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Corona schränkt Partnerschaft mehr ein als der Brexit

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Ihre Wertschätzung für die Kampagne »niemanden vergessen« drückte Ihre Königliche Hoheit Prinzessin Anne durch einen persönlichen Besuch in der Traunsteiner Partnerstadt Haywards Heath aus. Unser Bild zeigt sie (rechts) beim Besuch im Rathaus mit Bürgermeister Alastair McPherson (links) und freiwilligen Helfern der Aktion.

Traunstein – Wie beeinflusst der Brexit die Städtepartnerschaft zwischen Traunstein und Haywards Heath? Und wie geht es den Menschen dort mit der Corona-Pandemie? Mit Hilfe des Vorsitzenden des Freundschaftsclubs Haywards Heath, Günter Miedaner, sprach das Traunsteiner Tagblatt über die aktuelle Lage in der Partnerstadt mit Bürgermeister Alastair McPherson und Irene Balls, der Vorsitzenden der Twinning Association, dem britischen Pendant zum Traunsteiner Freundschaftsclub.


Über Corona berichtet McPherson: »Seit März war das Rathaus lange geschlossen, die Mitarbeiter arbeiteten von daheim. Aber über die Arbeit als Bürgermeister hinaus habe ich einige Gemeinschaftsprojekte auf den Weg gebracht.«

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Prinzessin Anne lobt »niemanden vergessen«

Im Rahmen des Projekts »niemanden vergessen« gab man Senioren und Risikopatienten in Haywards Heath und den Nachbardörfern Cuckfield und Lindfield eine Telefonnummer. Hier erhielten sie Hilfe wie Zuwendung, Gespräche oder auch Lebensmittel. »Wir installierten ein städtisches Lebensmittel-Not-Zentrum. Zahlreiche Lebensmittel-Pakete wurden an bedürftige Familien gesendet. An Weihnachten riefen wir bei allein lebenden Senioren an und schickten Geschenkpäckchen«, so McPherson.

Eine besondere Würdigung ihrer Leistungen erhielten die Helfer von Prinzessin Anne, die – aufmerksam geworden durch McPhersons Informationen auf der städtischen Internetseite – eigens nach Haywards Heath kam.

Zum Brexit schreibt McPherson, er werde mit seinem Nachfolger im April und Mai zusammenarbeiten, um die Beziehungen zu Traunstein zu stärken. »Ich werde Anfang Mai mein Amt an meinen Nachfolger übergeben.«

»In England sind die Bürgermeister ehrenamtlich tätig und werden in der Regel für zwei Jahre aus den Reihen der Stadträte gewählt. Meist wird der stellvertretende Bürgermeister dann Bürgermeister«, erklärt Miedaner. Weiter schreibt McPherson: »Der britische Impfplan scheint gut zu funktionieren. Derzeit haben wir rund vier Millionen Menschen geimpft, und wir hoffen, dass wir bald die über 70-Jährigen impfen, die über 50-Jährigen dann Mitte März.«

Ansonsten ergeht es den Menschen in der Partnerstadt ähnlich wie denen hierzulande: »Freunde von mir, beide über 80 Jahre, hatten mir Weihnachten erzählt, einen Impftermin bekommen zu haben. Das Weihnachtsfest fand für sie ohne Familie statt, und auch sonst gibt es fast keine persönlichen Kontakte mehr. Jeden Tag wird ein Spaziergang unternommen, um fit zu bleiben«, so Miedaner.

»Schicken Traunstein die besten Wünsche«

»Wir freuen uns sehr darauf, Traunstein wieder zu besuchen, wenn Corona vorbei ist. Bis dahin schicken wir Traunstein auf diesem Wege die besten Wünsche für das neue Jahr«, schließt McPherson. Leider mussten ja Begegnungen zwischen den Bürgern der beiden Partnerstädte abgesagt werden, erklärt Miedaner weiter; ein geplanter Besuch des Freundschaftsclubs in Haywards Heath ebenso wie private Begegnungen. McPherson wollte seinen im letzten Jahr corona-bedingt verschobenen Urlaub in Traunstein nun an Ostern nachholen und den Georgiritt sehen. Doch der Ritt fällt ja aus. Aber auch für den Urlaub in Traunstein sieht es eher schlecht aus.

