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Bus und Rad statt Auto: Maßnahmen für Energiewende diskutiert

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Der Arbeitskreis Energie und Klimaschutz regt an, auf einer Reihe von Straßen jeweils einen sogenannten geteilten Verkehrsraum zu schaffen, Auto- und Radfahrern gleiche Rechte zu geben und dann das Tempo auf 30 km/h zu begrenzen. Auch auf der Äußeren Rosenheimer Straße Richtung Stadtmitte ist eine derartige Maßnahme angedacht. (Foto: Pültz)

Traunstein – Ein Bündel von Maßnahmen für eine Energiewende in Traunstein hat der Arbeitskreis (AK) Energie und Klimaschutz des Stadtrats erarbeitet. Die Zielsetzung lautet, Anreize zu schaffen, damit die Bürger vom Auto in den Bus umsteigen oder aber sich auf das Fahrrad setzen.


So schlägt der Arbeitskreis etwa vor, die Fahrpreise im Bus zu verringern wie auch auf vielen Straßen »geteilte Verkehrsräume« für Auto- und Radfahrer mit durchgehend Tempo 30 auszuweisen. Der Umweltausschuss des Stadtrats hat sich dafür ausgesprochen, die Anregungen weiter zu verfolgen, und die Verwaltung beauftragt, zeitnah einzelne Beschlussvorlagen vorzulegen.

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Die Traunsteiner Liste hatte im Sommer des vergangenen Jahres beantragt, innerhalb eines Jahres Maßnahmen zur Energiewende in Traunstein zu entwickeln – und zwar in den Bereichen Verkehr, Strom und Wärme. In der Folge beschäftigte sich der Arbeitskreis Energie und Klimaschutz mit diesem Thema, ehe er jetzt in einem ersten Schritt überwiegend Maßnahmen im Bereich Verkehr vorschlug. Bis zum Frühjahr will er in einer zweiten Phase die Felder Strom und Wärme betrachten.

Dr. Thomas Graf (Traunsteiner Liste) – er hatte im vergangenen Jahr den Antrag gestellt, sich mit dem Thema Energiewende zu befassen – sagte im Umweltausschuss, dass man im Arbeitskreis Engagement spüre. Allen sei bewusst, »dass die Zeit drängt.«

Der Arbeitskreis hält, wie aus den ersten Ergebnissen, die er nun vorlegte, hervorgeht, eine Stärkung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) und des Radverkehrs schwerpunktmäßig für erforderlich. Um einen Umstieg vom Pkw in die Busse und aufs Fahrrad einzuleiten, sei die Attraktivität in diesen Bereichen über eine Verbesserung und Ausweitung der Angebote unerlässlich.

Mit dieser Zielsetzung stellte der Arbeitskreis zahlreiche Vorschläge und Anregungen zur Diskussion. Unter anderem sollten seiner Ansicht nach künftig alle Fahrten mit dem Stadtbus und überörtlichen Linien innerhalb von Traunstein nur noch jeweils einen Euro kosten. Um die Senkung zu finanzieren, könnte die Stadt im Gegenzug unter anderem die Parkgebühren auf dem Karl-Theodor-Platz von derzeit 60 Cent auf einen Euro pro Stunde erhöhen. In Absprache mit dem für den ÖPNV zuständigen Landkreis sollte die Taktung verbessert werden. Als Ziel gibt der Arbeitskreis aus, alle bisherigen Linien stündlich zu bedienen.

Um den Radverkehr zu begünstigen, schlägt der AK die Einrichtung sogenannter geteilter Verkehrsräume vor. Ein »shared space« bringt jeweils die Gleichberechtigung von Rad- und Autofahrern und – wo nicht geschehen – eine Verringerung der maximal zulässigen Geschwindigkeit auf 30 km/h. Geteilte Verkehrsräume sollte die Stadt laut dem Arbeitskreis auf zahlreichen Straßen einrichten.

Als weitere Ziele nennt der AK eine verstärkte Unterstützung für das Carsharing Traunstein, die Renaturierung der Pechschneid und die Weiterführung des Umrüstungsprogramms der Straßenbeleuchtung auf LED. Um die Anstrengungen zu koordinieren und zu forcieren, empfiehlt der Arbeitskreis nicht zuletzt, einen Klimaschutzmanager auf Teilzeitbasis einzustellen.

Walburga Mörtl-Körner (Bündnis 90/Die Grünen) sprach von einem »Super-Programm«. Gleichwohl machte sie kein Hehl daraus, dass eine Umsetzung »nicht wenig Geld kosten wird«. Dr. Christian Hümmer (CSU) kritisierte, dass die allermeisten Vorschläge nicht so weit ausgearbeitet worden seien, dass man die Folgen für die Stadt – zum Beispiel die finanziellen Auswirkungen – erkennen kann. Oberbürgermeister Christian Kegel (SPD) entgegnete ihm, dass es jetzt in erster Linie darum gehe, ein Zeichen für den Klima- und Umweltschutz zu setzen.

Dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholler-Niederlöhner (SPD) erinnerte unter anderem daran, dass die Stadt mit Barbara Rassek vor Jahr und Tag schon einmal eine Klimaschutzmanagerin besessen habe. »Sie hat uns verlassen. Und wir haben dann nicht nachgebessert.« Rassek habe seinerzeit »ungeheuer viele Projekte« angeleiert. So eine wie sie würde der Stadt Traunstein »guttun«.

Ursula Lay (UW) stellte in Frage, ob ein Klimaschutzmanager nötig ist. Sie schlug vor, eine Gesamtschau über die schon laufenden Aktivitäten im Rathaus zu erstellen. Die Ressourcen, die da sind, seien zu koordinieren. Kegel entgegnete ihr, dass die Mitarbeiter in der Verwaltung gut zu tun hätten. Er empfahl »schnell eine Fachkraft einzustellen«.