerkennung gefunden.

Als Pflegende im interprofessionellen Team seien sie mitten im Geschehen der Corona-Pandemie, sagte Manuela Großauer, Pflegedirektorin der Kliniken Südostbayern AG. Schwerstkranke Patienten in sozialer Distanz zu versorgen, sei schwer auszuhalten, wo doch die Beziehungsarbeit Grundlage pflegerischen Handelns sei. Überlastung und Pflegenotstand bräuchten einen Masterplan, um den Pflegeberuf attraktiv zu halten. Großauer nannte als Beispiele eine Bildungsoffensive mit Ausbau von grundständigen Studiengängen für wissenschaftlichen Nachwuchs, neue Aufgabenfelder für die Pflege, eine adäquate Bezahlung, besonders in der Altenpflege, und die passende Refinanzierung, damit die Arbeitgeber dies auch umzusetzen könnten.

Sie hätten sich viel Wissen angeeignet und schwerst erkrankten Patienten Sicherheit vermittelt. Sie hätten für viele Patienten den Weg zur Genesung mit ermöglicht, betonte Großauer. Die gesamte Gesundheitsversorgung stehe und falle mit der professionellen Pflege. Deshalb forderte sie die Absolventen auf, weiterhin mutig zu sein, sich einzubringen und dem Beruf treu zu bleiben. Dem Corona-Pandemie-Geschehen angepasst übermittelten Landrat Siegfried Walch und Traunsteins Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer ihre Glückwünsche mittels Videobotschaft. Über das schulische Geschehen in der Klasse berichteten Klassenleiterin Marika Köppl und Klassensprecher Lukas Berger.

Die erfolgreichen Absolventen des Staatsexamens waren: Lukas Berger (Kitzbühel), Emily Demmel (Traunstein), Anna Fellner (Rottau), Amenda Hajdari (Grassau), Josephine Hegemann (Seeon), Maria Hennes (Grabenstätt), Alexander Kupka (Waging), Lenka Luptakova (Obing), Sabrina Pereda-Krall (Traunstein), Benedikt Riedel (Traunstein), Nadine Schaffer (Braunau), Franziska Wieland (Traunreut) und Xenia Winkler (Traunstein).

Bjr

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