»Wir befinden uns im Wettlauf mit der Verbreitung des Virus«, schreibt Irene Balls, die Vorsitzende der Twinning Association. Die Botschaft der Nationalen Gesundheitsbehörde NHS England sei: »Wir impfen viermal so schnell, wie sich das Virus ausbreitet«. Die Verteilung des Impfstoffs an die über 70-Jährigen und Risikopatienten beginne gerade. Hauptsorge sei die Überbelegung der Kliniken, vor allem in London. »Die gute Nachricht ist, die Infektionskurve wird flacher«, so Balls.

Der Lockdown scheine zu funktionieren. Die Regierung hoffe, langsam Regelungen lockern zu können, vielleicht schon im März. Auch, wenn es diesmal kein abendliches Klatschen für den Gesundheitsdienst gebe, sei der Zusammenhalt stark. Viele Menschen helfen anderen bei den verschiedensten Problemen. »Die Lage hier bleibt ernst, aber die Impfstoffe geben uns Hoffnung auf Gesundheit und Freiheit.«

Zum Brexit schreibt sie: »EU-Bürger, die in Großbritannien bleiben möchten, können ihren Wohnort registrieren lassen. Ich kann nicht sagen, welche Pläne es für Schüler- und Studentenaustausch gibt. Aber das Hauptproblem für internationale Reisen ist Corona.« Das ist auch das Hauptthema der Twinning Association. »Ist die Pandemie vorbei, werden wir unsere Beziehungen zu Traunstein erneuern«, schreibt Balls.

Brexit stärkt Beziehungen vielleicht sogar

Zur 25-Jahr-Feier der Städte-Partnerschaft habe man ja versprochen, »dass der Brexit keinen negativen Einfluss auf die künftigen Beziehungen zu Traunstein haben wird«. Im Gegenteil werde der Brexit diese möglicherweise sogar stärken. So habe auch der deutsche Botschafter Andreas Michaelis bei der Jahreshauptversammlung der British German Association versprochen, die Beziehungen zu fördern.

Dazu sagt auch Miedaner: »Ich kann dies nur bestätigen. Der Brexit spielt in den Beziehungen und Freundschaften der beiden Städte kaum eine Rolle.« Miedaner geht sogar davon aus, dass zur Verständigung beider Länder die Städtepartnerschaften wie auch alle anderen Formen der nicht staatlichen Zusammenarbeit wichtig würden. Städtefreundschaften, der Schüleraustausch, Begegnungen in Sport und Kultur »bringen Menschen zusammen, man lernt den anderen kennen und verstehen und stellt fest, dass es gerade zwischen England und Deutschland doch viele Gemeinsamkeiten gibt«, so Miedaner.

Doch liegt der Schüleraustausch zwischen der Reiffenstuel-Realschule und dem Oathall Community College Haywards Heath coronabedingt derzeit auf Eis. Zum einen, so berichtet Tim Berliner von der Realschule, wurde der Austausch im letzten Jahr abgesagt und zum anderen sei für heuer die Planung noch aufgeschoben. Eine Entscheidung für dieses Jahr (im Juli kämen die englischen Schüler und im September würde Haywards Heath besucht) sei noch nicht getroffen, aber derzeit erlaube das Kultusministerium auch keine Fahrten. Beide Schulen seien aber bereit, sofort wieder loszulegen, sobald es aus Sicherheitsgründen vertretbar ist, so Berliner.

Aus Schüleraustausch entstand Partnerschaft

Dieser Schüleraustausch findet seit 1977 jedes Jahr statt. Er war die Grundlage für die Städtepartnerschaft: 1987 wurde neben der Schulfreundschaft mit der Gründung des Freundschaftsclubs die Beziehung mit der südenglischen Stadt erweitert, 1993 wurde die offizielle Städtepartnerschaft gegründet.

»Hoffen wir, dass es auch weiterhin Menschen gibt, die sich für diese Verständigung einsetzen und Menschen, die dieses Engagement finanziell unterstützen,« sagt Miedaner. Auch wenn er selbst sich einen Verbleib Großbritanniens in der EU gewünscht hätte, sehe er im Brexit nicht die Abkehr Großbritanniens von Europa. »Es ist vielmehr die Unzufriedenheit mit einer Institution, die in den vielen Jahren etwas entstaubt und wieder fahrbereit gemacht werden muss, ähnlich einem Oldtimer, der zu lange in der Garage stand.«

coho

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