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Cannabis-Brösel auf der Buben-Toilette des Jugendtreffs

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Im Jugendtreff sind allem Anschein nach Drogen im Umlauf. (Foto: Pültz)

Traunstein – Alarm schlägt Petra Breutel, die Leiterin des Jugendtreffs der Stadt Traunstein: Allem Anschein nach konsumieren Besucher der Einrichtung im und vor dem Haus am Brunnenhof Drogen. Sie sehe es nicht, »aber ich rieche es«, sagte sie im Hauptausschuss des Stadtrats. Sie präsentierte den Bericht für das Jahr 2018 und stand dem Gremium anschließend Rede und Antwort.


Auf frischer Tat ertappt hat die Stadtjugendpflegerin nach eigenen Angaben noch niemanden. Doch Spuren des Drogenkonsums hat sie bereits entdecken müssen. So sagte Breutel nach der Sitzung im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt, dass sie »Cannabis-Brösel« auf der Buben-Toilette gefunden und das WC dann vorübergehend geschlossen habe. Cannabis oder Hanf gilt als weiche, harmlose Droge, aus ihm wird Marihuana und Haschisch gemacht.

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»Zurzeit ist es heftig«, macht Breutel kein Hehl daraus, dass sie alle Hände voll zu tun hat, den Andrang auf das Jugendcafé am Rathaus zu bewältigen. Vor fünf Jahren waren ihren Angaben zufolge gerade einmal 20 bis 30 Besucher regelmäßig zu Gast, jetzt sind es etwa 150. Sie freut sich einerseits, dass die Jugendlichen den Treff so gut annehmen, andererseits muss sie feststellen, dass sie nun nicht mehr alle kennt. Sie immer und überall zu beaufsichtigen sei nicht möglich. »Ich kann keine 150 Jugendlichen kontrollieren.«

Die Stadtjugendpflegerin sagte, dass das Thema Drogen längst nicht nur im und am Jugendtrefff aktuell sei, sondern auch an anderen Orten in der Stadt – beispielsweise am Bahnhof. Die Polizei sei verstärkt im Einsatz.

Jugendliche kommen zusammen und kochen

Breutel und ihre Helfer setzen vor allem auf Prävention. Um die Jugendlichen über die Gefahren aufzuklären, die der Drogenkonsum mit sich bringt, sucht die Stadtjugendpflegerin den Kontakt zur Polizei. So berichtete sie, dass sie den Jugendbeauftragten der Polizeiinspektion Traunstein ins Haus geholt habe. Er habe die Drogenproblematik auch und gerade von der rechtlichen Seite her beleuchtet. Außerdem habe ein ehemaliger Drogenabhängiger, der zehn Jahre im Gefängnis gesessen sei, aus seinem Leben erzählt – was »die Jugendlichen sehr beeindruckt hat«.

In ihrem Jahresrückblick gab Breutel einen Einblick in das reichhaltige Programm, das die Stadt auch im vergangenen Jahr wieder in ihrer offenen Jugendarbeit anbot. In der Abgrenzung zur Drogenproblematik betonte Breutel, dass »wir auch schöne Sachen machen«. So kommen Jugendliche zum Beispiel auch zusammen, um gemeinsam zu kochen.

Zu den Angeboten gehört auch das »offene Atelier der Jugend«, das 2017 in Räumen der Schule der Phantasie gegenüber dem »Jugendcafé« seine Pforten geöffnet hat. Immer ein Künstler aus der Region arbeitet dort jeden Freitag mit den Jugendlichen. Nach Angaben von Breutel nehmen jedes Mal »fünf bis 20 Jugendliche« das Angebot wahr – und zwar vorzugsweise Mädchen.

Im September startet die Stadtjugendpflegerin ein Pilotprojekt. Zum Ziel setzt sie sich, dass die Jugendlichen ihr Café dann selbst führen – was heißt, dass sie auf Honorarbasis Getränke und Snacks verkaufen. »Sie erstellen Speisenkarten und Tagesangebote«, so Breutel. Die Anstellung auf Honorarbasis habe den »Charakter einer Arbeitsstelle«.

»Wir können nur   Angebote machen«

Oberbürgermeister Christian Kegel betonte, dass Breutel eine »extrem wichtige und vor allem extrem gute Arbeit« leiste. Die Probleme, die die Stadtjugendpflegerin angesprochen habe, seien auch in anderen Gemeinden gegeben. Der Oberbürgermeister sagte: »Wir können die Jugendlichen nicht erziehen, wir können nur Angebote machen.« Was die Vermittlung von Werten betrifft, sah der Rathauschef die Eltern in der Verantwortung.

Auf Anfrage von Ernst Haider (UW)) sagte Breutel, dass sich die Drogenproblematik in der jüngsten Vergangenheit verschärft habe. Kegel gab zu bedenken, dass – wie Breutel in ihrem Bericht ausgeführt hatte – etwa ein Drittel aller Besucher des Jugendtreffs nicht aus Traunstein, sondern aus der Umgebung kommen. Die Zahlen belegen laut dem Oberbürgermeister, dass auch andere Kommunen aufgefordert sind, etwas zu unternehmen.

Christa Fuchs (CSU) sagte, dass allem Anschein nach vor allem im Umfeld des Jugendtreffs in Sachen Drogen etwas läuft. Dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholler-Niederlöhner (SPD) meinte, dass sie die Beobachtungen und Einschätzungen von Breutel »nur zum Teil« bestätigen könne. Nichtsdestoweniger wären »mehr Kontrollen schon wichtig«.

Jugendreferent Thomas Stadler (Bündnis 90/Die Grünen) sagte, dass ihm die Drogenproblematik »schon länger unter den Nägeln brennt«. Es sei wichtig, »offen darüber zu reden«. Als Zielsetzung gab er aus, gemeinsam zu versuchen, dass Jugendliche nicht abdriften – was viel wichtiger sei, als etwa Namen zu erfassen. Stadler würdigte vor allem auch die »positive Arbeit« im Jugendtreff. So kommen dort laut Stadler nicht zuletzt Jugendliche aus unterschiedlichen Kulturen zusammen und lernen sich kennen.

Dass es Probleme in einem Jugendtreff gibt, darf laut Kegel nicht überraschen. Und der Oberbürgermeister weiter: »Es ist keine Alternative, keinen Jugendtreff anzubieten.«